08. September 2021 / 16:00 Uhr

Endlich wieder Eiszeit! Aber was machen die Kufencracks eigentlich im Sommer?

Endlich wieder Eiszeit! Aber was machen die Kufencracks eigentlich im Sommer?

Josina Kelz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Inliner statt Schlittschuhe: Andy Reiss von den Scorpions ist im Sommer mit Eishockeymontur geskatet – eine gute Alternative zum Eistraining.
Inliner statt Schlittschuhe: Andy Reiss von den Scorpions ist im Sommer mit Eishockeymontur geskatet – eine gute Alternative zum Eistraining. © Debbie Jayne Kinsey
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Mittlerweile sind die ersten Testspiele schon bestritten, davor jedoch mussten sich auch die Eishockeyspieler der Scorpions anderweitig beschäftigen. Der SPORTBUZZER hat mit Andy Reiss gesprochen und gefragt: Was machen die Kufencracks eigentlich im Sommer?

Die Eishockeyspieler der Hannover Scorpions sind wieder in der Wedemark eingetrudelt. Die neue Saison beginnt im Oktober, das Training ist gestartet. Nach einer sehr langen Pause. In der vier- bis sechsmonatigen Auszeit gibt es kein Mannschaftstraining. Eishockeyspieler sind einen beträchtlichen Teil des Jahres gar keine Eishockeyspieler, sondern de facto Arbeitslose. Die Verträge laufen meistens nur acht Monate.

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„Wir müssen zum Amt gehen und uns arbeitslos melden“, erklärt Andy Reiss von den Scorpions die Realität des Eisprofisports. Er selbst arbeitet über den Sommer in der Immobilienfirma seines Bruders Danny mit, um sein Taschengeld aufzubessern. Andere müssen sich einen Job suchen. „Vor allem junge Spieler, die in der Saison nicht genug verdienen, um sich Geld für den Sommer zur Seite zu legen.“ Es ist nicht ungewöhnlich, dass diese Sportler im Sommer Zeitungen austragen oder im Café kellnern.

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Reiss’ Kollege Julian Airich (26) kennt das auch noch aus seinen Anfangszeiten als Eishockeyspieler. „Ich habe im Sommer an der Edeka-Kasse gesessen“, erzählt er. Seit drei Jahren ist er auf die Ferienjobs nicht mehr angewiesen und kann den freien Sommer genießen. „Wenn man in der Saison genug verdient, um in der Pause über die Runden zu kommen, hat der Job viele Vorteile. Wo hat man sonst so lange Ferien?“

Nur Entspannen ist dennoch nicht angesagt. Ohne Mannschaftstraining liegt es in der Verantwortung jedes Spielers, sich bis zur neuen Saison fit zu halten. „Wir bekommen dann einen Trainingsplan mit, und den müssen wir selbstständig abarbeiten“, erzählt Reiss.

In den meisten Stadien wird das Eis abgetaut

Was nicht auf dem Plan steht: Eishockey. Denn die lange Pause bedeutet eine weitere Herausforderung: Das Eis wird in der Zeit in den Stadien abgetaut. „Es ist zu teuer für die Vereine, die Maschinen im Sommer laufen zu lassen“, erklärt der 35-Jährige. „Die Gelder sind in Deutschland nicht da, in dem Sport fließt hier nicht so viel wie in Kanada oder Russland.“ In der DEL habe sich die Situation schon gebessert. „Die Topvereine wie Mannheim oder München können mittlerweile auch im Sommer aufs Eis – das ist aber noch nicht lange so.“

Wenn dann im September die neue Saison beginnt, ist es auf den Schlittschuhen in den ersten Tagen wackelig. „Wir haben dann Monate nicht auf den Dingern gestanden“, so Reiss. Stattdessen setzen die Spieler in der Pause auf Inliner – samt Eishockeymontur und Schläger. „Das ist eine gute Alternative. Aber wenn man dann zum ersten Mal wieder auf dem Eis ist, denkt man, es fehlt eine Rolle und dass man vornüber fällt“, beschreibt er und lacht.


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Um sich zum Saisonstart nicht direkt eine fiese Verletzung wegen des Trainingsrückstands zu holen, müssen die Spieler im Sommer immer in Bewegung bleiben. „Eishockeyspieler sind meistens ziemlich gut in vielen Sportarten, weil wir im Sommer alles Mögliche machen. Inliner, Tischtennis, Fußball, Tennis...“

Im Pandemiejahr konnten die Spieler sogar sieben Monate nicht aufs Eis. 2021 war umso besser: Die Scorpions kamen in der Liga weit, scheiterten erst Mitte Mai im Finale am Aufstieg. Und das Eis wurde diesen Sommer ausnahmsweise nicht abgetaut. „Die Jugendmannschaften konnten das gesamte Jahr 2020 nicht trainieren, deshalb wurde für sie dieses Jahr das Eis gelassen“, erklärt Reiss. Zur Freude der Profis, die so auch trainieren konnten – wenn auch nur individuell.

Langeweile kam bei Reiss trotzdem nicht auf. „Wir waren mit den beiden Kindern in der Heimat meiner Frau, sie kommt aus der Nähe von Stuttgart. Da haben wir eine Hochzeit besucht und Freizeitparks abgeklappert.“