05. Mai 2021 / 07:07 Uhr

"Kann gut mit solchen Menschen": Baumgart-Zusage für 96-Boss Kind bis Wochenende?

"Kann gut mit solchen Menschen": Baumgart-Zusage für 96-Boss Kind bis Wochenende?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bestätigen gute Gespräche: Trainer Steffen Baumgart und 96-Boss Martin Kind (eingeklinkt).
Bestätigen gute Gespräche: Trainer Steffen Baumgart und 96-Boss Martin Kind (eingeklinkt). © IMAGO/Noah Wedel
Anzeige

Es wird konkreter zwischen Hannover 96 und Steffen Baumgart. Der Wunschkandidat für die Nachfolge von Kenan Kocak spricht von "einem sehr angenehmen, sehr guten Gespräch", 96-Boss Martin Kind hofft auf eine Zusage bis zum Wochenende und sagt: "Ich kann gut mit solchen Menschen."

Anzeige

Er hat ja schon viel erlebt. Als Stürmer (225 Bundesligaspiele) sah der Rostocker viele Trainer kommen und gehen. Die aktuelle Wechselsituation ist noch ungewohnt für den Fußballlehrer Steffen Baumgart. Der 49-Jährige teilte dem SC Paderborn am 8. April mit, dass er neue Wege gehen wolle.

Anzeige

Was nun folgte, „ist auch neu für mich, eine Herausforderung“, sagt Baumgart. Bei welchem Klub er die Herausforderung annehmen wird, weiß er noch nicht, sagt er. Aber das erste Gespräch mit 96-Boss Martin Kind fand Baumgart schon mal „sehr angenehm, sehr gut“.

Baumgart ist Wunschkandidat in Hannover, weil 96 aufsteigen will und der Trainer Aufstieg kann. Mit Paderborn schaffte er den Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga. Dorthin will 96 auch zurück, auch das teilte Kind seinem Topkandidaten nun in „einem sehr guten, sehr strukturierten Gespräch“ mit.

Kandidat in Hamburg? "Kann ich gar nicht sagen"

Baumgart habe seinen Vorstellungen recht genau entsprochen: „Bodenständig, ehrlich, ein gerader Typ mit großen Fachkenntnissen, ich kann gut mit solchen Menschen.“ Der Wohlfühlfaktor scheint schon zu stimmen, die Pole Position beim Verhandeln kann nun ein großer 96-Vorteil sein im Wettrennen um den Trainer.

Baumgart hat dem Vernehmen nach zwei Optionen in der 1. Liga, eine in der 2. Liga, dazu kommt das frische Interesse aus Hamburg. Baumgart soll beim HSV Wunschkandidat Nummer eins sein. Und wenn der große HSV fragt, so die Einschätzung in Hamburg, dann hat der kleine HSV von 1896 keine Chance.

„Ob ich Kandidat bin, kann ich gar nicht sagen“, erklärt Baumgart, „Daniel (Thioune) wurde die Entscheidung um 9 Uhr morgens mitgeteilt, und um 10 Uhr soll ich Favorit auf die Nachfolge sein? Ganz ehrlich, das geht auch mir ein bisschen schnell.“

Von Rangnick bis Doll: Die 96-Trainer seit dem Aufstieg 2002 in der Galerie

Ralf Rangnick (Juli 2001-März 2004): Wo wäre Hannover 96 wohl heute ohne ihn? In überragender Manier stiegen die Roten im Jahr 2002 mit Rangnick nach 13-jähriger Abstinenz wieder in die Eliteliga auf. Im ersten Bundesliga-Jahr feierte Rangnick in Hannover noch den Klassenerhalt - in der dritten Saison seiner Amtszeit war dann Schluss für den Mann aus Backnang. Eine 0:1-Pleite am Gladbacher Bökelberg bedeutete das Ende für Rangnick.   Zur Galerie
Ralf Rangnick (Juli 2001-März 2004): Wo wäre Hannover 96 wohl heute ohne ihn? In überragender Manier stiegen die Roten im Jahr 2002 mit Rangnick nach 13-jähriger Abstinenz wieder in die Eliteliga auf. Im ersten Bundesliga-Jahr feierte Rangnick in Hannover noch den Klassenerhalt - in der dritten Saison seiner Amtszeit war dann Schluss für den Mann aus Backnang. Eine 0:1-Pleite am Gladbacher Bökelberg bedeutete das Ende für Rangnick.   ©

Baumgart war klar gewesen, dass ein Kollege weichen muss, wenn er woanders Trainer werden möchte. „Man sagt ja immer, das gehört zum Job, das man ihn auch verlieren kann, damit muss man umgehen“, sagt er. „Aber das ist nicht so einfach.“

Dem Kollegen Uwe Rösler, dessen Arbeit in Düsseldorf vom Aufstieg abhängt, wünscht er alles Gute, „weil Uwe einen Riesenjob da macht“. Düsseldorf wolle er deshalb nicht zum Thema machen.

Mit vielen Telefonaten nach dem angekündigten Wechsel in die ungewisse Zukunft hatte er gerechnet. Er beantwortet die Anfragen geduldig. Das mache ihn nicht nervös. „Oder wirke ich angespannt?“ fragt er. „Ich bin völlig entspannt.“

So viele Anrufe eingehen mögen, auf dem Trainingsplatz in Paderborn ist das Handy für ihn tabu. „Nur die Physios dürfen ihr Handy dabei haben – und die Spieler, deren Frauen hochschwanger sind.“

Mehr über Hannover 96

Bei 96 ist demnächst viel Platz für Neues. Trainer Kenan Kocak wird aufhören. Bei Manager Gerhard Zuber ist nicht klar, wie es weitergeht. Wer plant die nächste Saison und die Transfers? Und wann? Die Ungeduld im 96-Umfeld wächst.

"Herr Baumgart denkt da sehr vernünftig"

Aber auch das würde Baumgart nicht nervös machen. „Der Kaderplan ist doch mit dem ersten Tag des Trainingslagers nicht beendet“, erklärt der 49-Jährige. „Es hat sich viel nach hinten verschoben. Und man plant ja nicht mit einem Spieler für eine Position, man plant mehrgleisig.“

Mit Kind hat er über eine mögliche sportliche Personalausstattung auch schon gesprochen, der Trend soll demnach nicht zum teuren Komplettumbruch gehen: „Herr Baumgart denkt da sehr vernünftig“, sagt der 96-Boss, der Trainer hält die vorhandene Mannschaft qualitativ für stark besetzt.

Bis zum Wochenende, so der grob vereinbarte Zeitplan, wird man klarer sehen – dann rechnet Kind mit einem Signal von Baumgart. Und zwar mit einem positiven.