11. Januar 2021 / 17:00 Uhr

Hannovers Topjudoka Wandtke und Scoccimarro gefordert beim Grand Prix in Doha

Hannovers Topjudoka Wandtke und Scoccimarro gefordert beim Grand Prix in Doha

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„Road to Tokio“: Hannovers Topjudoka Igor Wandtke und Giovanna Scoccimarro beim Grand Prix in Doha.
„Road to Tokio“: Hannovers Topjudoka Igor Wandtke und Giovanna Scoccimarro beim Grand Prix in Doha. © imago/Privat
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"Road to Tokio": Die 36 besten Kampfsportler der Welt wollen beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2021 Punkte holen. Nach der langen Zeit des Corona-Stillstandes geht es für Hannovers Topjudoka Igor Wandtke und Giovanna Scoccimarro im neuen Jahr sofort von Null auf 100.

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Absperrband und eiserne Barrieren regeln den Gang durch die Hotelanlage von der Lobby, vorbei am Pool zurück ins Zimmer. Ein kurzer Sprung ins Wasser? Verboten. Bei 24 Grad in Doha, der Hauptstadt Katars, wäre das eine willkommene Erfrischung in diesen hitzigen Corona-Zeiten. Hannovers Topjudoka Igor Wandtke und Giovanna Scoccimarro sind stattdessen in die Mastersblase eingetaucht.

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Wandtke: „Der Preis dafür, dass wir überhaupt hier kämpfen dürfen“

Igor Wandtke hat in diesem Jahr noch nicht viel gesehen. Von der Vorbereitung Anfang des Jahres in Kienbaum ging es direkt in den Wüstenstaat. Entsprechend beschwerlich war die Einreise. Corona-Test, Einchecken. Ankommen, Corona-Test, im Hotel auf das Ergebnis warten. Erst am 23 Uhr abends am Folgetag durfte der Hannover-Sportler sein rotes Corona-Armband gegen das grüne tauschen. Deutlich mehr Freiheiten gab es damit allerdings nicht. „Das Fliegen war das Entspannteste“, berichtet der 30-Jährige, der zusammen mit Giovanna Scoccimarro die Reise antrat. Strenge Hygieneregeln, kaum Bewegungsfreiheit – das schränkt ein. „Aber das ist eben der Preis dafür, dass wir überhaupt hier kämpfen dürfen. Und es ist gut, dass wir das dürfen.“

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Und so pendeln Wandtke und Scoccimarro zwischen kargem Hotelzimmer vorbei an den Absperrgittern in die kleine Judohalle im orientalischen Stil. Wände und Decken sind mit hellem Stoff abgehangen. Die wuchtigen gelben Matten mit ihren roten Umrandungen bilden einen wohl einmaligen Mix der Welten.

„Eine seltsam anmutende Veranstaltung“

Die Athleten sind nicht der Atmosphäre wegen in Doha. Die Internationale Judo-Föderation (IJF) eröffnet die „Road to Tokio“ hier am persischen Golf. 184 Frauen, 215 Männer, 69 Nationen. In Zeiten von täglichen neuen Rekord-Corona-Inzidenzwerten eine seltsam anmutende Veranstaltung. 15 Athleten reisten aus Deutschland zu diesem Event an. Viele Nationen stellten ihren Athleten eine Teilnahme frei, die Briten etwa. Gemischte Gefühle herrschen auch bei Igor Wandtke, der das gesamte Drumherum versucht, auszublenden. In der Gewichtsklasse bis 73 Kilo gehen zwei Deutsche an den Start. Wandtke, aktuell auf Weltranglistenplatz 24, und sein nationaler Konkurrent Anthony Zingg (28.). Eigentlich hatte der Hannover-Kämpfer sein Olympiaticket 2020 bereits sicher. Bis Corona kam. Wie es jetzt ausschaut? Unklar. Zingg macht sich Hoffnungen, Wandtke noch abzufangen. Zumal der 30-Jährige, der schon 2016 in Rio olympische Erfahrung sammelte, lange über Schulterprobleme klagte und noch entfernt ist von seiner Topform.

Schwerer Einstieg für Wandtke

Der 32-jährige Russe Musa Mogushkov wartet in Runde eins am Dienstag auf Wandtke. Ein echter Brocken, aktuell Weltranglistenzwölfter und bereits Sieger eines Grand Prix (Brasilien 2019). Diese Aufgabe muss Wandtke schultern, er braucht ein positives Sportergebnis. Mit den Großen Preisen in Israel, Usbekistan, Georgien, Türkei, Frankreich und Ungarn, dazu die EM in Portugal bleibt es ein intensives, äußerst knapp bemessenes Zeitfenster bis zu den Olympischen Spielen.

Scoccimarro mit lösbarer Aufgabe

Giovanna Scoccimarro (Weltrangliste Platz 9) zog für die erste Runde ein Freilos. Sie trifft entweder auf Barbara Matic (23) aus Kroatien oder Alice Bellandi (26) aus Italien. Klingt lösbar. „Ich will weiterhin gute Ergebnisse erzielen, dem Bundestrainer beweisen, dass er mich zurecht nominiert hat“, sagt die 23-Jährige. Die Olympiakandidatin, die im vergangenen Jahr ebenfalls ihr Tokio-Ticket zugesprochen bekam, will in dem Feld vorne mitmischen. „Ich habe hohe Erwartungen an mich“, sagt sie.

Das ist Hannovers Judo-Europameister Igor Wandtke:

Igor Wandtke beim Judo-Grand-Prix 2014 in Düsseldorf gegen Jonathan Allardon aus Frankrich. Zur Galerie
Igor Wandtke beim Judo-Grand-Prix 2014 in Düsseldorf gegen Jonathan Allardon aus Frankrich. ©

An diesem Dienstag stehen die Gewichtsklassen der Hannover-Judoka auf dem Plan. Die Vorrunde beginnt um 11 Uhr, der Finalblock um 17 Uhr. Spätestens dann wissen Igor Wandtke und Giovanna Scoccimarro, ob sich die Reise in den Judo-Orient gelohnt hat.