19. Januar 2021 / 17:25 Uhr

Hansa: Butzen sieht „Licht am Ende des Tunnels“

Hansa: Butzen sieht „Licht am Ende des Tunnels“

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Seit mehr als zwei Monaten außer Gefecht: Hansa-Defensivmann Nils Butzen (27).
Seit mehr als zwei Monaten außer Gefecht: Hansa-Defensivmann Nils Butzen (27). © Lutz Bongarts
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Langsam geht es bergauf, aber der seit November verletzte Hansa-Profi braucht bis zum Comeback weiter Geduld. Im Juni endet sein Vertrag - wie bei fast der Hälfte des 26-köpfigen Kaders.

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Es ist sein zweites Jahr beim FC Hansa und sein bisher wohl schwierigstes als Profi. „Seitdem ich im Männerbereich Fußball spiele, hatte ich nichts, was länger als ein, zwei Wochen gedauert hat“, sagt Nils Butzen mit Blick auf seine überschaubare Verletzungshistorie: „Diese Geschichte ist mit Abstand die langwierigste.“ Mit der „Geschichte“ meint er eine Schambeinreizung – eine bei Fußballern gefürchtete Verletzung, die den Rostocker Mittelfeldspieler bereits während der Saisonvorbereitung plagte und seit mittlerweile elf Wochen außer Gefecht setzt.

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Es ist eine völlig neue Situation für Butzen: Erst fünf Drittliga-Einsätze stehen in seiner Saison-Bilanz, davon ging nur einer über die volle Distanz. Zuletzt stand er am 2. November beim 0:0 in Kaiserslautern auf dem Platz. „Es ist gar nicht so einfach, damit umzugehen, wenn man so eine Situation nicht kennt. Besonders wenn man nicht absehen kann, wie lange sie dauert. Dann ist es umso schlimmer“, sagt der 27-Jährige, der aber nicht wehleidig klingen möchte: „Ich will nicht rumjammern, dass ich verletzt bin. Es hätte mich auch schon früher mal erwischen können.“

Bei diesen Hansa-Spielern läuft der Vertrag am 30. Juni 2021 aus.

Julian Riedel (29) Zur Galerie
Julian Riedel (29) ©

Über seine schwierige Situation hat sich Butzen viel mit Freunden, die wie er Fußballer sind, ausgetauscht. Sie haben ihm Mut gemacht, und das hat dem Rostocker geholfen. „Ich glaube, jeder Fußballer, der mal eine längere Verletzung durchgemacht hat, kann bestätigen, dass der Kopf dabei eine Riesenrolle spielt“, sagt der gebürtige Thüringer. „Es ist ermüdend, wenn man arbeitet und es wird nicht besser. Geduld zu haben, muss man erst mal lernen.“

Und das war nicht einfach, denn in den ersten Wochen seiner Verletzungspause ging es für Butzen kaum vorwärts. „Für den Kopf ist es wichtig, dass man Fortschritte macht“ – das ist jetzt endlich der Fall. Reha-Maßnahmen und Aufbautraining zeigen Wirkung: „Ich habe in den letzten Tagen große Fortschritte gemacht, die ich davor wochenlang nicht gemacht habe. Die Schmerzen sind zwar noch nicht ganz weg, aber sie werden Stück für Stück weniger.“


Nach mehr als zwei Monaten ohne Fußball sieht Butzen wieder „Licht am Ende des Tunnels“. Eine Prognose, wann er wieder auf den Rasen zurückkehrt, will der Defensivspezialist, der 2019 aus Magdeburg nach Rostock gekommen ist, nicht abgeben. Um sich nicht selbst unter Druck zusetzen, vermeidet er, ein konkretes Datum für sein Comeback zu setzen und hofft stattdessen: „Wenn es so weitergeht, bin ich guter Dinge, dass es vielleicht im Februar der Fall ist.“ Das wäre der Idealfall, wenn er keine Rückschläge erleidet. „Das Risiko ist, dass man den zweiten Schritt vor dem ersten macht und dann wieder bei Null startet. Die Verletzung kann ganz schnell zurückkommen, wenn man sie nicht komplett auskuriert.“

Die Schambeinreizung machte Butzen schon während der Saisonvorbereitung im Sommer zu schaffen. „Ich habe gehofft, dass es im Trainingsbetrieb und mit verschiedenen Maßnahmen besser wird, aber das war ein Trugschluss“, erklärt der Mittelfeldspieler, dessen Sprunggelenk zudem Probleme macht. „Da ist auch noch nicht alles perfekt, die Bewegung im Knöchel ist noch eingeschränkt.“

Bis zur Rückkehr auf den Rasen liegt noch viel Arbeit vor Nils Butzen. „Ich muss noch Geduld haben, aber natürlich will ich so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen“, sagt er. Zumal ihm die Beobachterrolle nicht liegt. „Ich bin ein ganz schlechter Zuschauer, bin ex-trem nervös. Wenn die Mannschaft gewinnt, ist es einfacher, dann kann man das irgendwie verkraften. Aber wenn es mal nicht so gut läuft, will ich helfen und schnellstmöglich wieder auf den Platz.“

Das wäre auch mit Blick auf seine Vertragssituation hilfreich. Butzen ist einer von zwölf Hansa-Profis, bei denen der Kontrakt am Saisonende ausläuft. Außerdem noch ohne neues Arbeitspapier sind Julian Riedel, Sven Sonnenberg, Max Reinthaler, Jan Löhmannsröben, Lukas Scherff, Korbinian Vollmann, Nik Omladic, Aaron Herzog, John Verhoek und Erik Engelhardt. Bei Lion Lauberbach endet die Leihfrist am 30. Juni.

„Ich würde liebend gern bleiben. Ich fühle mich hier wohl, es passt alles, mit dem Verein und mit der Stadt“, sagt der ehemalige Magdeburger. Konkrete Gespräche mit dem Verein habe es bisher nicht gegeben. „Was aber völlig normal ist“, meint Nils Butzen. „Es laufen mehrere Verträge aus, ich bin aktuell verletzt und habe nicht die ganz großen Argumente auf meiner Seite. Die bestmöglichen sammelt man, wenn man fit ist, spielt und gute Leistungen zeigt.“ Bis dahin ist noch etwas Geduld gefragt.