25. Mai 2020 / 17:50 Uhr

Hansa-Chef Marien hofft auf Ende der Unruhe

Hansa-Chef Marien hofft auf Ende der Unruhe

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Hansa-Vorstände Robert Marien (r.) und Martin Pieckenhagen
Die Hansa-Vorstände Robert Marien (r.) und Martin Pieckenhagen © Lutz Bongarts
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Nach dem vom DFB angeprangerten „unwürdigen Schauspiel“ der vergangenen Wochen um die 3. Liga hat der Bundestag für Klarheit gesorgt: Die Saison wird fortgesetzt. 

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Krachende Niederlage für die Fortsetzungsgegner: Mit großer Mehrheit hat der Außerordentliche Bundestag des DFB am Montag beschlossen, dass der Ball auch in der 3. Liga wieder rollen wird. 94,87 Prozent der Delegierten stimmten beim ersten virtuellen Bundestag der DFB-Historie für eine Fortsetzung der seit elf Wochen unterbrochenen Spielzeit. Der Antrag auf Abbruch der Verbände aus Sachsen und Sachsen-Anhalt kam dadurch gar nicht mehr zur Abstimmung. Somit steht der Re-Start der dritten Profi-Liga am kommenden Sonnabend fest, die verbleibenden elf Spieltage werden nun bis zum 4. Juli in englischen Wochen durchgezogen. Hansa Rostock steigt mit einem Auswärtsspiel beim FSV Zwickau ins Rennen um die Aufstiegsplätze ein.

Das waren die Leihspieler des FC Hansa seit der Wende:

Saison 2000/01: Im Januar 2001 kam Bachirou Salou von Ligakontrahent Eintracht Frankfurt zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis. Im Juli 2001 verpflichtete Hansa den Stürmer fest für 700.000 Mark. Der Togolese blieb bis Juli 2003 an der Ostsee. Zur Galerie
Saison 2000/01: Im Januar 2001 kam Bachirou Salou von Ligakontrahent Eintracht Frankfurt zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis. Im Juli 2001 verpflichtete Hansa den Stürmer fest für 700.000 Mark. Der Togolese blieb bis Juli 2003 an der Ostsee. ©

„Wir haben gelebte Demokratie erlebt und Handlungsfähigkeit bewiesen. Ich hoffe, dass alle dieses demokratische Votum akzeptieren“, rief DFB-Präsident Fritz Keller am Ende der dreistündigen Sitzung per Videoschalte den Delegierten der Landes- und Regionalverbände zu und mahnte: „Ich appelliere an alle: Keine Tricks mehr und keine Verweigerungshaltung. Jetzt gilt es fair zu spielen, um den Fußball in diesem Land zu retten.“

Hansa-Boss Robert Marien, einer der entschiedenen Befürworter der Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen, schlug in die gleiche Kerbe wie Verbandschef Keller, der den Koggenklub als Positiv-Beispiel für den Umgang mit den Folgen der Corona-Pandemie nannte. „Nach dem mit über 94 Prozent der Stimmen eindeutigen Votum des DFB-Bundestages für eine Fortsetzung der Saison sollte die Unruhe innerhalb der Liga nun dringend ein Ende finden und der Blick nach vorn gerichtet werden. Jetzt gilt es – trotz vieler Widrigkeiten – die Saison auf dem Rasen zu beenden. Wichtig ist, dass wir alle in der Kommunikation ein Stück weit auf die Eskalationsbremse drücken, denn es wird auch eine Zeit nach der Corona-Krise geben“, meinte Marien auf OZ-Anfrage.

Zufrieden nahm Hansas Vorstandschef zur Kenntnis, dass ein Antrag des Saarländischen Fußball-Verbandes, die 3. Liga ab der Saison 2020/21 in zwei Staffeln aufzusplitten, vom DFB-Bundestag mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Mit nur 18 von 253 Stimmen für die Zweigleisigkeit verfehlten die Antragsteller am Montag die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit erwartungsgemäß deutlich. Der Vorstoß war von mehr als 20 Regionalligisten unterstützt worden. „Die Einführung einer zweigleisigen 3. Liga hätte erhebliche Folgen unter anderem für die wirtschaftliche Stabilität der Liga mit sich gebracht. Insofern begrüßen wir die Ablehnung des Vorschlages“, sagte Marien und appellierte: „Ungeachtet dessen sollte die 3. Liga in ihrer Struktur und ihrem Kern nicht immer wieder aufs Neue Gegenstand von Diskussionen sein und damit praktisch jedes mal in Frage gestellt werden.“

DFB-Vizepräsident Rainer Koch wertete den Fortsetzungsbeschluss als deutliches Signal, „dass wir Fußball spielen wollen“ und mahnte: „Es ist nichts dinglicher, als jetzt zusammenzustehen. „Dem Verband bleibe „gar keine andere Wahl, als die 3. Liga fortzusetzen. Es sollte jedem einleuchten, dass eine nationale Liga spielen können muss, selbst wenn das in zwei Bundesländern noch nicht möglich ist“, sagte er. Andernfalls käme man vereinbarten Pflichten nicht nach, was mit hohen finanziellen Risiken verbunden wäre. „Wir müssen uns nicht nur mit dem Jetzt, sondern auch mit der Zukunft befassen.“ Der DFB sei „nicht der Spielball einiger weniger, die noch dazu untereinander zerstritten sind“.

Er würde sich wünschen, „dass wir zu Gemeinsamkeit und Geschlossenheit zurückfinden“, sagte Koch. Ein Wunsch, der sich auf absehbare Zeit allerdings kaum erfüllen wird. Denn bereits kurz vor dem Bundestag kam Anwaltspost vom Halleschen FC. „Wir haben durch unseren Anwalt die bestehende Wettbewerbsverzerrung beim DFB angezeigt und diesen aufgefordert, gleiche Bedingungen für alle mit mindestens 14 Tagen Mannschaftstraining zu schaffen. Wir erwarten hierzu eine Antwort und werden dann in unseren Gremien weitere Schritte beraten“, sagte Präsident Jens Rauschenbach der „Mitteldeutschen Zeitung“. DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius kündigte eine Prüfung durch die zuständigen Gremien an, ließ aber keinen Zweifel daran, dass am Samstag gespielt werden muss. „Wenn ein Team nicht antritt, wird das Spiel für die gegnerische Mannschaft gewertet“, stellte er klar.

Der 1. FC Magdeburg hat die Entscheidung für die Fortsetzung der Saison respektiert und gleichzeitig seine Forderung auf ausreichende Vorbereitung erneuert. „Die Abstimmung respektieren wir. Wie vom DFB stets hervorgehoben, sollte der Spielbetrieb erst aufgenommen werden, insofern es die behördlichen Verfügungslagen in allen betroffenen Bundesländern zulassen und somit jeder Verein seine Heimspiele im eigenen Stadion austragen kann“, teilte Manager Mario Kallnik via Twitter mit. Der FCM betonte allerdings erneut, dass der DFB einer Wettbewerbsverzerrung entgegenwirken müsse. „Des Weiteren sollte im Sinne annähernd gleicher Wettbewerbsvoraussetzungen vor dem ersten offiziellen Spieltermin jeder Mannschaft eine Vorbereitungszeit in Form von 14-tägigem Mannschaftstraining eingeräumt werden“, sagte Kallnik. Der Zweitligaabsteiger kann erst am Dienstag ins Mannschaftstraining einsteigen- vorausgesetzt, auch die zweite Corona-Testreihe fällt negativ aus. Am Samstag empfängt Magdeburg den 1. FC Kaiserslautern.