06. Januar 2021 / 14:36 Uhr

Aberglaube? Darum wechselt Scorpions-Verteidiger Strakhov jedes Jahr seine Trikotnummer

Aberglaube? Darum wechselt Scorpions-Verteidiger Strakhov jedes Jahr seine Trikotnummer

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auch als 42-Jähriger geht
 Scorpions-Spieler Andrej Strakhov (links) auf dem Eis keinem Duell aus dem Weg. 
Auch als 42-Jähriger geht Scorpions-Spieler Andrej Strakhov (links) auf dem Eis keinem Duell aus dem Weg.  © Florian Petrow
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Andrej Strakhov, Verteidiger von den Hannover Scorpions, wechselt jedes Jahr seine Trikotnummer. Eigentlich ist das für Eishockeyspieler eher ungewöhnlich, doch der 42-jährige Routinier handelt aus einem bestimmten Grund. Mit 40 Jahren fiel ihm auf, dass er sein Alter auf dem Rücken trägt - woraufhin sich schnell eine Dynamik entwickelte, die bis heute anhält.

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Am 17. November 2021 wird Andrej Strakhov 43 Jahre alt. Das ist zwar kein runder Geburtstag, dennoch werden an diesem Tag zwei wichtige Fragen zu klären sein: Spielt er dann noch Eishockey? Und wenn ja: Mit welcher Rückennummer läuft er dann auf? Der Verteidiger, der für die Hannover Scorpions in der Oberliga im Einsatz ist, antwortet mit Blick auf die Zukunft doppeldeutig und lacht. „Ob es bei der 42 bleibt oder nicht, kann ich nicht sagen.“

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Besonders an seiner Geschichte ist nicht nur, dass der Routinier im fortgeschrittenen Eishockeyalter noch immer in der dritthöchsten Klasse spielt – die alles andere als eine Hobbyliga ist, sondern gemäß der mit Blick auf Corona-Finanzhilfen wichtigen Definition von Politik und Deutschem Eishockey-Bund (DEB) als Profisport gilt. Aktuell ist Strakhov schon seit einiger Zeit nach einer Schulteroperation außer Gefecht gesetzt. Dass es für ihn erstmal Priorität hat, wieder ganz gesund zu werden und in dieser Saison seinen bisherigen sechs Partien noch weitere folgen zu lassen, ist nachvollziehbar. Und genau in diesem Zusammenhang steht auch das Kuriosum mit seiner Rückennummer – derzeit die 42. Aber der Reihe nach.

Bilder zum Spiel der Eishockey-Oberliga zwischen den Hannover Scorpions und den Hammer Eisbären

Der Hannoveraner Pascal Grosse bejubelt seinen Treffer. Zur Galerie
Der Hannoveraner Pascal Grosse bejubelt seinen Treffer. ©

Herzlicher Applaus bei der Rückkehr nach Bayern

Zu Beginn des Jahrtausends schnürte Strakhov in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) die Schlittschuhe, war für die München Barons, Augsburg Panther und Frankfurt Lions am Puck. Nach einem Abstecher 2006 nach Russland, wo der gebürtige Moskauer auch in seiner Jugend spielte, kehrte er 2010 nach Deutschland zurück. Nach einer DEL-Saison bei den Grizzly Adams Wolfsburg schlossen sich fünf Spielzeiten in der DEL 2 bei den Starbulls Rosenheim an. Die Zeit in Bayern, wo auch seine Zwillingstöchter geboren wurden, hat er in guter Erinnerung. „Das war dort ein toller Lebensabschnitt. Als ich später mit den Scorpions dort gespielt habe, wurde ich mit Applaus begrüßt – das hat im Herzen gutgetan.“

Als damals 37-Jähriger wechselte er 2016 zu den in Langenhagen beheimateten Hannover Scorpions in die Oberliga. Anfangs war er jedoch unter Manager Marco Stichnoth als Assistent eingeplant und begann eine Umschulung zum Veranstaltungskaufmann. Wegen personeller Probleme musste der damals 38-jährige Strakhov jedoch ein Comeback auf dem Eis geben und doch mitspielen.

Strakhov trägt sein Alter auf dem Rücken

„Es gab ein paar Trikots mit Rückennummern, die Gastspielern vorbehalten waren. Dazu zählte auch die Nummer 40. Die habe ich dann erstmal genommen“, erinnert sich Strakhov, der bei seinen früheren Stationen die 17, 19 oder 77 auf dem Rücken trug. „Diese Nummern waren aber bei den Scorpions alle besetzt.“ Weil es dann mit 40 gut für ihn lief, blieb er einfach dabei. „Ich habe auf so etwas aber nie viel Wert gelegt.“

Zur Saison, in der die Scorpions aus Langenhagen mit denen aus der Wedemark fusionierten und Mellendorf die neue Heimat der Hannover Scorpions 2.0 wurde, behielt Strakhov die 40 auf seinem Trikot. „Mir war das gar nicht weiter aufgefallen. Aber irgendjemand hat gesagt, dass das doch super passen würde, wenn ich als 40-Jähriger mein Alter auf dem Rücken trage“, sagt Strakhov und lacht.

Spielt als 42-Jähriger noch in der Eishockey-Oberliga: Scorpions-Verteidiger Andrej Strakhov.
Spielt als 42-Jähriger noch in der Eishockey-Oberliga: Scorpions-Verteidiger Andrej Strakhov. © Stephan Hartung

Noch lange nicht der Methusalem der Oberliga

Wer das war, ist nicht mehr bekannt. Wohl aber, dass sich daraus eine Dynamik entwickelte: Strakhov wechselt jedes Jahr seine Rückennummer. In der Vorsaison war es die 41, in der aktuellen Saison prangt die 42 auf seinem Shirt. Ungewöhnlich für Eishockeyspieler, die solche Veränderungen nur vornehmen, wenn sie den Verein wechseln und dort ihre Stammnummer schon vergeben ist. „Ich bin nicht abergläubisch wie viele andere Spieler“, sagt der Linksschütze, der sich aus dieser jährlichen Anpassung einen Spaß macht „und die Nummer bewusst wechselt“.

Trotz seines Alters ist Strakhov noch lange nicht der Methusalem der Oberliga. Dieser Titel gehört unbestritten Esbjörn Hofverberg. Der Deutsch-Schwede von den Icefighters Leipzig feierte im Oktober seinen 50. Geburtstag – bleibt aber bei seiner seit Jahren angestammten Rückennummer 49. „Was Hofi macht, ist Wahnsinn. Der ist nicht nur dabei, sondern noch immer ein Leistungsträger“, sagt Andrej Strakhov.

Gibt es noch ein Scorpions mit der 43 und dem Namen Strakhov?

Daher noch einmal zurück zur Eingangsfrage: Mit welcher Rückennummer will der Scorpions-Verteidiger in der nächsten Saison auflaufen? „Das wird man sehen. Auf jeden Fall möchte ich dem Sport verbunden bleiben. Eishockey ist seit 35 Jahren mein Leben“, sagt er – was zunächst einmal nicht so klingt, als ob es noch ein Scorpions-Trikot mit der 43 und dem Namen Strakhov geben wird. „Ich schaue erstmal nur auf diese Saison und glaube, dass wir Meister werden können.“ Dann würde, egal was danach passiert, sein aktuelles Jersey mit der 42 definitiv einen Ehrenplatz bei den Scorpions erhalten.