23. April 2021 / 08:51 Uhr

Hansa-Coach Härtel: „Schütteln, durchzählen und marschieren“

Hansa-Coach Härtel: „Schütteln, durchzählen und marschieren“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Emotional an der Seitenlinie: Hansa-Trainer Jens Härtel.
Emotional an der Seitenlinie: Hansa-Trainer Jens Härtel. © Lutz Bongarts
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Nach der verpassten Gelegenheit gegen Wehen Wiesbaden richtet man den Blick bei Hansa nach vorn. Beim Spiel in Meppen drohen Ausfälle.

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Selten hat man Jens Härtel bei einem Spiel so aufgewühlt gesehen wie beim aufreibenden Fight am Mittwochabend gegen den SV Wehen Wiesbaden. Das vermeidbare Ausgleichstor der Hessen in der sechsten Minute der Nachspielzeit dürfte den Hansa-Trainer noch bis tief in die Nacht beschäftigt haben. Durch das 1:1 (0:0) ließen die Rostocker zwei Bigpoints im Aufstiegsrennen liegen und verpassten es, sich an der Spitze etwas abzusetzen. „Vulkan“ Härtel war aber wenige Minuten nach dem Abpfiff schon wieder runtergekühlt und ganz der klare Analytiker mit dem Blick fürs Wesentliche. „Wir haben nicht verloren, Wiesbaden ist nicht rangekommen, der Abstand bleibt“, stellte er fest. „Natürlich hätten wir uns gegen eine gute Mannschaft in einem engen Spiel auch durchsetzen können, das hätte uns noch ein bisschen Schwung für Sonnabend gegeben.“

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Vor dem Duell beim SV Meppen hat sich der Tabellenführer trotz der verpassten Gelegenheit seine gute Ausgangsposition bewahrt. Ingolstadt (1:1 in Lübeck) bleibt mit zwei Punkten im Hintertreffen und Dresden greift nach zwei Spielen Corona-Pause erst am Wochenende wieder ein. „Mein Gott, andere patzen auch, dann müssen wir es halt in den nächsten Spielen ziehen“, richtete auch Geburtstagskind Jan Löhmannsröben den Blick sofort wieder nach vorn. Den Kasten Bier, den er der Mannschaft zu seinem 30. spendieren wollte, nahm „Löh“ wieder mit nach Hause: „Wir haben ja nicht gewonnen.“

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Stürmer Malick Bolivard, auf Martinique geborener Franzose, brachte es von 2009 bis 2011 auf 13 Einsätze. ©

Ob der Defensivmann, der wegen einer Verletzung am linken Sprunggelenk vorzeitig raus musste, gegen die abstiegsgefährdeten Emsländer dabei ist, war noch unklar: „Ich hoffe, dass es Samstag wieder geht.“ Ausfallen dürfte Tobias Schwede (starke Prellung). Auch John Verhoek klagte über Schmerzen und musste in der hart geführten Partie vorzeitig raus.

„Wir wussten, dass eine der physisch stärksten Mannschaften der Liga auf uns zukommt. Man hat gesehen, was das für ein intensives Spiel war. Jetzt gilt: Schütteln, durchzählen, schauen, wer in Meppen marschieren kann und dann eine gute Leistung bringen“, sagte Härtel. Es ist das nächste von jetzt noch fünf Endspielen (siehe Infografik), und Hansa ist nicht nur wegen des unerwarteten Patzers der Ingolstädter beim Vorletzten Lübeck gewarnt. „Man sieht, was in dieser Liga möglich wird, auch in Meppen wird es für uns eine schwere Aufgabe. Die spielen gegen den Abstieg, die müssen punkten und werden alles reinwerfen“, meinte der Trainer und wurde deutlich: „Wenn wir da nicht mit der gleichen Leidenschaft und Intensität ins Spiel gehen wie gegen Wiesbaden, kriegen wir in die Fresse.“

Bentley Baxter Bahn, der Hansa mit einem umstrittenen Handelfmeter in Führung gebracht hatte (51.), ist überzeugt, dass die gefühlte Niederlage von Mittwoch, die Mannschaft nicht zurückwirft: „Wir werden aus dem Spiel gestärkt rausgehen und es am Sonnabend besser machen.“ Das späte Gegentor durch Florian Carstens sei zwar schmerzlich, aber das Unentschieden gehe „schon in Ordnung“, meinte der Spielmacher: „Wir haben über die Saison viele Last-Minute-Erfolge feiern dürfen. Von daher gehört so ein kleiner Rückschlag mal dazu.“ Sein sechstes Saisontor war Bahns erstes nach der Geburt seines Sohnes in der vergangenen Woche. Beim 1:0-Sieg gegen Bayern II hatte der Hamburger deshalb gefehlt. „Es ist alles gut gelaufen, ich bin sehr glücklich und wäre noch glücklicher gewesen, wenn wir den Sieg mit nach Hause genommen hätten.“

Das galt auch für Jens Härtel. „Wenn man in der 96. Minute den Ausgleich bekommt, fühlt sich das nicht gut an, das war ein bisschen wie Jugendfußball. Es ärgert mich, dass wir in den maßgeblichen Situationen keine gute Entscheidungsqualität hatten“, sagte er und meinte vor allem den letzten Ballverlust in der Schlussminute. „Dann gehe ich halt zur Eckfahne und nehme Zeit von der Uhr, dann wäre das Ding wahrscheinlich durch gewesen.“ Stattdessen gab es noch einen Freistoß für die Gäste, den späten Ausgleich und damit eine Premiere, auf die die Rostocker gerne verzichtet hätten: Zum ersten Mal in dieser Saison ging Hansa nach einer 1:0-Führung nicht als Sieger vom Rasen. Das Ende dieser Serie interessierte die Protagonisten aber bestenfalls am Rande, auch Bentley Baxter Bahn: „Wir haben gegen eine Topmannschaft unentschieden gespielt. Es ist nach oben und nach unten nichts passiert, wir haben alles in unserer Hand – so wollen wir am Samstag in Meppen auftreten.“