29. März 2022 / 10:56 Uhr

... und das im 3000. Spiel: Wie die Indians endlich den Play-off-Fluch beenden konnten

... und das im 3000. Spiel: Wie die Indians endlich den Play-off-Fluch beenden konnten

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Schiere Freude: Parker Bowles feiert seinen entscheidenden Treffer im fünften Spiel der Serie gegen Deggendorf.
Schiere Freude: Parker Bowles feiert seinen entscheidenden Treffer im fünften Spiel der Serie gegen Deggendorf. © Debbie Jayne Kinsey
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2017 gab es den letzten Sieg für die Indians in einer Play-off-Serie, seither lastete ein kleiner Fluch auf ihnen. Ausgerechnet im 3000. Spiel überhaupt des Kultklubs fand dieser nun ein Ende. Mitverantwortlich: ein starker Rückhalt, ein cleverer Stürmer, natürlich die Fans und vielleicht auch die richtige Trikotwahl...

Als sich die Hannover Indians auf der Eh­ren­run­de befanden, dröhnte das Lied „Stand up for the Champions“ aus den Lautsprechern am Pferdeturm. Anschließend machten sie vor ihrer Fankurve ein Erinnerungsfoto. Meister sind sie noch nicht – aber sie durften sich am Sonntagabend verdientermaßen wie Champions fühlen, nachdem sie den Deggendorfer SC aus den Play-offs der Eishockey-Oberliga geworfen hatten. Das entscheidende fünfte Spiel endete mit 1:0 nach Verlängerung – ein solcher Krimi passte perfekt als Schlussakkord zu dieser epischen Serie.

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Es war ein besonderer Abend, der in die Indians-Historie eingehen wird. Und ganz abgesehen davon: Schon vorab war die Partie gegen Deggendorf eine außergewöhnliche gewesen. Denn laut Statistik von Manfred Schneider, der für die Internetplattform Hockeyweb schreibt und ein Archiv über alle Indians-Spiele führt, bestritt der ECH am Sonntag seit seiner Gründung im Jahr 1948 sein 3000. Spiel – inklusive Testbegegnungen, regulären Saisonspielen und Play-offs. Hätte sich Maxi Pohl nicht verletzt, wäre er als dienstältester Indians-Spieler mit einem Sondertrikot und der Rückennummer 3000 aufgelaufen.

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„Wir sind alle so glücklich. Es freut mich für die Jungs, sie haben in den fünf Spielen sehr viel investiert“, sagte Indians-Trainer Lenny Soccio. In der Tat war es eine Serie auf Biegen oder Brechen. Vier von fünf Spielen endeten mit nur einem Tor Differenz, in drei von fünf Partien war die Verlängerung zur Entscheidungsfindung notwendig. Insgesamt standen sich beide Mannschaften fast 400 Minuten gegenüber – auch bedingt durch den Overtime-Wahnsinn in Spiel zwei, als der ECH in der vierten Verlängerung gewann.

„Die Jungs sollen jetzt nach dieser Serie erst mal den Erfolg genießen, aber auch regenerieren. Ab Mittwoch trainieren wir wieder“, sagt Soccio, dessen Team am Freitag (20 Uhr) bei den Blue Devils Weiden antritt und die Oberpfälzer Sonntag (19 Uhr) in Hannover erwartet. Für die Indians und Soccio persönlich ist ein Play-off-Fluch be­en­det. Der ECH warf 2017 den damaligen Nordmeister Herner EV raus, gewann da­nach aber keine einzige Play-off-Serie mehr. 2018 scheiterte man unter Soccio in dessen erster Saison am Pferdeturm an den Starbulls Rosenheim, 2019 an den Selber Wölfen. Im Jahr darauf fanden wegen Corona keine Play-offs statt, 2021 schied der ECH wegen Infektionen im Kader kampflos aus.

Die Indians lassen nichts unversucht

„Das ist in der Tat lange her und ein schönes Gefühl, endlich mal wieder eine Serie zu gewinnen“, sagte Indians-Kapitän Branislav Pohanka. Dass es diesmal anders läuft, dafür hatten sie bei den In­di­ans nichts unversucht gelassen. Das erste Heimspiel verlor der ECH in blauen, das zweite Heimspiel in weißen Trikots. Also wechselte man zurück zu den orangefarbenen Heimspielshirts der Vorrunde – diese waren aber nicht für die Play-offs angemeldet, daher benötigte man eine Genehmigung durch den Deutschen Eishockey-Bund. Es funktionierte. „In der Kabine spürt man Euphorie, aber auch Erleichterung“, berichtet Pohanka.

Der Kapitän war es auch, der mit einem Querpass das Siegtor durch Parker Bowles in der 13. Minute der Verlängerung vorbereitete. Bowles, der in der Serie eher blass blieb, ließ mit einer für ihn typischen Bewegung zwei Gegenspieler aussteigen und überlistete den erneut schier unüberwindlichen Timo Pielmeier im DSC-Kasten. „Ich bin frisch von der Bank ge­kom­men und hatte etwas Raum, weil sich alles auf Brano konzentriert hat. Dann ha­be ich gesehen, dass neben dem Block-Pad des Keepers noch etwas Platz war“, schilderte Bowles.


Die Indians bedanken sich nach dem Spiel bei ihren Fans, die ihren Teil zum Weiterkommen beigetragen haben.
Die Indians bedanken sich nach dem Spiel bei ihren Fans, die ihren Teil zum Weiterkommen beigetragen haben. © Debbie Jayne Kinsey

Kurz danach flippten am Pferdeturm alle aus. Natürlich auch sämtliche Spieler, die auf den Kanadier zuliefen. „Es war ein besonderer Moment und eine echte Herausforderung, Pielmeier zu bezwingen“, sagte Bowles, dessen Team jedoch mit David Miserotti-Böttcher einen ebenso starken Rückhalt hatte. Die Schussstatistik von 62:22 nach rund 73 Spielminuten sprach deutlich für das Kräfteverhältnis auf dem Eis – und dort durfte daher zu Recht meisterhaft gefeiert werden.