13. Mai 2019 / 17:01 Uhr

Hannover 96 vor dem größten Umbruch aller Zeiten: Wer muss gehen? Wer darf bleiben?

Hannover 96 vor dem größten Umbruch aller Zeiten: Wer muss gehen? Wer darf bleiben?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96 blickt in eine ungewisse Zukunft. Die Fans bleiben, die Mannschaft steht vor einem radikalen Umbruch.
96 blickt in eine ungewisse Zukunft. Die Fans bleiben, die Mannschaft steht vor einem radikalen Umbruch. © Maike Lobback
Anzeige

Nach dem Abstieg ist vor dem Neuaufbau: Hannover 96 steht der größte Umbruch aller Zeiten bevor. Dabei blickt der Verein aktuell in eine ungewisse Zukunft. Ein Manager ist noch nicht da, die Trainerfrage ungeklärt - dazu sollen 18 Spieler den Klub verlassen. Wer muss gehen, wer darf bleiben? Ein Überblick. 

Anzeige
Anzeige

Da standen sie vor der Nordkurve, mit Tränen in den Augen wie Linton Maina und wie Schüler, die wissen, dass sie ihre Prüfung versaut haben. Das Ganze bekommt aber eine besondere Note – die Absteiger werden nicht mit Schimpf und Schande vom Platz gejagt, sondern gefeiert, als hätten sie sich soeben für die Europa League qualifiziert. Sie klatschen sich sogar nach vielen Monaten erstmals wieder mit den Fans ab. „Ein Gänsehautmoment“ für Kapitän Marvin Bakalorz, der daraus schließt: „Hannover ist eine Fußballstadt.“

Der komplette Neuaufbau ist riskant – und alternativlos

Der Profifußball in der Region steht aber vor einer ungewissen Zukunft. Die Mannschaft zerfällt, ein Sportchef ist nicht bestellt, auch ist nicht klar, wer Trainer sein wird. Der „komplette Neuaufbau“, den 96-Geschäftsführer Martin Kind angekündigt hat, ist riskant – und alternativlos.

Es ist bereits der sechste Abstieg für 96 aus der Bundesliga: 1974, 1976, 1986, 1989, 2016, 2019 ging es runter in Liga zwei. „Ein ganz trauriger Moment“, sagt Trainer Thomas Doll, „du gewinnst 3:0 und steigst ab.“ Der Sieg gegen wehr- und lustlose Freiburger ist wertlos, weil Stuttgart gleichzeitig gegen Wolfsburg 3:0 gewann. „Ein extrem beschissenes Gefühl“ für Torwart Michael Esser. „In der Halbzeit wussten wir, wie es bei Stuttgart steht. Zwischendurch hab ich mal nachgefragt, ob sich was getan hat, aber …“

In Bildern: Die Auf- und Abstiege von Hannover 96

Der Gang in die 2. Liga scheint für Hannover 96 in dieser Saison unvermeidbar. Es wäre der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte. Oft ging es aber schnell wieder hoch. Das sind die Auf- und Abstiege der Roten seit Gründung der Bundesliga. Zur Galerie
Der Gang in die 2. Liga scheint für Hannover 96 in dieser Saison unvermeidbar. Es wäre der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte. Oft ging es aber schnell wieder hoch. Das sind die Auf- und Abstiege der Roten seit Gründung der Bundesliga. ©
Anzeige
Mehr zu Hannover 96

18 Spieler sollen weg, wer bleibt? - ein Überblick

Umso mehr wird sich nun in Hannover tun – der größte Umbruch aller Zeiten steht bevor. 18 Spieler sollen weg. Die fünf Leihspieler Bobby Wood (HSV), Kevin Wimmer (Stoke City), Nicolai Müller (Frankfurt), Takuma Asano (Arsenal) und Kevin Akpoguma (Hoffenheim) werden zu ihren Vereinen zurückgeschickt.

Pirmin Schweglers Vertrag gilt nur für die 1. Liga. Die Verträge von Marvin Bakalorz, Edgar Prib, Uffe Bech, Oliver Sorg, Felipe und Samuel Sahin-Radlinger laufen aus. Prib soll bleiben, Bakalorz will sich „erst mal sammeln“, bevor er entscheidet. Niclas Füllkrug wechselt zu Werder, der Stürmer wurde bei der Einwechslung angefeindet und ausgepfiffen.

Ihlas Bebou soll wie Walace und Genki Haraguchi verkauft werden. Auch Waldemar Anton will gehen. Bei Bebous Comeback hat sich gezeigt, dass 96 mit ihm eine viel bessere Mannschaft ist. „Man stelle sich mal vor, Bebou und Füllkrug wären nicht so lange verletzt gewesen“, fühlt Freiburg-Trainer Christian Streich mit 96 mit.

Die Roten in Noten: 96-Einzelkritik gegen den SC Freiburg

Michael Esser: Bekommt in der ersten Hälfte einen Schuss aufs Tor, den hält er fest. Die Ruhe selbst, auch beim 96-Tor nimmt er erstmal einen Schluck aus der Pulle. In der zweiten Hältfe beschäftigungslos. Note 3. Zur Galerie
Michael Esser: Bekommt in der ersten Hälfte einen Schuss aufs Tor, den hält er fest. Die Ruhe selbst, auch beim 96-Tor nimmt er erstmal einen Schluck aus der Pulle. In der zweiten Hältfe beschäftigungslos. Note 3. ©

„Jungs holen, die für diesen Verein durchs Feuer gehen“

Esser zählt die Gründe für den Abstieg auf: „Die Verletzten, das fehlende Glück, unterm Strich auch die Qualitätsfrage, die Qualität hat in der Breite etwas gefehlt.“ Was aus Doll wird, bespricht Kind mit ihm nach dem Spiel in Düsseldorf. Der Ex-Profi macht sich aber keine Illusionen. „Wenn man wenige Punkte holt und absteigt, hat man nicht so viele Argumente.“

Der Trainer meint aber zu wissen, was 96 jetzt braucht. „Jungs holen, die für diesen Verein durchs Feuer gehen“, rät Doll, „eine schlagkräftige Mannschaft formen, denn die 2. Liga ist schon eine harte Kiste.“

Der Hamburger SV kann das bestätigen. Der kleine und der große HSV stehen nun gemeinsam vor der schweren Prüfung, die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen. Das wird wohl wieder tränenreich enden.

Bilder zum Spiel Hannover 96 gegen SC Freiburg

Linton Maina hat nach dem besiegelten 96-Abstieg Tränen in den Augen, Kapitän Marvin Bakalorz tröstet ihn. Zur Galerie
Linton Maina hat nach dem besiegelten 96-Abstieg Tränen in den Augen, Kapitän Marvin Bakalorz tröstet ihn. ©

ANZEIGE: 50% Rabatt auf 5-teiliges Trainingsset! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt