19. August 2020 / 11:22 Uhr

Kein Verkaufsstart für Dauerkarten: Hannover 96 geht Braunschweiger Weg nicht

Kein Verkaufsstart für Dauerkarten: Hannover 96 geht Braunschweiger Weg nicht

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind will bei Hannover 96 Dauerkarten erst anbieten, wenn wir ein gewisse Planungssicherheit haben.
Martin Kind will bei Hannover 96 Dauerkarten erst anbieten, "wenn wir ein gewisse Planungssicherheit haben". © Eibner-Pressefoto/Sascha Walther/Peter Steffen/dpa
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Fans von Eintracht Braunschweig können seit Mittwoch Dauerkarten für die neue Saison erwerben - ohne zu wissen, wann sie wirklich wieder ins Stadion dürfen. Diesem Beispiel folgt Hannover 96 nicht. 96-Profichef Martin Kind will den Verkauf erst starten, "wenn wir ein gewisse Planungssicherheit haben". 

Es käme ja vermutlich ohnehin nicht gut an in Hannover, wenn 96 den Braunschweiger Weg beschreiten würde – egal, worum es geht. Jedenfalls hat die Eintracht am Mittwoch den Dauerkartenverkauf für die neue Saison gestartet. Allerdings auf einer dünnen Datenbasis, denn keiner weiß, wann sich wieder die Tore in den Stadien für die Zuschauer öffnen werden.

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Eintracht-Fans können zwischen zwei Modellen wählen

Die Braunschweiger planen so: Fans können entscheiden zwischen zwei Modellen. Die Solidaritätsdauerkarte beinhaltet alle 17 Heimspiele, ohne Erstattungsanspruch bei coronabedingten Geisterspielen. Diese Dauerkarte ist wohl eher ein Spendenmodell, um dem Aufsteiger zu Einnahmen zu verhelfen. Die Alternative ist die Flexi-Dauerkarte, mit Rückerstattungsrecht bei Geisterspielen, allerdings erst am Saisonende.

Das Ganze sieht aus wie ein Notfinanzierungsprogramm für die Corona-Krise, um irgendwie zu Geld zu kommen. Diverse Vereine werden durch die ausbleibenden Einnahmen vermutlich in Insolvenzgefahr geraten.


Mehr über Hannover 96

96-Profichef Martin Kind lehnt den Braunschweiger Weg ab. „Wir bleiben bei unserer Linie, erst dann Dauerkarten anzubieten, wenn wir ein gewisse Planungssicherheit haben.“ Ein weiterer Grund, nicht verfrüht den Verkauf zu beginnen, ist für den 96-Chef: „Die Rückerstattung ist extrem aufwendig.“

"Wissen, dass die ersten Spiele ohne Zuschauer stattfinden werden"

In der abgelaufenen Saison hat ein Großteil der Dauerkartenbesitzer sich für das ‚Modell Rabatt’ bei neuen Tickets entschieden. Wer auf die Rückzahlung verzichtete, erhält 40 Prozent Rabatt für die nächste komplette Saison, die vor Publikum ausgetragen wird.

Klarheit hat Kind bisher nur für die nächsten Wochen: „Wir wissen, dass die ersten Spiele ohne Zuschauer stattfinden werden.“ Beim Start gegen Karlsruhe und vor allem beim zweiten Heimspiel gegen Braunschweig sollen keine Fans im Stadion sein. Das Derby, zu dem offenbar zwangsläufig Ausschreitungen gehören wie das Salz zur Suppe, wird als Geisterspiel friedlicher verlaufen. Kein Zufall, dass das Hochrisikospiel in die frühe Saisonphase verlegt wurde.

Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Bis Ende Oktober wollen die Gesundheitsminister der Länder keine Fans in die Stadien lassen. „Wir müssen befürchten, dass die ganze Hinrunde ohne Zuschauer gespielt werden wird“, sagt Kind, „und dann muss man immer noch abwarten, welche Quote erlaubt wird.“ Das heißt vorerst für den 96-Chef: „keine Ticketeinnahmen, kein Logenverkauf, keine Businesssitze und auch keine Einnahmen aus den stadiongebundenen Werberechten.“

Sollte es auch im neuen Jahr ohne Zuschauer weitergehen müssen, drohen Insolvenzen. „Eine ganze Saison ohne Zuschauer wird brutal“, warnt Kind. Die Hoffnung des 96-Chefs bleibt, „dass es zumindest sportlich ein erfolgreiches Jahr wird“.