30. November 2020 / 00:00 Uhr

Hansa-Chef Robert Marien: Die Situation ist existenzgefährdend

Hansa-Chef Robert Marien: Die Situation ist existenzgefährdend

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Vorstandschef RobertMarien (39)
Hansa-Vorstandschef RobertMarien (39) © FOTO: Lutz Bongarts
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Der Bund hat Hansa Rostock 740 000 Euro Unterstützung in der Corona-Krise zugesagt. Wohl weiterer Gehaltsverzicht beim Drittligisten.

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Die Corona-Pandemie sorgt für deutliche Umsatzverluste beim FC Hansa Rostock. Dennoch sei der Klub, der sich seit März im permanenten Krisenmodus befinde, wirtschaftlich stabil. Das teilte der Fußball-Drittligist in einer am Sonntag verbreiteten Mitgliederinformation mit. Die für November geplante Mitgliederversammlung war coronabedingt abgesagt worden und soll nun im Frühjahr stattfinden.

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Aufgrund von sofort eingeleiteten Maßnahmen und kreativen, geldbringenden Aktionen („Hamstern für Hansa“, „Rette Dich, wer kann“) sei Hansa in der vergangenen Corona-Saison „unglaublich gut aus der Krise herausgekommen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Robert Marien. „Ohne Corona-Effekte wäre es eine weitere Rekordsaison gewesen.“ Der Umsatz des Konzerns Hansa Rostock schrumpfte im Vergleich zur Vorsaison zwar von rund 19,1 auf 18,6 Millionen Euro, übertraf aber deutlich die ursprüngliche Planung (knapp 15,6 Millionen).

Das waren die Vorstandschefs des FC Hansa Rostock seit 2000:

Eckhard Rehberg (links im Bild): War von 1997 bis 2001 letzter ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des FC Hansa. Seit 2005 für die CDU im Bundestag. Zur Galerie
Eckhard Rehberg (links im Bild): War von 1997 bis 2001 letzter ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender des FC Hansa. Seit 2005 für die CDU im Bundestag. ©

In die Saison 20/21 konnte Hansa „mit einer relativ soliden Finanzdecke starten“, erklärt Marien. Die ursprüngliche Planung für die aktuelle Spielzeit im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens (Februar 2020) musste pandemiebedingt im Nachlizenzierungsverfahren (Oktober 2020) allerdings von rund 17,5 Millionen auf knapp 14,5 Millionen Euro nach unten korrigiert werden. Die Saison 2020/21 sei für Hansa die „viel, viel schwierigere“, betont der Klubchef. Eine seriöse Planung sei aufgrund der dynamischen Pandemie-Lage derzeit schwierig. Marien: „Keiner kann voraussagen, wie lange die Krise dauern wird.“

Durfte Hansa seine Heimspiele in der Anfangsphase der neuen Saison noch vor bis zu 7500 Zuschauern austragen, befindet sich die 3. Liga mit Beginn des November-Lockdowns wieder im Geisterspielbetrieb, der noch bis zum Jahresende und wohl darüber hinaus andauern wird.


Vor diesem Hintergrund hat der Vereinsvorstand ein fünfstufiges Worst-Case-Szenario entworfen. Die ersten beiden Stufen sind bereits erreicht (keine Heimspiele vor Zuschauern im November und Dezember). Allein dadurch entgehen dem Koggenklub Einnahmen in Höhe von 390 000 Euro. Auch über einen weiteren Gehaltsverzicht müsse deshalb gesprochen werden, lässt Marien durchblicken.

Aus dem Soforthilfe-Programm des Bundes für den Profisport wurden Hansa 740 000 Euro zugesagt, die in Kürze fließen sollen. 60 000 Euro Soforthilfe waren bereits im April gezahlt worden. Damit hat der Drittligist die auf 800 000 Euro gedeckelte maximale Unterstützung erreicht. Die im Frühjahr vom Land ins Spiel gebrachte Corona-Hilfe in Höhe von bis zu 600 000 Euro fließt deshalb nicht. „Stand heute wird Hansa aus dem Landesprogramm kein Geld bekommen“, erklärt Marien und räumt ein: „Ich schlafe heute nicht ruhiger als am Anfang der Krise.“ Sie sei im Geisterspielbetrieb weiterhin „existenzgefährdend“.