18. Februar 2021 / 11:45 Uhr

"Hätte man anders regeln können": Unverständnis bei Joe Bestwick nach United-Aus

"Hätte man anders regeln können": Unverständnis bei Joe Bestwick nach United-Aus

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Joe Bestwick ist enttäuscht vom plötzlichen Aus bei Hannover United.
Joe Bestwick ist enttäuscht vom plötzlichen Aus bei Hannover United. © Maike Lobback
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Frust und Unverständnis herrscht bei Joe Bestwick nach dem plötzlichen Aus bei Hannover United. "Das hätte man anders regeln können", sagt der 36-Jährige, der am Samstag nach einem eskalierenden Disput mit Trainer Kluck freigestellt worden ist. Offenbar gab es auch Unmut bei Mitspielern über ihn.

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Im Juni 2020 war Joe Bestwick ein stolzer Hannoveraner – und Deutscher. Der gebürtige Engländer hatte seine Einbürgerungsurkunde bekommen, dazu ein Grundgesetz als Geschenk, er fühlte sich „sehr wohl“ als Star und Top-Scorer der Rollstuhlbasketballer von Hannover United.

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Auch sein privates Glück war rund: Gut ein halbes Jahr später, also jüngst zur Jahreswende, kam Töchterchen Isla zur Welt. Zusammen mit Robyn (2) und seiner Frau Dana sind sie nun eine vierköpfige Familie mit Mietwohnung in der Südstadt, es gab vor ein paar Tagen sogar eine flockige Fotogeschichte mit allen vieren im verschneiten Maschpark.

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Die Stimmung im Hause Best­wick wurde aber nun schockgefrostet – es herrschen Frust und Unverständnis, dazu kommen Existenzsorgen. Bestwick hat offiziell von seinem Verein erfahren, dass man nicht mehr mit ihm plant, er wurde sogar von Training und Spielbetrieb freigestellt. Sein Vertrag endet am 31. Mai, bis dahin be­kommt Bestwick sein zumindest für United-Verhältnisse hohes Profigehalt, inklusive der Kosten fürs Leasingauto.

Das Ende kommt plötzlich

Der 36-Jährige, ehemaliger Nationalspieler, 2008 Bronzegewinner bei den Paralympics und seit 2017 in Hannover, möchte als Noch-Angestellter offiziell nichts Negatives sagen, er fühlt sich aber unfair behandelt und meint: „Das hätte man anders regeln können.“ Tatsächlich hatte Bestwick bis zum vergangenen Samstag nicht ge­wusst, dass es für ihn zu Ende gehen soll bei United. Mitgeteilt wurde es ihm am Abend – kurz zuvor hatte der Profi einen Disput mit seinem Trainer in der Halle der IGS Stöcken, nach der 62:82-Pleite gegen Lahn-Dill.

Bestwick („Ja, ich bin ein lauter Spieler, der für den Erfolg immer Druck macht“) hatte während der laufenden Partie eine Frage zur Defensive und wollte sie sofort stellen – der Trainer war sauer, es folgte ein eskalierendes Personalgespräch. Bestwick wurde nicht für das Spiel am Tag darauf in Frankfurt nominiert, am Montag segnete der Vorstand die Freistellung ab.

United-Manager Udo Schulz bedauert die Vorgehensweise („Joe hat große Verdienste um United und die Mannschaft auf ein anderes Level gebracht“), aber es gebe bei Vertragsentscheidungen eben „nie den richtigen Zeitpunkt“. Nicht bestätigen wollte der Ma­cher, dass sich Teile der Mannschaft schon seit Längerem über Bestwicks dominante Art und die ungleiche Rollenverteilung im Team be­klagt hätten.

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Bestwick rätselt nun, warum er offenbar auch intern nicht mehr gefragt war bei United – gemeldet hat sich für die nötigen Erklärungen allerdings bis Mittwoch noch kein Teamkollege bei ihm. Wovon seine Familie ab Juni leben soll, ist offen. Ehefrau Dana studiert noch bis ins kommende Jahr, und mögliche neue Vereine in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga wie Hamburg und Rahden sind knapp bei Kasse. Gut möglich also, dass der Profi Bestwick ab Sommer Arbeitslosengeld beantragen muss.