15. November 2019 / 08:29 Uhr

Hannover 96: Zur Sicherheit übernimmt Kenan Kocak das "rote Fußballboot"

Hannover 96: Zur Sicherheit übernimmt Kenan Kocak das "rote Fußballboot"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der 38-jährige Kenan Kocak übernimmt das Steuer bei Hannover 96.
Der 38-jährige Kenan Kocak übernimmt das Steuer bei Hannover 96. © Uwe Anspach/dpa
Anzeige

Kenan Kocak ist neuer Trainer von Hannover 96. Der Ex-Sandhäuser unterschreibt bis Ende der Saison. Der 38-Jährige lernte bei Guardiola, war im Sommer schon Kandidat und will „Stabilität reinbekommen“. Am Freitag um 10 Uhr leitet er sein erstes Training.

Anzeige

Eintrag im Bordbuch des roten Fußballboots: Tag zwölf nach der Entlassung von Mirko Slomka, der neue Trainer Kenan Kocak übernimmt am Freitag die Arbeit und leitet ab 10 Uhr sein erstes Training. Der Vertrag gilt aber nur bis zum Saisonende.

96-Sportdirektor Jan Schlaudraff erklärt, einen am­bitionierten Trainer ge­won­nen zu haben, „der die Liga bereits gut kennt“. Ko­cak sei es „immer gelungen, seinen Mannschaften Sicherheit zu verleihen“.

Das 96-Boot droht zu kentern, die Abstiegsplätze sind nah. Das neue Schlüsselwort für den Erfolg nennt Kocak vor seiner „extrem spannenden Aufgabe“ schon mal: „In erster Linie geht es darum, Stabilität reinzubekommen.“

Kenan Kocak wird neuer Trainer bei Hannover 96: So reagieren die Fans

Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. Zur Galerie
Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. ©

Kocak war bereits im vergangenen Sommer Kandidat bei 96

Eine Randnotiz zu dem 38-Jährigen gab es bereits vor einem halben Jahr. Kocak hatte es im Trainercasting unter die letzten drei ge­schafft. Markus Anfang galt damals als Kandidat von Sportchef Jan Schlaudraff und fiel als Erster durch. Blieben Kocak und Mirko Slomka, beide auf dem Ticket von 96-Profichef Martin Kind unterwegs. Es wurde Slomka, der nach nur vier Monaten wieder abgesetzt wurde. Nun, da 96 den Rettungsring auswerfen muss in den Untiefen der 2. Liga, greift die damalige zweite Wahl. „Er hat bei den Gesprächen im Sommer schon einen guten Eindruck hinterlassen“, er­klärt Kind nun.

Kein Kind-Alleingang: Schlaudraff hatte die Wahl

Es soll aber diesmal mitnichten Kinds alleinige Entscheidung gewesen sein. Vielmehr hat der Geschäftsführer der 96-Fußballfirma Schlaudraff die Wahl gelassen und die Vertragsgespräche überlassen. Es wurde ausgehandelt, dass Kocak keinen Assistenten mitbringt, sondern mit Slomkas Helfern Asif Saric und Lars Barlemann weitermacht. 96 habe gewissenhaft gearbeitet, erläutert Kind: „Die Seriosität von Entscheidungen benötigt Zeit – das be­deu­tet Professionalität.“

Für den 36-jährigen Schlaudraff war das Vertragswerk Neuland, er lernt ja noch. So lange hatte 96 auch noch nie gebraucht, bis ein neuer Skipper das Ruder übernehmen konnte. Kocaks Anstellung ist demnach Schlaudraffs Gesellenstück. Er will ja mal ein Meister seines Sportchef-Fachs werden.

Mehr Berichte über Hannover 96

Das sind die Trainer von Hannover 96 seit dem Aufstieg 2001

Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. Zur Galerie
Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. © imago/

Kocak hospitierte bei Pep Guardiola

Die Ansprüche an Kocak sind geringer. Den alten Tanker 96, der Rost angesetzt hat, aus dem Sturm in sichere Gewässer navigieren, das ist sein erstes Ziel. Vom Aufstieg redet keiner mehr.

Für Kocak ist es jedoch ein Aufstieg, nach drei Jahren als Viertligatrainer bei Waldhof Mannheim und zwei Jahren in Sandhausen. Kocak galt dort als Garant des Erfolgs, was für den kleinen Klub mit dem Mini-Etat hieß, den sicheren Klassenerhalt auf den Plätzen zehn und elf geschafft zu haben. Nach der Entlassung im Oktober 2018 hat Kocak bei Pep Guardiola hospitiert und sich mit Jupp Heynckes getroffen. Dann rief Schlaudraff an.

Nun also 96, Kocaks erster größerer Verein, wenn auch ein leckgeschlagener. „Die Trainerposition ist eine der wichtigsten Personalien in einem Klub“, meint Kind, „wir sind zu einer Entscheidung gekommen, mit der alle zufrieden sind.“

Das 96-Bordbuch wird damit aber nicht zugeklappt. Der nächste Eintrag folgt am 25. November – beim ersten Heimspiel unter Kocak gegen Darmstadt.