08. Januar 2021 / 14:19 Uhr

Scorpions-Verteidiger Robin Thomson im Interview: "Siegeswille und Teamspirit sind unfassbar"

Scorpions-Verteidiger Robin Thomson im Interview: "Siegeswille und Teamspirit sind unfassbar"

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Hannover Scorpions um Verteidiger Robin Thomson dominieren die Eishockey-Oberliga.
Die Hannover Scorpions um Verteidiger Robin Thomson dominieren die Eishockey-Oberliga. © Debbie Jayne Kinsey
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Die Hannover Scorpions haben in der Eishockey-Oberliga einen Lauf. Der souveräne Tabellenführer gewann bislang 19 von 20 Saisonspielen - großen Anteil daran hat auch Verteidiger Robin Thomson. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über den aktuellen Erfolg, die Verletzungsmisere und Trainer Tobias Stolikowski.

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In der Eishockey-Oberliga stehen am Wochenende die nächsten Spiele an. Dabei sind die Hannover Scorpions gleich zwei Mal im Einsatz. Am Freitag (20 Uhr) treten sie bei den Saale Bulls Halle an, am Sonntag (18.30 Uhr) empfangen sie die EG Diez-Limburg.

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Dabei wollen die Wedemärker ihre beeindruckende Serie fortsetzen. Der souveräne Tabellenführer hat 19 von 20 Saisonspielen gewonnen. Aber was macht die Scorpions eigentlich so stark? Der SPORTBUZZER hat mit Abwehrspieler Robin Thomson gesprochen.

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Peter Baumgartner: Der Verteidiger ließ seine Laufbahn beim EV Landshut ausklingen. In der Stadt hat er den Laden seiner Eltern übernommen: ein Etablissement. Zur Galerie
Peter Baumgartner: Der Verteidiger ließ seine Laufbahn beim EV Landshut ausklingen. In der Stadt hat er den Laden seiner Eltern übernommen: ein Etablissement. ©

Herr Thomson, warum läuft es derzeit so gut?

Auch wenn wir jedes Spiel gewinnen wollen und uns immer bestens vorbereiten – dass es 19 von 20 werden, damit konnte man natürlich nicht rechnen. Die Mannschaft ist aber charakterlich stark, Siegeswille und Teamspirit sind unfassbar. In der Kabine stimmt es. Man fühlt sich wohl in diesem Team. Jeder kämpft für seinen Nebenmann, auch wenn wir nur noch neun Spieler wären. Man spielt auch für die verletzten Leute mit.

Die Verletztenmisere zieht sich in der Tat durch die Saison. Lange standen nur vier Verteidiger parat, zuletzt mussten wiederum Abwehrspieler in der Offensive aushelfen. Wann sehen wir Sie im Angriff?

(lacht) Ich fühle mich hinten besser aufgehoben. Jeder sollte seine eigenen Stärken kennen. Ich bin ein Defensivverteidiger, der hinten solide und zuverlässig seine Arbeit macht. Das war und ist immer mein Motto. Wenn ich aber helfen kann und Not am Mann ist, dann würde ich auch ins Tor gehen.

Mehr über die Hannover Scorpions

In der Vorsaison starteten die Scorpions ähnlich stark, holten immerhin sechs Siege aus den ersten sechs Spielen – und brachen dann ein, am Ende war die direkte Play-off-Teilnahme in Gefahr. Was ist in diesem Jahr anders?

Wir hatten damals eine andere Struktur mit echten Führungsspielern – wie jedoch in den Saisons zuvor ebenso, als wir sehr erfolgreich und 2018 und 2019 jeweils im Halbfinale waren, woran auch Trainer Dieter Reiss großen Anteil hatte. In dieser Saison haben wir eine andere Struktur, die offensichtlich super funktioniert: Alle sind Führungspersönlichkeiten und verstehen sich untereinander gut. Jeder könnte Kapitän sein. Jeder will Verantwortung übernehmen – und ist nicht beleidigt, wenn es jemand anders macht.

Außer der anderen Struktur gab es auch einen neuen Trainer. Welchen Anteil hat Tobias Stolikowski an der Erfolgsserie?

Stoli macht das bisher super. 19 Siege aus 20 Spielen – das spricht auch für ihn. Er bereitet sich sehr akribisch vor, kommuniziert viel mit uns und macht mit uns zahlreiche Videoanalysen. Er gibt außerdem jedem Spieler das Gefühl, gebraucht zu werden und wichtig für das Team zu sein, was wichtig für ein selbstbewusstes Auftreten ist.

Es ist Ihre sechste Saison bei den Hannover Scorpions. Nur Robin Marek ist dienstälter. Wie betrachten Sie insgesamt die Entwicklung der Organisation?

Darüber habe ich jetzt sogar im Bus mit unseren neuen Spielern gesprochen, die sich dafür interessiert haben. Wenn man eine Grafik zeichnen würde, dann könnte man eine steil nach oben verlaufende Kurve sehen. Die Entwicklung ging rasant. Die Familie Haselbacher macht einen super Job – und hat viele richtige Entscheidungen getroffen, die natürlich auch in die andere Richtung hätten gehen können. Schade ist nur, dass keine Zuschauer dabei sein und unsere Entwicklung mit ansehen können.

16 Punkte Vorsprung in der Tabelle auf die ersten Verfolger – da scheint die Entwicklung nach oben noch nicht ganz abgeschlossen zu sein. Steht der Begriff DEL 2 auf dem Index?

Wir thematisieren das in der Kabine nicht großartig. Dennoch: Ein Aufstieg in die DEL 2 – das ist Traum und Ziel von jedem, das darf man auch haben. Die Saison ist aber noch lang, da kann viel passieren. In den Play-offs ist sowieso alles möglich. Bis dahin wollen wir weiterhin gutes Eishockey spielen und jedes Spiel gewinnen. Und haben das Verletzungspech hoffentlich irgendwann mal hinter uns.


Ein Saisonbeginn im September als DEL-2-Mitglied – das wäre für Sie ein perfekter Herbst…

Das stimmt. Wir bauen derzeit ein Haus in Schwarmstedt, vielleicht können wir im Herbst einziehen. Wahnsinn wäre es natürlich, dort dann zu wohnen und mit den Scorpions DEL 2 zu spielen.

Wird es im neuen Haus auch einen Platz für wichtige Eishockey-Utensilien geben?

(lacht) Natürlich ziehen die wichtigsten Erinnerungsstücke mit um. Ich habe noch die Pucks, mit denen ich mein erstes Tor für die Indians in der Oberliga, für die Scorpions in der DEL und für die Selkirk Steelers in Kanada geschossen habe. Alle Pucks mit weißen Tapes umrahmt, auf denen steht, von welchen Spielen es war.