06. April 2022 / 08:52 Uhr

„Rückblickend...“: So hat 96 sportlich und finanziell beim Ducksch- Transfer verloren

„Rückblickend...“: So hat 96 sportlich und finanziell beim Ducksch- Transfer verloren

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ätsch, 96: Marvin Ducksch mit seinem typischen Torjubel. An den mittlerweile 17 Saisontoren des Stürmers lässt sich abzählen, was 96 verloren hat. 
Ätsch, 96: Marvin Ducksch mit seinem typischen Torjubel. An den mittlerweile 17 Saisontoren des Stürmers lässt sich abzählen, was 96 verloren hat.  © IMAGO/Nordphoto
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Der Verkauf von Marvin Ducksch nach Bremen war nicht nur aus sportlicher Sicht ein Eigentor von 96. Auch finanziell hat Hannover, entgegen der Erwartung, bei diesem Transfer verloren. „Rückblickend würde man den Verkauf sicher anders diskutieren“, weiß auch Boss Martin Kind.

Wer weiß, wo 96 stehen könnte, wenn der folgende Satz so rigoros Bestand gehabt hätte, wie er klingt: „Wir lassen Marvin Ducksch auf keinen Fall gehen“, sprach Sportchef Marcus Mann. Das war im vergangenen August, und nur eine Woche später landete das vermeintliche Machtwort zu einer Anfrage aus Bremen im Papierkorb. 96 verkaufte den besten Stürmer an Werder. Zu verlockend schien das Angebot. 

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Der 96-Vertrag von Ducksch wäre am Saisonende ausgelaufen, Gespräche über eine Verlängerung waren gescheitert. 96 ergriff die letzte Gelegenheit, noch mal eine Ablöse mit dem 27-Jährigen zu kassieren. Ducksch war für 1,8 Millionen Euro aus Düsseldorf gekommen, für fast das Doppelte ging er wieder. 3,5 Millionen Euro für einen Stürmer, der nur noch zehn Monate in der Stadt bleiben wollte, das schien ein sehr gutes Geschäft zu sein. Aber jetzt, sechs Spieltage vor dem Saisonende und die Gefahr des Abstiegs vor Augen, kann man feststellen: Die Rechnung mit Ducksch geht nicht auf. 96 hat zwar Millionen eingenommen, aber die entscheidenden Tore verloren.

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Ducksch hat gerade sein 17. Saisontor geschossen. Besser, man fragt nicht, wie viele Hendrik Weydandt und Lukas Hinterseer zusammen erzielt haben – nämlich nur eines bei zusammen 39 Einsätzen. Hinterseer war auf die Schnelle aus Südkorea als Ducksch-Ersatz verpflichtet worden. Der Österreicher hat noch überhaupt kein Tor gemacht. Auf der einen Seite stehen damit die 3,5 Millionen Euro für Ducksch – auf der anderen genau gar kein Tor von Hinterseer. 

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Selbst wenn man zugesteht, dass Ducksch in Bremen die besseren Vorlagenlieferanten besitzt, hat er doch auch in Hannover in zwei Jahren 32 Tore erzielt. 

Ersatz Hinterseer fällt nicht durch Tore auf

„Es war eine Güterabwägung“, erklärt 96-Chef Martin Kind. Sportlich ist der Verkauf ein Eigentor – aber auch finanziell verliert 96 dadurch. In der TV-Tabelle rutscht 96 durch die schlechtere Platzierung ab. In der nächsten Saison rechnet Kind nur noch mit 9 statt der jetzigen 14 Millionen Euro. Ganz zu Schweigen davon, was 96 ein Abstieg kosten würde. Zudem verdient auch Hinterseer nicht schlecht. Zuletzt fiel er durch ein Trainingsfoul auf und wurde beim ka­tas­tro­pha­len 1:1 gegen Regensburg aus dem Kader verbannt. Auch wenn Trainer Christoph Dabrowski betont, das sei eine Entscheidung für Moussa Doumbouya gewesen und keine gegen Hinterseer – eine typische Trainerfloskel. 

Im August des vergangenen Jahres war 96 noch optimistisch. „Wir waren der Überzeugung, dass wir das gut in den Griff kriegen würden“, sagt Kind, „aber das hat sich nicht bestätigt. Rückblickend würde man den Verkauf sicher anders diskutieren.“ Vor allem, weil die Ducksch-Alternative Hinterseer der größte Flop der Saison ist. Und auch Hendrik Weydandt viel verdient und fast gar nicht trifft.

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Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Der Ducksch-Verkauf wäre auch kein Thema mehr, wenn der Sportchef einen angemessenen Ersatz gefunden hätte. Würde er mit dem Wissen von heute Ducksch immer noch verkaufen? 

„Es ist müßig, darüber nachzudenken“, sagt Marcus Mann. „Man steckt nie ganz drin. Jeder weiß um die Qualität von Marvin, und dass er trifft.“ Doch die „Situation war, wie sie war“, erklärt der 38-Jährige. „Man hätte sich gewünscht, dass nicht nur Lukas mehr Tore schießt, da sind auch alle anderen Spieler aufgefordert.“ 

Mann: "Müssen das im Kollektiv lösen"

Bester Torschütze ist Sebastian Kerk mit sieben Treffern. In der Winterpause legte 96 mit Cedric Teuchert nach, der aber auch nur zweimal traf. „Für die letzten Spiele müssen wir das im Kollektiv lösen“, sagt Mann. Das – das ist die Lücke, die Ducksch bei 96 gerissen hat. „Schöner wäre, wenn er noch da wäre“, sagt Kind. „Aber die Mannschaft müsste von Struktur und Bezahlung her auch unabhängig von Ducksch erfolgreicher sein.“

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