10. April 2019 / 12:16 Uhr

Aus Sportler wird Lehrer: Eishockey-Legende Andreas Morczinietz "freut sich darauf"

Aus Sportler wird Lehrer: Eishockey-Legende Andreas Morczinietz "freut sich darauf"

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der im Trikot der Indians jubelnde Andreas Morczinietz gehört der Vergangenheit an. Der Sportler wird zum Lehrer - und bleibt natürlich glücklicher Familienmensch.
Der im Trikot der Indians jubelnde Andreas Morczinietz gehört der Vergangenheit an. Der Sportler wird zum Lehrer - und bleibt natürlich glücklicher Familienmensch. © Maike Lobback/Stephan Hartung
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Er hat für Hannover Scorpions und zuletzt für die Hannover Indians, insgesamt 37 Jahre Eishockey gespielt, 21 davon als Profi - keine Frage, Andreas Morczinietz ist eine Legende in seinem Sport. Jetzt stellt er die Schlittschuhe in den Keller und kümmert sich um Schüler und Familie.

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37 Jahre Eishockey, davon 21 Jahre als Profi – irgendwann wurde es eben Zeit, die Schlittschuhe in einer Tasche zu verstauen und in den Keller zu stellen. „Ich hatte Glück, dass ich bis auf einen Kieferbruch nie verletzt war. Momentan vermisse ich nichts, es passt alles so“, sagt Andreas Morczinietz.

Ein paar Tränen verdrückt

Das klingt abgeklärt – vor drei Wochen, als er mit den Hannover Indians in den Play-offs der Oberliga scheiterte, erging es ihm ganz anders. „Da habe ich 15 Minuten gebraucht, um mit dieser Situation klarzukommen, habe ich auch ein paar Tränen verdrückt.“ Der ECH unterlag bei den Selber Wölfen. Es war das letzte Spiel von Morczinietz.

Mit Betreuer Benjamin Ropers und Abwehrspieler Armin Finkel saß er nach der Partie noch länger in der Kabine zusammen. Ein wenig Philosophieren. Ein wenig über alte Zeiten sprechen. Denn auch eine lange Karriere als Profi geht schnell vorbei. In seiner Vita stehen immerhin 613 DEL-Spiele und eine intensive Zeit bei der Nationalmannschaft, für die er einmal an Olympia und viermal an Weltmeisterschaften teilgenommen hat.

Mehr Eishockey im Sportbuzzer

„Man lebt immer in dem bekannten Rhythmus. Sieben Monate Saison, dann Sommerpause – und dann gehen schon wieder Training und die nächste Saison los.“ Der heute 41-Jährige erinnert sich noch an seine erste Profi-Station in Bad Nauheim. Larry Mitchell, Mitspieler der älteren Generation, warnte ihn vor. „Er hat mir gesagt, dass ich alles genießen soll, weil die aktive Zeit schneller vorbei geht, als man denkt. Ich war damals 19 und habe mich gewundert, was der bloß von mir will.“

Mitchell hatte recht

Und das alles während eines Playstation-Duells. „Wir haben immer donnerstags bei ihm NHL 95 gegeneinander gespielt, seine Frau hat uns Kuchen gemacht.“ Heute weiß Morczinietz: Mitchell hatte recht. „Ich habe mich neulich selbst ertappt, wie ich diesen Satz zu unserem Jungprofi Thore Weyrauch gesagt habe.“ Nun ist es vorbei. „Ich werde mir sicherlich noch Spiele angucken, ganz komme ich vom Eishockey nicht los. Aber derzeit habe ich keine Motivation, wieder aufs Eis zu gehen.“

Das sind die Bilder vom Legendenspiel am Pferdeturm: "100 Years of Hockey" bei den Hannover Indians

Sven Hoppe macht es sich in der Pause mit einem Bier auf der Tribüne gemütlich. Zur Galerie
Sven Hoppe macht es sich in der Pause mit einem Bier auf der Tribüne gemütlich. ©
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Andreas Morczinietz wohnt in der Wedemark, im Ortsteil Negenborn lebt er mit Ehefrau Sandra und den Kindern Ava (drei Jahre) und Tristan (vier Monate) in einem umgebauten Bauernhaus, auch Hund Summer gehört zur Familie. Sommerpause hat der gebürtiger Wolfratshausener, der seine Ausbildung beim TuS Geretsried im Landkreis Bad Tölz erhielt, bis August.

Referendariat statt Trainingscamp

Dann beginnt jedoch nicht wie sonst das Trainingscamp, sondern sein Referendariat im Gymnasium Mellendorf. „Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf. Bisher habe ich noch nie in einem Beruf gearbeitet - kenne es nur, in einer Mannschaft zu sein, was mir mit Sicherheit fehlen wird.“ Im vergangenen Jahr schrieb er seine Masterarbeit (Note 1,0), das gesamte Studium auf gymnasiales Lehramt schloss er mit dem ersten Staatsexamen und der Note 1,3 ab. Fächer: Englisch und Sport.

Und vor allem für den Sportunterricht wird er bestimmt bald wieder die Schlittschuhe hervorholen. „Ein Sportlehrer, der den Schülern das Eislaufen beibringen kann – das macht sich immer gut“, sagt Morczinietz und lacht.

Die Bilder der Derbys zwischen den Indians und Scorpions:

Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

Zu guter Letzt: Andreas Morczinietz über…

…Olympia 2002: "Ich war damals in Salt Lake City dabei – und fand es ganz nett. Erst viele Jahre später habe ich verstanden, was das bedeutet. Ohnehin war das damals für mich eine unglaubliche Geschichte: Ich kam es aus der zweiten Liga, habe erst wenige Monate DEL gespielt – trotzdem hat mich Hans Zach mitgenommen."

…Indians-Trainer Lenny Soccio: "Wir sind uns sehr ähnlich, wollen gern gewinnen und haben am Play-off-Aus hart zu knabbern. Als Spieler war er ein brutaler Mittelstürmer. In der Nationalmannschaft haben Lenny, Klaus Kathan und ich immer super als Sturmreihe harmoniert."

…Sammlerstücke: "Meine Trikots sind bei meinen Eltern in Bayern, meine Mutter passt darauf an. Ansonsten habe ich nie Pucks, Pokale oder andere Erinnerungsstücke gesammelt. Nur die Silbermedaille von der U18-EM 1995 und die Plakette von Olympia habe ich aufgehoben."

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