25. April 2020 / 18:59 Uhr

Scorpions-Geschichte: Als Jochen Haselbacher an einen Aprilscherz dachte

Scorpions-Geschichte: Als Jochen Haselbacher an einen Aprilscherz dachte

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Erster und aktueller Macher: Jochen Haselbacher (76), Geschäftsführer der Hannover Scorpions.
Erster und aktueller Macher: Jochen Haselbacher (76), Geschäftsführer der Hannover Scorpions. © Stephan Hartung
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Auch wenn er zum Zeitpunkt des größten Erfolgs in der Vereinsgeschichte nicht der Besitzer der Hannover Scorpions war – ohne Jochen Haselbacher hätte es 2010 keine deutsche Meisterschaft gegeben. Er stieg zu Beginn der 90er-Jahre als Vorsitzender des ESC Wedemark in den Eissport ein. 

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Vor seiner Zeit im Eissport hatte sich Jochen Haselbacher als Chef von Blau-Gelb Elze eher im Fußball engagiert. „Als ich aber zum ersten Mal Eishockey gesehen habe, hat mich die Dynamik begeistert“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Unter seiner Führung errang der ESC unter dem Namen Wedemark Wildcats 1996 das Aufstiegsrecht für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL).

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"Das Schreiben kam am 1. April. Ich habe den Ligenleiter angerufen und ihm zum Aprilscherz gratuliert – die meinten das aber ernst."

Die sportlichen Voraussetzungen waren geschaffen, es fehlten noch die kaufmännischen. Die DEL forderte 5 Millionen Mark für das Prüfungsverfahren zur Aufnahme. „Das Schreiben kam am 1. April. Ich habe den Ligenleiter angerufen und ihm zum Aprilscherz gratuliert – die meinten das aber ernst“, sagt Haselbacher und weiß, „dass man uns als kleinen Dorfklub nicht in dieser elitären Klasse habe wollte, die Summe für die Aufnahme war nirgendwo geregelt“. Der gebürtige Celler nutzte die Rechtswege, am Ende reduzierte die DEL die Gebühr auf 30 000 Mark.

Doch irgendwann war die Finanzierung von DEL-Eishockey nur noch in der großen Tui-Arena möglich. Haselbacher verkaufte 2004 die Lizenz an den Bauunternehmer und Arena-Eigentümer Günter Papenburg – und fieberte 2010 nur noch als Fan mit: „Das war trotzdem damals alles weit weg für mich.“

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Zurück zu den Wurzeln

2013 kauften die Schwenningen Wild Wings die DEL-Lizenz der Scorpions, die sich in die drittklassige Oberliga und nach Langenhagen zurückzogen. Zur Saison 2007/2008 gründete Haselbacher in Mellendorf den ESC Wedemark Scorpions, ei­nen nur auf Jugendarbeit ausgerichteten Eissportverein, der aber später in die Herren-Oberliga aufstieg. Im Jahr 2017 erfolgte die Fusion der Teams aus Langenhagen und Wedemark – mit Mellendorf als Spielort, wo sich die Wiege der Scorpions befindet. „Zurück zu den Wurzeln – das ist eine befriedigende Situation, dass die Scorpions nach dem Zusammenschluss wieder in Mellendorf beheimatet sind“, sagt der heutige Scorpions-Geschäftsführer Haselbacher.