07. Oktober 2020 / 08:18 Uhr

96-Chef Kind lobt Leistung Kocak und Zuber: "Kann kein anderes Ziel geben als den Aufstieg"

96-Chef Kind lobt Leistung Kocak und Zuber: "Kann kein anderes Ziel geben als den Aufstieg"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„All die Jahre ist noch nie so professionell argumentiert und strukturiert gearbeitet worden, sagt 96-Boss Martin Kind über Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber.
„All die Jahre ist noch nie so professionell argumentiert und strukturiert gearbeitet worden", sagt 96-Boss Martin Kind über Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber. © imago images/Jan Huebner
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Simon Falette ist nur das letzte Puzzleteil im neuen 96-Gebilde, die neue Elf ist damit komplett. Elf geholt, 15 Spieler weg – da noch von einer Renovierung der Mannschaft zu sprechen, wäre stark untertrieben. Der Kader ist vielmehr entkernt, und neue Säulen und Achsen sind eingezogen worden. 

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„Der Neuaufbau ist eine Superleistung“, lobt 96-Chef Martin Kind die beiden Architekten, Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber: „All die Jahre ist noch nie so professionell argumentiert und strukturiert gearbeitet worden.“

Riesenumbruch "sehr mutig"

Die massiven Bauarbeiten liefen auch noch unter erschwerten Bedingungen in der Corona-Krise. Kind nennt den Riesenumbruch „in der Phase der Pandemie sehr mutig“.

Zu- und Abgänge: Das sind die Sommertransfers von Hannover 96 (Saison 2020/21)

<b>Zugänge:</b> Simon Falette (vorerst ablösefrei, von Eintracht Frankfurt) Zur Galerie
Zugänge: Simon Falette (vorerst ablösefrei, von Eintracht Frankfurt) ©

96 hat dabei mehr ausgegeben als geplant. „Wir sind über unsere Überlegungen hinausgegangen, in vollem Bewusstsein“, erklärt der 76-Jährige, „wir haben nach oder sogar vor dem HSV die teuerste Mannschaft der 2. Liga.“ Das betrifft vor allem die Gehaltskosten, 96 hat die Lohnsumme aufgestockt, dafür aber nur geringe oder keine Ablöse gezahlt.

"Haben mehr ausgegeben als eingenommen“

Auf etwa 1,5 Millionen Euro summieren sich Ablöse und Leihgebühren, dazu kommen die 1,5 Millionen Euro an Abfindung und Gehaltsübernahmen für Edgar Prib (Düsseldorf), Marvin Bakalorz (Denizlispor), Ron-Robert Zieler (Köln) und Felipe. Mit der schwierigen Trennung von den beliebten Spielern sollte auch die Stimmung in der Kabine verändert werden.

„Die Mannschaft soll harmonieren und eine Einheit bilden“, begründet Kind „die notwendigen Entscheidungen, die auch die Strategie bestätigen“. Alles immer unter der Vorgabe „Wir wollen oben angreifen“.

Unter dem Strich steht bei den Transfers: „Wir haben mehr ausgegeben als eingenommen“, erläutert Kind. So hat der VfB Stuttgart noch längst nicht die kolportierten 4 Millionen Euro Ablöse für Waldemar Anton bezahlt. Nur etwa eine Million Euro sollen geflossen sein.

Mittlerweile kaufen Fußballvereine Spieler wie Normalbürger Fernseher und Kühlschränke – mit Ratenzahlung und Null-Prozent-Finanzierung. Kind bestätigt, „Stuttgart zahlt über die Zeitachse X“. 96 macht das allerdings nicht anders, etwa bei Falette.

„Stark fokussiert auf die Zukunft“ nennt der 96-Chef das Bezahlsystem, stellt aber auch klar: „Wir planen nicht mit Einnahmen aus der neuen Saison.“

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Solche Risikogeschäfte seien mit ihm nicht möglich. „Vielmehr sei 96 voll handlungsfähig“, was vor allem den drei Gesellschaftern geschuldet ist. Kind, Dirk Rossmann und Gregor Baum können mit ihrem Hintergrund und Vermögen für die nötige Liquidität sorgen. So kann 96 auch anders auf coronabedingte Einnahmeausfälle reagieren als normale Vereine.

Kind hat sich selbst „ex­trem eingebracht“ in die Gespräche, „Das hat mir Spaß gemacht in dem Sinne, dass konstruktiv diskutiert und entschieden wurde.“

"Haben alle Spieler gekriegt, mit Vernunft und Stehvermögen“

Nicht immer hatte Kocak dabei das letzte Wort. Es galt auch Kompromisse mit Zuber zu moderieren. Trainer und Sportchef hätten dabei laut Kind „eine Basis des Vertrauens“ gezeigt. Zuber und Kocak mussten jedoch lernen, „dass man 100 Euro nur einmal ausgeben kann“.

Der 96-Geschäftsführer sieht das gestellte Transferziel erreicht, „einen guten Mix“ zusammengestellt zu haben. Das sind – im neuen Fußballsprech – Unterschiedsspieler (Twumasi, Falette, Bijol), erfahrene Profis (Esser, Frantz, Basdas, Hult) und Perspektivspieler (Muroya, Evina, Schindler, Sulejmani).

„Wir haben alle Spieler gekriegt, mit Vernunft und Stehvermögen“, betont Kind. Daraus leitet er ab: „Für diese Mannschaft kann es kein anderes Ziel geben als den Aufstieg.“