31. August 2020 / 09:02 Uhr

"Unglücklich gelaufen", viele Baustellen: Kocak muss im 96-Trainingslager improvisieren

"Unglücklich gelaufen", viele Baustellen: Kocak muss im 96-Trainingslager improvisieren

Dirk Tietenberg und Uwe von Holt 
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Unter Beobachtung: Trainer Kenan Kocak improvisierte im Trainingslager und stimmte Führungsspieler wie Mike Frantz ein. 
Unter Beobachtung: Trainer Kenan Kocak improvisierte im Trainingslager und stimmte Führungsspieler wie Mike Frantz ein.  © Florian Petrow
Anzeige

Das Fazit für das Trainingslager von Hannover 96 in Stegersbach? Durchwachsen. Viele offene Baustellen bleiben, Trainer Kenan Kocak lobte einzig und allein den "sehr guten Teamgedanken".

Anzeige

Der Österreicher hat natürlich Humor. Es ist nun auch nicht so, als hätte 96-Trainer Kenan Kocak keinen Sinn für gute Späße. Die Bedingungen im Trainingslager in Österreich fand Kocak aber nicht lustig. Drei Wochen bis zum Ligastart hat 96 nun Zeit, Abstimmungsprobleme zu klären und die Mannschaft aufstiegstauglich zu trainieren. Klagen hilft nicht mehr: Kocak muss improvisieren.

Anzeige

"Eine oder andere war nicht so gut“

Der Trainingsplatz in Stegersbach war von Raben zerpickt, der Ausweichplatz dem Trainer zu weit weg, mit seinen Transferwünschen kam 96 nicht nach, der erste Test gegen Hartberg war Kocak zu früh, den zweiten ließ er am vergangenen Samstag platzen. Sportdirektor Gerhard Zuber arbeitete ständig am Stegersbach-Puzzle, einige Teile passten einfach nicht zusammen – auch wegen coronabedingter Termin- und Testauflagen.

Kocak sagte nun zum Abschluss, ihm falle es schwer, dem Trainingslager in Stegersbach „eine Benotung zu geben“. „Das Hotel war gut, das Essen war auch gut. Aber ich bin nicht hier, um das Hotel oder das Essen zu genießen. Das eine oder andere war nicht so gut.“

Die besten Bilder von Hannover 96 aus dem Trainingslager in Österreich

Die besten Bilder von Hannover 96 aus dem Trainingslager in Stegersbach. Zur Galerie
Die besten Bilder von Hannover 96 aus dem Trainingslager in Stegersbach. ©

Ein Witz sollte das Trainingslager nun nicht werden. Es gab noch eine Pointe, als 96 am Freitag ein Testspiel gegen den Regionalligisten Deutschkreutz für Samstag klarmachte. Kocak kassierte die Partie ein, als er erfuhr, dass Deutschkreutz eine Liga darunter in der vierten Liga kickt. Folge: Absage und Abflug.


"Trainingslager ist unglücklich gelaufen"

„Ich habe Verständnis dafür, dass der Trainer das Spiel gegen einen Viertligisten nicht wollte“, sagte 96-Chef Martin Kind gestern. Kind sprach sowohl mit Zuber als auch mit Kocak. Seine Zusammenfassung: „Das Trainigslager ist unglücklich gelaufen. Das wird gründlich aufgearbeitet, ich will aber nicht nach Schuldigen suchen. Wir wollen daraus lernen.“

Kocak hatte im Trainingslager schon seinen Lehrplan angepasst. Seine Belastungssteuerung sei „über den Haufen geworfen“. Also ließ er die Mannschaft am Tag nach dem Hartberg-Test (1:2) selbstständig einen Standardwettbewerb ausrichten: Belastung für den Kopf statt für den Körper, Gruppenmotivation statt Konditionstraining. „Wir haben ein gutes Miteinander“, erklärte Kocak. Dieses „Miteinander“. „Für den Teamgedanken war es sehr gut.“

Mehr zu Hannover 96

Das Problem, das Kocak dabei sieht, liegt ebenfalls auf der Hand. Es gibt das Team noch nicht. Mindestens fünf Neue werden noch integriert werden müssen – was natürlich leichter fällt, wenn die vorhandenen Spieler sich bereits gut verstehen.

„Für die Abläufe und das Spiel, das wir wollen, wäre es hilfreich, wenn wir den Kader komplett hätten“, bemerkte Kocak. Es wird aber einige Tage dauern, bis der Kader komplett ist.

Trabzonspor-Gerüchte lenken ab

Geradezu passend und zum wiederholten Mal kam das Gerücht auf, Kocak könne nach einer komischen Vorbereitung in die Türkei zu Trabzonspor fliehen. Kind gibt Kocak, der seinen Vertrag gerade bis 2023 verlängerte, ohnehin nicht frei. Der Gedanke lenkt außerdem von den eigentlichen Aufgaben ab.

Der 96-Trainer sammelt gerade Kräfte für die restlichen drei Wochen bis zum Ligastart. Die Zeit genügt, um den Auftrag der Saison zu erfüllen: zwei Derbysiege und ein Aufstieg am Ende der Zweitligasaison. Das wäre eine Pointe, die alle bei 96 fröhlich machen würde.