09. April 2020 / 07:33 Uhr

Angebot aus der Bundesliga? Es wird kompliziert für 96, mit Weydandt zu verlängern

Angebot aus der Bundesliga? Es wird kompliziert für 96, mit Weydandt zu verlängern

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Sache zieht sich: Schon seit geraumer Zeit laufen die Verhandlungen zwischen 96 und Hendrik Weydandt bezüglich einer Vertragsverlängerung.
Die Sache zieht sich: Schon seit geraumer Zeit laufen die Verhandlungen zwischen 96 und Hendrik Weydandt bezüglich einer Vertragsverlängerung. © Florian Petrow
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Der Vertrag von Hendrik Weydandt läuft zum Saisonende aus. Hannover 96 will mit dem wuchtigen Stürmer verlängern, steht jedoch vor der schwierigen Aufgabe, dass gespart werden muss - und der Publikumsliebling wohl ein Angebot aus der Bundesliga vorliegen hat.

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Fredi Bobic, in kurzen Hosen bei Hannover 96 wieder zum Nationalspieler geworden, trägt jetzt Anzüge. Als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt hat er jetzt vermutlich ausgesprochen, was die meisten Vereine bewegt. „Wir hatten schon vieles von dem vorbereitet, was wir für den Kader der nächsten Saison machen wollten“, sagte Bobic. „Aber das alles ist jetzt komplett für die Tonne.“

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Weydandt soll ein wichtiger Faktor sein ...

„Im Wesentlichen hat er recht“, stimmt 96-Profichef Martin Kind zu. Bei den Roten führe das auch zu einer „gewissen Unzufriedenheit“ bei Trainer Kenan Kocak, der das Mannschafts-Puzzle für die neue Saison zusammensetzen will.

Ein wichtiger Faktor soll dabei Hendrik Weydandt sein. Der Vertrag des Stürmers läuft zum 30. Juni aus. Schon Ex-Sportchef Jan Schlaudraff hatte die Verhandlungen vor Weihnachten aufgenommen. Damals darauf angesprochen, sagte Weydandt entspannt: „Ich denke, da wird sich recht bald etwas ergeben.“

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Hat es aber sobald nicht. Mittlerweile hat Sportchef Gerhard Zuber die Verhandlungen übernommen. „Wir wollen mit Weydandt verlängern“, bestätigt Kind. „Zubers Gespräche laufen auch nicht schlecht, aber wir sind noch nicht soweit.“ Es gibt ein Problem, dass offenbar Weydandt davon abhält, bei 96 zu unterschreiben: „Es scheint ein Erstligist dran zu sein“, vermutet Kind.

... aber der hat wohl ein Erstliga-Angebot

Werder soll es nicht sein, die Bremer hatte nur vor dem Kauf von Niclas Füllkrug mal Interesse an Weydandt. Mainz oder Stuttgart wären denkbare Adressen.

Wenn sich das bestätigt, so Kinds Einschätzung, wäre Weydandt nicht zu halten – und auch nicht zu bezahlen. Wobei der Stürmer durch eine geschickte Vertragsgestaltung bei 96 zwar keine Million verdient – aber drei Viertel davon sollen es schon sein. „Er verdient für die zweite Liga schon gut“, weiß Kind.

Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. Zur Galerie
Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

Als Weydandt die ersten Kapitel seines 96-Märchens schrieb, hat er mit Unterstützung seines Vaters Heinrich clever verhandelt. Der damalige Manager Horst Heldt hatte 2018 nicht damit gerechnet, dass der aus der Regionalliga gewechselte Weydandt zum Stammspieler wird. Über Einsatzprämien kam der Stürmer ins Geld.

Schwierige Verhandlungsposition für 96

Künftig abzuspecken, obwohl ein Erstligist womöglich sogar mehr bietet – das ist eine schwierige Verhandlungsposition für 96. Zumal Weydandt mit seiner Mentalität herausragt – und ebenso wichtig: Sympathiewerte hat wie kein anderer Spieler.

96-Scout Dieter Schatzschneider sieht noch eine andere Entwicklung. „Der Typ Weydandt wird wieder gesucht“, weiß der ehemalige Torjäger. „Es gibt einen Markt für Henne. Die Zeit der falschen Neun ist vorbei“, meint Schatzschneider. Die kleinen, wuseligen Notstürmer wie Mario Götze sind nicht mehr gefragt. „Dortmund hat jetzt auch den Haaland vorne drin“, sagt Schatzschneider: „Alle suchen jetzt wieder die Leuchttürme in der Mitte.“

Das sind die neuen Marktwerte der Spieler von Hannover 96

Ron-Robert Zieler: 2,5 Millionen Euro (unverändert) Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: 2,5 Millionen Euro (unverändert) ©

Weydandt ist so einer, mit John Guidetti hat sich 96 einen weiteren Turm für ein halbes Jahr geliehen. Auch Moussa Doum­bou­ya, der von der U23 zu den Profis befördert wird, gehört in die Kategorie.

Doumbouya wird nur Joker, Guidetti schwer zu halten sein – und bei Weydandt wird 96 wohl abwarten müssen, wie sich der Transfermarkt entwickelt. So wenig wie 96 in der Corona-Krise hohe Gehälter zusagen kann, können auch mögliche Interessenten ihre Angebote aufrechterhalten. Das dürfte für alle Seiten bedeuten: Abwarten.