16. Juni 2020 / 07:05 Uhr

Profiboss Martin Kind: Waldemar Anton muss bei Hannover 96 bleiben

Profiboss Martin Kind: Waldemar Anton muss bei Hannover 96 bleiben

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Vertrag von Waldemar Anton endet 2021. Am Ende dieser Saison will 96 den Mittelfeld-Kämpfer aber nicht abgeben. 
Der Vertrag von Waldemar Anton endet 2021. Am Ende dieser Saison will 96 den Mittelfeld-Kämpfer aber nicht abgeben.  © imago images/Noah Wedel
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Der Vertrag von Waldemar Anton läuft im kommenden Jahr aus. Um mit ihm noch etwas zu verdienen, müsste 96 ihn nach dieser Saison verkaufen. Einem Wechsel schieben Martin Kind und Trainer Kenan Kocak aber einen Riegel vor und streben ein ähnliches Modell an, wie damals bei Salif Sané. 

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Alles kein Zufall. Von den letzten acht Spielen hat 96 zwei verloren – beide Male fehlte Waldemar Anton. Beim 1:3 in Sandhausen saß er eine Sperre nach der zehnten Gelben Karte ab. Beim 2:3 am vergangenen Sonntag in Darmstadt nahm sich der 23-Jährige eine Babypause. Seine Frau Jennifer brachte am Spieltag ihre Tochter zur Welt, da blieb für 96 keine Zeit.

"Können Waldi nicht ersetzen"

Ohne Anton bricht eine tragende Säule weg. „Wir haben gesehen, dass wir Waldi nicht ersetzen können“, urteilte Trainer Kenan Kocak. „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. In gewissen Phasen haben wir seine Aggressivität vermisst.“

Das gilt grundsätzlich, aber besonders bei der von Kocak bevorzugen Systematik mit einer Raute im Mittelfeld. Dabei übernimmt nur ein Spieler den defensiven Part als Abräumer vor der Abwehr. In Darmstadt löste Dominik Kaiser die Aufgabe ersatzweise weniger gut.

Anton bleibt der unumstrittene König im 96-Mittelfeld, und das ist keine gute Nachricht für seine Wechselpläne. Sein Berater hat 96 zwar mitgeteilt, dass er Angebote für seinen Klienten einholen will. Der Verein hat dem auch zugestimmt.

Das ist Waldemar Anton: Bilder seiner Karriere

Waldemar Anton ist ein Hannover-Junge mit Wurzeln in Usbekistan und im Stadtteil Mühlenberg. Sein Vater war Leistungsschwimmer, er selbst ist ein Mathe-Ass mit Abitur. Aber „Waldi“ durfte sich schon länger ausrechnen, dass es was wird mit seiner Profi-Karriere. Vom Mühlenberger SV kam er 2008 in die 96-Jugend. In der Saison 2013/2014 erreichte Anton mit der A-Jugend das Endpsiel um die deutsche Meisterschaft. Zur Galerie
Waldemar Anton ist ein Hannover-Junge mit Wurzeln in Usbekistan und im Stadtteil Mühlenberg. Sein Vater war Leistungsschwimmer, er selbst ist ein Mathe-Ass mit Abitur. Aber „Waldi“ durfte sich schon länger ausrechnen, dass es was wird mit seiner Profi-Karriere. Vom Mühlenberger SV kam er 2008 in die 96-Jugend. In der Saison 2013/2014 erreichte Anton mit der A-Jugend das Endpsiel um die deutsche Meisterschaft. ©

Mainz wollte elf Millionen zahlen

Antons Vertrag läuft im nächsten Jahr aus. Wenn 96 noch eine Ablöse verbuchen will, dann muss er jetzt verkauft werden. Im vergangenen Sommer untersagte der Verein bereits einen ausgehandelten Wechsel nach Mainz. 11 Millionen Euro wollte der Bundesligist zahlen.

96 entschied sich nicht fürs Geld, sondern für Anton. Und das wird sich wiederholen. „Wenn Kocak sagt, Anton muss bleiben, dann bleibt er“, stellt 96-Chef Martin Kind klar. „Es geht uns nicht darum, Gelder zu erzielen, sondern wir haben Ziele, die wir erreichen wollen.“

Ohnehin wäre fraglich, wie viel Kaufinteressenten überhaupt zu zahlen bereit wären. Mehr als vier, fünf Millionen Euro zu erhoffen wäre wohl illusorisch. Der finanzielle Schaden wäre damit überschaubar, vor allem im Rückblick auf das Mainzer Angebot.

Der 96-Chef will noch in dieser Woche auf dem nächsten Planungsgipfel „Kocaks Einschätzung dazu hören“. Dabei scheint schon klar – der Trainer will auf Anton nicht verzichten.

So lief es bei Salif Sané

Das Ganze ähnelt dem Fall Salif Sané. Der Verteidiger wollte 96 nach dem Abstieg 2016 verlassen, durfte aber nicht. Teilnehmer der Verhandlungen berichteten von einem wütenden Profi, der die Freigabeverweigerung anfangs nicht akzeptieren wollte.

„Der Unterschied ist, dass wir mit Salif eine Vereinbarung getroffen haben“, erinnert sich Kind. Sané bekam mehr Geld, einen neuen Vertrag mit einer Billigausstiegsklausel – und half 2017 entscheidend zum Aufstieg. Nach dem ersten 96-Jahr in der Bundesliga wechselte er dann nach Schalke.

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Ähnlich wie mit Sané will 96 einen Pakt mit Anton schließen. „Wir werden mit ihm sprechen und versuchen, eine Regelung zu finden“, erklärt Kind. „Da sind ja viele Dinge denkbar“, natürlich auch Ausstiegsklauseln.

Falls Anton sich nicht darauf einlässt, wird 96 ein Machtwort sprechen. Der Profi wäre schließlich auf das Einverständnis des Klubs zum Wechsel angewiesen. „Dann hilft er uns für ein Jahr vielleicht zum Aufstieg“, meint Kind.

Sollte 96 tatsächlich in die Bundesliga zurückkehren, wäre womöglich auch Anton bereit, länger zu bleiben. Für einen Spieler, der seit 13 Jahren bei 96 ist, dürfte der letzte Ausweg verstellt sein: Streiken wird Anton nicht, um die Freigabe zu erpressen.