16. Juni 2020 / 07:51 Uhr

Reiss sei Dank: Scorpions verpflichten Hochkaräter Alexander Heinrich aus Kassel

Reiss sei Dank: Scorpions verpflichten Hochkaräter Alexander Heinrich aus Kassel

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Alexander Heinrich hat zuletzt für Kassel
 in der DEL 2 gespielt. Der Profi wechselt nun nach Mellendorf zu den Scorpions – und hat große Erwartungen. 
Alexander Heinrich hat zuletzt für Kassel in der DEL 2 gespielt. Der Profi wechselt nun nach Mellendorf zu den Scorpions – und hat große Erwartungen.  © imago/Pressefoto Baumann
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Bei den Kassel Huskies wollten sie ihn nicht mehr, in Hannover empfangen sie ihn mit offenen Armen: Eishockey-Oberligist Hannover Scorpions hat den 32-jährigen Alexander Heinrich unter Vertrag genommen - und Andy Reiss hat dabei eine nicht unwichtige Rolle gespielt.

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Noch hat er kein Training mit seiner neuen Mannschaft absolviert, geschweige denn ein Spiel – aber aus dem Kreis der zukünftigen Teamkollegen gibt es bereits einen besonderen Wunsch. „Andy Reiss hat mir gesagt, dass er in der Kabine gern neben mir sitzen möchte“, erzählt Alexander Heinrich und lacht.

Reiss und Heinrich wieder vereint

Der 32-Jährige wechselt von den Kassel Huskies in die Eishockey-Oberliga zu den Hannover Scorpions. Dort trifft er auf einen alten Bekannten, mit Reiss verbrachte er beim DEL-2-Klub in Nordhessen zwei erfolgreiche gemeinsame Jahre.

Reiss kam im vergangenen Sommer zu den Scorpions, nun auch Heinrich. Und mit ihm haben die Mellendorfer einen Hochkaräter an Land gezogen – den Kapitän eines Zweitligisten verpflichtet man als Oberligist nicht alle Tage.

Kapitän in Kassel eine Institution

Der Kasseler Mannschaftsführer war in der Stadt eine Institution. Dort kam er zur Welt, bei den Huskies erhielt er als Jugendlicher seine Ausbildung, seit der Saison 2004/2005 ist er mit Ausnahme eines zweijährigen Intermezzos in Crimmitschau und Wolfsburg für die Huskies im Herrenbereich tätig – in den vergangenen sechs Jahren in der DEL 2.

Mit Dreitagebart: Alexander Heinrich im Trikot der Kassel Huskies.
Mit Dreitagebart: Alexander Heinrich im Trikot der Kassel Huskies. © imago/Hartenfelser

Doch zum Ende der vergangenen Saison erhielt Heinrich eine unangenehme Nachricht. „Ich habe erfahren, dass man nicht mehr mit mir plant. Es gab keinerlei Vorwarnung, daher kam das alles sehr überraschend“, sagt er und erinnert sich an die Wochen danach. „Das war schwierig. Ich musste erst mal alles sacken lassen – und mir Gedanken machen, wie es weitergeht.“

"So will niemand aufhören"

Auch ein Karriereende sei eine Option gewesen. „So will aber niemand aufhören. Außerdem fühle ich mich fit, bin in einem guten Alter und habe Bock auf Eishockey.“

Nach ruhigen Tagen mit der Familie stand der Entschluss fest, weiterzuspielen, wo auch immer. Als die Huskies-Verantwortlichen, die für diese Entscheidung heftige Kritik der eigenen Fans einstecken mussten, die Trennung von ihrem Kapitän per Pressemitteilung veröffentlichten, war es mit der Ruhe vorbei.

"Andy Reiss hat sich bemüht"

„Danach hat mein Telefon geklingelt ohne Ende.“ Einige Angebote lagen ihm vor, aus Oberliga und DEL 2. Am Ende machten die Scorpions das Rennen – aus mehreren Gründen. „Die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mir gut gefallen. Auch Andy Reiss hat sich bemüht. Das macht es natürlich einfacher, wenn man schon jemanden kennt.“

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Weiterer Vorteil: die Nähe zu Kassel. „In den Süden wollte ich nicht. Von meiner Freundin ist die Familie, die in Northeim lebt, nicht weit entfernt. Und auch meine eigene Familie in der Nähe von Kassel kann ich von Mellendorf aus gut erreichen“, sagt der Abwehrspieler, dessen Vater Herbert sogar eine Legende in Kassel ist.

Heinrich will oben mitspielen

In den 80er-Jahren bestritt er für den Huskies-Vorgänger EC Kassel insgesamt sieben Saisons. Die Nummer 5, die Herbert Heinrich auf dem Trikotrücken trug, wird bei den Huskies aus Respekt vor seinen Leistungen nicht mehr vergeben und hängt unter dem Hallendach.

Selbst wird Alexander Heinrich mit der 78 auf dem Rücken für die Scorpions auflaufen – und das alles mit optimistischen Zielen. „Nach einem halben Jahr kann man mehr dazu sagen. Aber natürlich möchte ich gern oben mitspielen. Das sollte der Anspruch sein, zumal Tobias Stolikowski auch einiges bewegen möchte – und mich auch damit überzeugt hat“, berichtet er vom Gespräch mit dem neuen Coach.

Bleibt nur noch die Frage zu klären: Klappt das denn für Andy Reiss mit der direkten Nachbarschaft in der Kabine? Heinrich lacht. „Das kriegen wir bestimmt hin. In Kassel saßen wir schon nah beieinander, da war nur noch eine einzige Person zwischen uns.“