11. Mai 2021 / 11:23 Uhr

Nach Aufstiegs-K.-o. und Tränen in der Kabine: Scorpions nehmen FC Bayern als Vorbild

Nach Aufstiegs-K.-o. und Tränen in der Kabine: Scorpions nehmen FC Bayern als Vorbild

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Am Boden zerstört: Scorpions-Spieler Robin Marek muss die 2:4-Pleite gegen Selb und den damit verpassten Aufstieg verarbeiten.
Am Boden zerstört: Scorpions-Spieler Robin Marek muss die 2:4-Pleite gegen Selb und den damit verpassten Aufstieg verarbeiten. © Petrow
Anzeige

Die Enttäuschung nach dem verpassten Aufstieg gegen die Selber Wölfe war groß bei den Hannover Scorpions. Sportchef Eric Haselbacher macht seinem Team Mut - und zieht einen Vergleich zum "Finale Dahoam", als der FC Bayern im eigenen Stadion 2013 das Finale der Champions League verloren hatte.

Anzeige

Bevor sich Markus Schubert, Oberligachef beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB), wieder auf den Heimweg nach München machte, verabschiedete er sich auf dem Außengelände der Hus-de-Groot-Eisarena noch von Eric Haselbacher. Der Sportchef der Hannover Scorpions bedankte sich für die Zusammenarbeit während der Corona-Saison und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Leider haben wir ja weiterhin miteinander zu tun.“ Durch die 2:4-Niederlage im entscheidenden Aufstiegsfinalspiel der Play-offs gegen die Selber Wölfe verpassten die Scorpions die Qualifikation für die DEL 2 – und bleiben als Oberligist der DEB-Struktur und damit Schuberts Zuständigkeitsbereich erhalten.

Anzeige

Zum Zeitpunkt des Abschieds auf der Terrasse waren dort auch die ersten Scorpions-Spieler eingetroffen und ließen sich eine Bratwurst vom Grill schmecken – und konnten schon wieder lächeln. Viele hatten längere Zeit in der Kabine verbracht und benötigten ein wenig, um den Schock zu verdauen. Haselbacher berichtete davon, dass auch Tränen geflossen sind. „Aber es ist unsere Aufgabe, die Jungs wieder aufzubauen. Die haben eine überragende Saison gespielt.“

Bilder vom Play-off-Finale (Spiel 5) der Eishockey-Oberliga zwischen den Hannover Scorpions und Selber Wölfen

Bilder vom Play-off-Finale (Spiel 5) der Eishockey-Oberliga zwischen den Hannover Scorpions und Selber Wölfen Zur Galerie
Bilder vom Play-off-Finale (Spiel 5) der Eishockey-Oberliga zwischen den Hannover Scorpions und Selber Wölfen ©

Haselbacher am Mikrofon gefordert

Unmittelbar nach der Partie hatte Haselbacher sogar eine ungleich schwerere Aufgabe zu bewältigen und konnte sich nicht zurückziehen – auch wenn er es am liebsten getan hätte. Der Sportchef, im Eisstadion auch als Sprecher tätig, musste im Moment der bittersten Scorpions-Niederlage seit Oberliga-Zugehörigkeit die Siegerehrung moderieren – und nicht nur „seinen“ Scorpions zur Silbermedaille gratulieren. Haselbacher, oft in der Kritik wegen seiner mitunter emotionalen Ausbrüche am Mikrofon und kommentierender Einflussnahme aufs Spiel, meisterte die Situation und rief mehrfach begeistert: „Herzlichen Glückwunsch an Selb!“



„Ich mache das schon ein paar Jahre. Da muss man dann auch Charakter haben und seinen Mann stehen“, erklärte Haselbacher.

Scorpions mit ihrem wohl schlechtesten Play-off-Heimspiel

Alle sieben Heimspiele hatten die Scorpions in den Play-offs gewonnen. Ausgerechnet die achte Partie in Mellendorf ging verloren – es war die entscheidende Pleite, ohne Chance auf Korrektur. „Es war trotzdem eine geile Saison. Am Ende hat nur das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte Stürmer Patrick Schmid – während er eine Bratwurst mit Brötchen in der linken, seinen Sohn Levi in der rechten Hand hielt. Die Heimniederlage sei natürlich bitter, auch weil man dem im eigenen „Wohnzimmer“ feiernden Gegner zusehen müsse. „Aber wir hatten auswärts unsere Möglichkeiten, waren nah dran. Der Knackpunkt ist das zweite Spiel, als wir in Selb im Penaltyschießen verlieren.“

Fakt ist aber auch, dass die Scorpions ihr wohl schlechtestes Play-off-Heimspiel zeigten und fahrig wirkten – als wäre der Druck, dem sie in den Serien zuvor standhielten und jeweils das entscheidende Spiel auf eigenem Eis gewannen, diesmal zu groß gewesen. Symbolische Szene für viele zum Teil technische Fehler: Mario Trabucco führte die Scheibe aus dem eigenen Drittel nach vorn – und verlor sie unbedrängt in Höhe Mittellinie.

Mehr Berichte aus der Region

Vergleich zum "Finale Dahoam"

Eric Haselbacher zieht einen Vergleich zum „Finale Dahoam“, als der FC Bayern im eigenen Stadion 2013 das Finale der Champions League verlor. „Und im Jahr danach waren sie umso stärker. Wir freuen uns ab jetzt auf die neue Saison und hoffen, endlich Fans und Sponsoren im Stadion wiedersehen zu können.“

Ein Wiedersehen wird es in Mellendorf auch mit Markus Schubert geben. Vielleicht ja nur für ein Jahr. „Wir werden wieder angreifen und das Ziel haben, möglichst viele Spiele zu gewinnen“, sagt der Sportchef.