26. Mai 2021 / 07:10 Uhr

"Nehmen Herausforderung an": So schwierig wird's für 96 in der schönen Zweitliga-Welt

"Nehmen Herausforderung an": So schwierig wird's für 96 in der schönen Zweitliga-Welt

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die starke Konkurrenz nimmt 96-Profichef Martin Kind sportlich: Wir haben keine Angst.
Die starke Konkurrenz nimmt 96-Profichef Martin Kind sportlich: "Wir haben keine Angst." © Florian Petrow
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Die neue 2. Bundesliga hat es in sich - mit unglaublich vielen namhaften Klubs und extrem starker Konkurrenz für 96. "Wir haben keine Angst und nehmen die Herausforderung an", sagt Boss Martin Kind. Mit neuem Vorbild: Greuther Fürth hat's vorgemacht, wie man mit kleinem Etat den Aufstieg packen kann.

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Schöne neue Zweitliga-Welt. Die 1. Liga trifft sich in der Provinz bei Spielen zwischen Fürth und Bielefeld, Bochum und Augsburg, Mainz und Hoffenheim. Im angeblichen Unterhaus sammeln sich dagegen die Premiumklubs, altehrwürdigen Vereine mit langer Bundesliga-Zugehörigkeit. Die Absteiger Schalke und Werder, HSV, Düsseldorf, Nürnberg. Vielleicht noch Köln, wenn sich Kiel in der Relegation durchsetzen sollte. Schon jetzt stecken 307 Jahre Bundesliga in der neuen ­­2. Liga.

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Nur Heidenheim, Aue, Regensburg, Sandhausen und – je nach Ausgang der Relegation – Kiel und Osnabrück haben noch nicht in der 1. Liga gespielt. „Solch eine Hammer-Liga gab es noch nie“, meint der Mainzer Sportvorstand Christian Heidel. „Andererseits fehlen die illustren Namen der Bundesliga, das ist seltsam.“

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96-Chef Martin Kind nimmt die Starkonkurrenz im dritten Zweitligajahr in Folge sportlich. „Wir haben keine Angst und nehmen die Herausforderung an. Das ist doch eine hochattraktive Liga.“ Kind hofft auf „erhöhte Zuschauerzahlen“. Ohnehin wird zum Saisonstart am 23. Juli mit dem Ende der Geisterspiele gerechnet. Klubs mit großer Fanbasis wie Schalke, HSV und Werder werden auch bei Auswärtsspielen die Stadien der 2. Liga füllen. Der Wettbewerb um den Aufstieg wird allerdings noch härter.

Bremer haben Schuldenproblem

Schalke: Der größte Klub der 2. Liga mit 160 000 Mitgliedern, aber auch der ärmste. 217 Millionen Euro Schulden drücken – aber Schalke wäre nicht Schalke, wenn der direkte Wiederaufstieg nicht trotzdem als Ziel ausgegeben würde. Das Geld dazu soll durch Verkäufe eingesammelt werden, aber für Sebastian Rudy, Suat Serdar oder Matija Nastasic fehlen Interessenten. Wenn Trainer Dimitrios Grammozis am 14. Juni in die Vorbereitung startet, eine Woche vor 96, wird der Kader nicht stehen.

Am Dienstag wurde Victor Palsson aus Darmstadt für 700 000 Euro Ablöse verpflichtet. 96 wollte den defensiven Mittelfeldmann vor der letzten Saison holen. Der Spieler-Etat soll 35 Millionen Euro betragen – das wäre spitze in Liga zwei. 96 plant nur mit der Hälfte – mit etwa 17 Millionen Euro für die Mannschaft.

Werder Bremen: Auch die angeblich soliden Bremer Kaufleute haben ein Schuldenproblem. 75 Millionen Euro sollen es sein. Mit Fananleihen soll das Geld eingesammelt werden, das Banken verweigern. Sogar der Abzug von sechs Punkten droht, wenn im Sommer kein Transferüberschuss erwirtschaftet wird. „Es muss das Ziel sein, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass wir direkt wieder aufsteigen können“, sagte Sportchef Frank Baumann.

Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Hamburger SV: Es wird der vierte Versuch der Hamburger, zurückzukehren in das Revier, das den HSV als Dino kannte. Mit Tim Walter als sechstem Trainer nach dem Abstieg. Walter war nach seiner letzten Trainerstation in Stuttgart anderthalb Jahre beschäftigungslos, zuvor in Kiel angestellt. „Platz vier ist kein Ziel“, sagt der selbstbewusste 45-Jährige. Mit einem Spieler-Etat von etwa 20 Millionen Euro wird der HSV finanziell oben mitspielen.

96 nimmt sich Fürth als Vorbild

Fortuna Düsseldorf: Sportchef Klaus Allofs sammelt fleißig Geld ein und will in der nächsten Saison hoch. Für Trainer Uwe Rösler reichte Platz fünf nicht als Jobgarantie – er muss gehen. Das unterstreicht die Aufstiegsambitionen.

Nürnberg: Angesichts der massiven Konkurrenz wollen die Nürnberger in der neuen Saison zurückhaltender planen. Abwarten, ein funktionierendes Team bauen und dann in der übernächsten Saison zuschlagen, wenn Schalke, Werder und Co. aufgestiegen sind. Das könnte auch das 96-Szenario sein.

Die Geheimfavoriten: Mit St. Pauli, das die viertbeste Rückrunde gespielt hat, Karlsruhe, das ein neues Stadion baut, und Heidenheim, das schon mal in der Relegation war – es gibt immer wieder Klubs, die überraschen. Das Vorbild auch für 96 ist Greuther Fürth. Mit dem Mini-Spieler-Etat von 8,5 Millionen Euro steigt der Verein auf. Das beweist – es kommt nicht nur aufs Geld an.