07. Februar 2020 / 11:16 Uhr

Steffen Siepmann macht sich per App für die WM fit: "Zu viel Training wirft mich zurück"

Steffen Siepmann macht sich per App für die WM fit: "Zu viel Training wirft mich zurück"

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Darts-Profi Steffen Siepmann im SPORTBUZZER-Interview. 
Darts-Profi Steffen Siepmann im SPORTBUZZER-Interview.  © Michael Wallmüller
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Ein hannoverscher Jung auf dem Weg zur Darts-WM: Steffen Siepmann ist professioneller Darts-Spieler, aber nicht nur darin talentiert. Im Interview mit dem SPORTBUZZER erklärt der 33-Jährige, wie sein Training aussieht, um seinen Traum zu erfüllen - und was für ihn die beste Ablenkung ist. 

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Steffen Siepmann (33) hat es geschafft. Der Hannoveraner sicherte sich Mitte Januar beim Qualifikationsturnier in Hildesheim am letzten Turniertag die Tourkarte für die PDC (Professional Darts Corporation), die ihn bis zur WM führen kann. Heute startet er in sein Abenteuer, das ihn zuerst ins englische Barnsley führt. Wir haben ihn vorher noch im „Break Point“ getroffen, der Darts- und Billardkneipe am Lister Kirchweg.

Dart-Profi Steffen Siepmann wirft auf die Scheibe.
Dart-Profi Steffen Siepmann wirft auf die Scheibe. © Michael Wallmüller
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Triple 20, Triple 20, Triple 20 – wie geht das eigentlich?

Üben, üben, üben.

Und was noch?

Man muss mental stark sein, das ist das Allerwichtigste.

Wie trainieren Sie?

Pro Tag zwei Stunden, am Wochenende manchmal vier Stunden. Zu viel Training wirft mich zurück, deshalb trainiere ich meistens zwei Tage und mache dann einen Tag Pause.

Und noch?

Auch mit speziellen Apps, da kann man den stärksten Level einstellen, der schmeißt dir dann ständig eine 180 (dreimal Triple 20, d. Red.) um die Ohren. Da gewinne ich 85 Prozent meiner Spiele.

Was ist noch wichtig?

Konzentration und der richtige Stand. Ich mache auch 20er-Training, 19er-Training, Bull-Training und natürlich das Doppel-Segment-Training, weil man am Ende ein Doppel zum Gewinnen braucht. Wenn man die Doppel nicht beherrscht, dann bringt das Runterwerfen auch nicht viel. Runterwerfen kann jeder.

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Im Fußball spielen auch Videoanalysten eine Rolle – im Darts auch?

Das gibt’s auch, mein Management ermöglicht mir das. Vorher haben mich Freunde während eines Spiels aufgenommen – und ich habe mir das nachher angeschaut, dann konnte ich sehen, wie ich stehe und wie ich werfe. Es geht mir jetzt manchmal auch noch so, dass ich bei meinem letzten Wurf mit dem rechten Fuß nach oben gehe, das muss raus, man muss stehenbleiben, dann fliegt der Pfeil exakt so wie die anderen beiden davor. Ein sicherer Stand ist wichtig, um nicht die kleinstmöglichen Verwackler zu haben.

Sie sind jetzt zwar Profi, arbeiten aber auch noch in Ihrem Beruf als Dach­decker. Und die beiden nächsten Wochenenden sind Sie auf Tour in England ...

Ich habe jetzt für die ersten Turniere Urlaub genommen, danke an meinen Chef, der das genehmigt hat. Die weiteren Urlaube werden auch noch dafür draufgehen.

Ihre Tourcard gilt erst mal zwei Jahre. Was ist Ihr Ziel?

Am Ende des Jahres möchte ich mich für die WM qualifizieren. Das ist mein Ziel, ganz klar. Dafür muss ich unter die besten 50 der Weltrangliste kommen.

Wie viel Geld haben Sie bisher mit dem Darten gewonnen?

5000 Pfund. Ohne meinen Sponsor würde ich es nicht schaffen, die Turniere in England zu spielen. Der Weltmeister bekommt 500 000 Pfund.

Sie stehen in der aktuellen Weltrangliste auf Platz 156. Wenn Sie sich mit Deutschlands Bestem Max Hopp (Weltranglistenplatz 24) vergleichen ...

... es kann jeder jeden schlagen, es ist immer Kopfsache. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich besser als Max Hopp bin, das wäre gelogen. Er hat ja viel mehr erreicht als ich. Aber man muss mit der Atmosphäre klarkommen – und wie das Publikum auf einen wirkt. Ob sie einen mögen oder nicht. Ich fühle mich auf der Bühne wie zu Hause.

In der Kneipe hat jeder Dartspieler schon mal die Scheibe anvisiert.
In der Kneipe hat jeder Dartspieler schon mal die Scheibe anvisiert. © Michael Wallmüller

Wie haben Sie gemerkt, dass Sie ein besonderer Darts-Spieler sind?

Vorher habe ich Billard gespielt. Nach vier Monaten bin ich gleich deutscher Vizemeister geworden. Das hatte bis dahin noch keiner geschafft. Ich habe da auch an Europameisterschaften und Weltmeisterschaften teilgenommen. Aber dann ist das Darts-Spielen dazwischengekommen. Ich habe gemerkt, dass ich dafür Talent habe und zu mir gesagt: Das ist jetzt dein Hobby, das ziehst du voll durch, egal was kommt. Du willst Profi werden und davon leben.

Wie können wir Freizeit-Darter uns noch kurzfristig verbessern?

Erst mal nur aufs Bull werfen, weil man dadurch seinen Wurf zentriert und ein besseres Gefühl für die Pfeile bekommt, man kann sie dichter zusammenwerfen. Dann Segmenttraining 20, 19, 18. Und natürlich das Doppeltraining. Das sind die Standards, die gemacht werden müssen.

Das sind Hannovers Spitzensportler und -sportlerinnen

<b>Alexej Mikhailov</b> ist 22 Jahre alt und gilt als Deutschlands größtes Talent im Hammerwurf. Der gebürtige Hannoveraner startet für die Leichtathletik-Abteilung von Hannover 96. Mikhailov ist amtierender deutscher Meister der U 23 und gewann 2017 zudem Bronze bei den U23-Europameisterschaften. Zur Galerie
Alexej Mikhailov ist 22 Jahre alt und gilt als Deutschlands größtes Talent im Hammerwurf. Der gebürtige Hannoveraner startet für die Leichtathletik-Abteilung von Hannover 96. Mikhailov ist amtierender deutscher Meister der U 23 und gewann 2017 zudem Bronze bei den U23-Europameisterschaften. ©

Die beste Wurftechnik?

Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich werfe aus der Schulter, da hat man den Katapulteffekt. Aus dem Unterarm verfälscht man den Wurf. Dann fliegt der Pfeil öfter in die 1 und die 5 anstatt in die 20.

Haben Sie noch einen guten Tipp?

Nicht aufregen über sein Spiel, das kostet zu viel Energie und Konzentration.

Sehen Sie Darts als Kneipensport?

Für mich ist es Präzisionssport. Ich liebe diesen Sport, könnte auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen.

Gibt es auch mal was anderes als Darts für Sie? Sie und Ihre Verlobte Magdalena (37) haben drei Kinder, ein gemeinsames viertes Kind ist unterwegs.

Die Kinder sind zu Hause die beste Ablenkung. Dann schalte ich komplett vom Darts-Spielen ab.