21. April 2022 / 10:50 Uhr

Umbruch an der Akademie: So planen Mann und Kind die Zukunft der 96-Talente

Umbruch an der Akademie: So planen Mann und Kind die Zukunft der 96-Talente

Jonas Szemkus und Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Entscheider: Profiboss Martin Kind (rechts) und Sport­direktor Marcus Mann im Eilenriedestadion.
Die Entscheider: Profiboss Martin Kind (rechts) und Sport­direktor Marcus Mann im Eilenriedestadion. © Florian Petrow
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Der Abschied von Nachwuchschef Tarnat bei 96 steht bevor – die Klubbosse sehen das auch als Chance für die Akademie. „Wir haben über Jahre viel Geld reingesteckt, die Erträge waren überschaubar“, sagt Profichef Kind. Zwei bis drei Jungprofis pro Jahr sind das neue Ziel.

Am Ende wurden sich Akademiechef Michael Tarnat und die 96-Bosse bei einem Gipfeltreffen nur über eines einig: dass sie die Zusammenarbeit besser vorzeitig beenden sollten. Nicht mit bösem Blut zwar, aber wegen deutlich unterschiedlicher Vorstellungen. Das wurde bei dem Termin kurz vor Ostern mit Profiboss Martin Kind, Sportdirektor Marcus Mann und Tarnat schnell klar. Am Dienstagabend machte der Klub es offiziell, ein großer Umbruch in der Talente­schmiede steht an. 

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Nach Fußballlehrer Stephan Schmidt (hört als U19-Trainer auf) ist Tarnat der zweite namhafte Abgang innerhalb kurzer Zeit. Die Wahrheit um die Gründe der Trennung liegt wie so oft in der Mitte der Meinungen. Tarnat hatte seit Längerem fehlenden Rückhalt, vor allem finanziell, bemängelt. Außerdem sind die Kader im Nachwuchs tatsächlich recht eng besetzt. Den Bossen kamen trotzdem zu wenige gewinnbringende Jungstars aus der Akademie hoch zu den Profis. Da seien die knapp 7 Millionen Euro pro Jahr nicht gut investiert.

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Nach fünf Jahren wird die Zusammenarbeit deshalb ein Jahr früher als vertraglich geregelt beendet. Tarnat, der auf eine Abfindung verzichtete, hat dennoch Kinds „höchste Wertschätzung. Er ist ein feiner Mensch, ich mag ihn.“

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96 will jetzt „die Chance“ nutzen, „in der Akademie neue Impulse zu setzen“, sagte Manager Mann zum Abschied. Dass Tarnat trotz des nahenden Abschieds noch die nächste Saison planen soll, scheint deshalb ausgeschlossen. Die Bosse wollen in den kommenden Tagen final entscheiden. Möglich ist eine interne Übergangslösung, vermutlich würde dann Tarnats rechte Hand Dominic Prinz („Administrativer Leiter“ der Akademie) Aufgaben übernehmen – oder Sportdirektor Mann findet schnell eine langfristige Lösung. Die wird von außerhalb kommen und soll nach dem Wunsch von Kind durch frühere Profi-Erfolge eine sportliche Strahlkraft haben.

96 will zwei bis drei Jungprofis pro Jahr

Was 96 zugute kommt: Sportchef Mann ist gut vernetzt im Talentebereich und kennt Kandidaten. Schließlich war er bis zum Job in Hannover ein Jahr lang Chef der Hoffenheimer Nachwuchsarbeit. Gleichzeitig beackert der 38-Jährige im Moment aber viele Baustellen bei den Profis – Transfers, Spielerverträge, die Trainerfrage ...

96-Profichef Kind hat derweil klare Vorstellungen für die Akademie an der Eilenriede. „Wir haben da über Jahre viel Geld reingesteckt, die Erträge waren aber überschaubar. Andere Vereine machen es uns vor, wir brauchen eine Leistungsschmiede.“ Zwei bis drei Jungprofis, die es entweder bei 96 oder gegen Ablöse bei einem anderen Klub schaffen können, soll die Akademie künftig hervorbringen. Mit der eingezogenen „Gemütlichkeit soll nun Schluss“ sein.

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Platz 25: <b>Christof Babatz (19 Jahre, 7 Monate, 3 Tage)</b> ist ebenfalls unter den jüngsten Torschützen von Hannover 96 vertreten. Bum Bum - wie er aufgrund seines gefürchteten Schusses genannt wurde - traf am 6. April 1994 in der 2. Bundesliga für die Roten gegen den Wuppertaler SV.  Zur Galerie
Platz 25: Christof Babatz (19 Jahre, 7 Monate, 3 Tage) ist ebenfalls unter den jüngsten Torschützen von Hannover 96 vertreten. "Bum Bum" - wie er aufgrund seines gefürchteten Schusses genannt wurde - traf am 6. April 1994 in der 2. Bundesliga für die Roten gegen den Wuppertaler SV.  ©

Während 96 für die Zukunft der Akademie in der Planungsphase steckt, stehen die Pläne des scheidenden Chefs Tarnat bereits fest. Nach dem Abschied aus Hannover wird es den Ex-Profi von 96 und dem FC Bayern zurück nach München ziehen.

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