19. Januar 2022 / 09:01 Uhr

"Hatten keine Angst": Wie Milovanovic 96 1997 gegen Gladbach weiterschoss

"Hatten keine Angst": Wie Milovanovic 96 1997 gegen Gladbach weiterschoss

Eric Zimmer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Entscheidung: Vladan Milovanovic schießt am 15. August 1997 den letzten Elfmeter ins Tor. Gladbachs Torwart Uwe Kamps hat keine Chance. Heute lebt Milovanovic in Serbien, er hat Pokale und viele historische Fotos zu Hause.
Die Entscheidung: Vladan Milovanovic schießt am 15. August 1997 den letzten Elfmeter ins Tor. Gladbachs Torwart Uwe Kamps hat keine Chance. Heute lebt Milovanovic in Serbien, er hat Pokale und viele historische Fotos zu Hause. © Imago, privat
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Vladan Milovanovic ist in Hannover vor allem wegen einer Szene ein bekannter Mann, in Vergessenheit geraten: Der heute 51-Jährige ist auch ein Pokalheld, er hat es 1997 ge­schafft, Mönchengladbach, am Mittwoch wieder 96-Gegner, beim 6:4 nach Elfmeterschießen rauszuhauen. Ein Anruf bei Milovanovic, der in Krusevac (Ser­bi­en) lebt.

1998 ge­lang ihm in der Relegation um den Aufstieg in die 2. Liga ein legendärer Treffer gegen TB Berlin – per Fallrückzieher traf er im Rückspiel zum 2:0. Das rettete 96 ins Elfmeterschießen, am Ende jubelte man über den Aufstieg. 

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Herr Milovanovic, wo stecken Sie gerade?

Ich bin eben mit einer Massage fertig geworden. Seit zehn, elf Jahren arbeite ich in der Chiropraktik.

Spielen Sie noch Fußball?

Selten. Ich habe so viel zu tun. Zu mir kommen viele Sportler, darunter Basketballer, Nationalspieler und unsere serbischen NBA-Profis. Als ich in die Heimat zu­rück­ge­kom­men bin, habe ich eine Halle für Fußball und Tennis gebaut und nebenbei den Leuten geholfen, wenn sie Beschwerden hatten. Ei­ner nach dem anderen kam. Das hat sich dann so entwickelt.

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Lassen Sie uns über 96 sprechen.


Unbedingt! Gladbach kommt zum Pokalspiel. Das kenne ich gut. Von dem Match da­mals habe ich ein Foto bei mir hängen. Ich mit meinen blondierten Haaren.

Das war 1997. Da rollte Erstligist Gladbach zum Erstrundenspiel an. Sie spielten für 96, damals Regionalligist. Welche Erinnerungen haben Sie an den Abend?

Trainer Reinhold Fanz musste uns nicht extra motivieren. Er hat uns immer super eingestellt, es war eine tolle Mannschaft. Wir hatten keine Angst. Das war wichtig.

Nach 120 Minuten stand es 1:1 – Elfmeterschießen. Letzter 96-Schütze: Vladan Milovanovic. Sie zum Schluss, weil Sie der Coolste waren?

Ja. Ich habe nie einen Elfmeter verschossen in meiner Karriere. 

Was haben Sie auf dem Weg zum entscheidenden Elfer gedacht?

Nicht viel. Ich habe mich so­zu­sa­gen ausgemacht. Wie es steht, war für mich egal. Ich habe immer auf meinen Körper gehört. Müde und mit Schmerzen – das bedeutete vorher eine Ecke aussuchen. Fit und gut drauf – das be­deu­te­te warten und den Torwart ausgucken. Ich war mir meiner Sache sicher, fühlte mich gut.

Die Stimmung danach?

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Unglaublich. Es war ein schöner Sieg. Niemand hatte er­war­tet, dass wir weiterkommen. Natürlich hatten wir ein bisschen Glück. Gut war auch, dass wir im Stadion das Publikum gespürt haben und die Begeisterung aufnehmen konnten.

Anmerkung der Redaktion: In der zweiten Runde gewann 96 mit 2:1 gegen 1860 München, im Achtelfinale gegen Carl Zeiss Jena war dann Schluss – 3:5 nach Elfmeterschießen. Milovanovic kam gar nicht mehr an die Reihe.

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*Das mit dem Publikum fällt jetzt natürlich flach wegen der Corona-Richtlinien. *

Das ist schade und passt nicht zum Fußball. Das Publikum fehlt an so einem Abend im Pokal ganz besonders. Hoffentlich ist bald alles wieder normal. Die Stimmung früher war immer überragend.

Das gilt nicht für die Leistung von 96 in der ersten Saisonhälfte in der 2. Liga. Konnten Sie das in Serbien verfolgen?

Ja, das geht. Ich habe einige Spiele sehen können, jetzt gerade sieht es ja ganz gut aus, was die Ergebnisse von Hannover angeht. Ich wünsche mir, dass 96 in Fahrt kommt, sich findet – und dann in Ruhe die nächste Saison vorbereiten kann. So, dass sie dann um den Aufstieg mitspielen können. Hannover bleibt für immer meine Mannschaft. Ich hatte dort so eine schöne Zeit. 96 gehört in die 1. Liga.

Und ins Pokal-Viertelfinale, wenn es nach Ihnen geht. Wie kann das Wunder gegen Gladbach klappen?

Wir haben es 1997 als Drittligist geschafft. Warum sollte es 96 also in der jetzigen Situation nicht auch schaffen? Die Mannschaft muss an sich glauben, dann geht alles. Ich drücke jedenfalls die Daumen.