31. Mai 2021 / 11:22 Uhr

Hansa freut sich auf die "Bundesliga der Herzen"

Hansa freut sich auf die "Bundesliga der Herzen"

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Manuel Farrona Pulido (l.) und Nils Butzen feiern den Hansa-Aufstieg.
Manuel Farrona Pulido (l.) und Nils Butzen feiern den Hansa-Aufstieg. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Mit dem Ende der Relegationsspiele ist die 2. Liga komplett. Große Namen und viel Tradition lassen Fußball-Nostalgiker schwärmen, denn die Saison 2021/22 verspricht so viele attraktive Duelle wie noch nie im Unterhaus. Der Norden, u.a. mit Hansa Rostock, Werder Bremen und dem HSV, ist stark vertreten.

Jahrzehntelang galt sie als wenig attraktive und ungeliebte kleine Schwester der Bundesliga. 1974 als zunächst zweigleisiger Unterbau gegründet, brauchte die Spielklasse Jahrzehnte, um aus dem Schatten der Eliteliga herauszutreten und selbst ein wenig Glanz abzubekommen. Längst hat sie sich als zweites Premiumprodukt der DFL mit – bis zur Pandemie – konstanten Wachstumsraten etabliert. Doch in der Saison 2021/22 ist die Liga so glamourös wie noch nie in ihrer 47-jährigen Geschichte. „Es wird eine geile 2. Liga“, sagt nicht nur Hansas Aufstiegstrainer Jens Härtel mit Blick auf die vielen Traditionsvereine, die sich mittlerweile im Unterhaus tummeln. Der 1. FC Köln, 1964 erster Bundesliga-Meister, hat den Absturz am Sonnabend im letzten Moment verhindert.

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„Solch eine Hammer-Liga gab es noch nie, das wird etwas ganz Besonderes“, meint Sportvorstand Christian Heidel von Erstligist Mainz 05. Hoffenheims Manager Alexander Rosen erwartet einen „brutalen Wettbewerb“ und blickt schon fast etwas neidvoll auf das Unterhaus. „Wenn man bedenkt, welche Power viele Vereine haben, könnte es in der nächsten Saison in der 2. Liga mehr Zuschauer geben als in der Bundesliga.“

Impressionen vom Aufstiegstag des FC Hansa gegen den VfB Lübeck:

Feiert mit den Fans: Hansas Aufstiegsmannschaft. Zur Galerie
Feiert mit den Fans: Hansas Aufstiegsmannschaft. ©

Die Zeiten, als die Zweitligisten SpVgg Erkenschwick, Röchling Völklingen, KSV Baunatal oder HSV Barmbek-Uhlenhorst hießen, sind unwiederbringlich vorbei. Durch die Absteiger Werder Bremen und Schalke 04 sowie die Aufsteiger Dynamo Dresden und Hansa Rostock hat die 2. Bundesliga noch mal enorm an Strahlkraft gewonnen. Die „Neulinge“ und Klubs wie der Hamburger SV, der 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Fortuna Düsseldorf, der Karlsruher SC und der FC St. Pauli sorgen für geballte Fußball-Tradition und einen gewaltigen Fan-Rückhalt. „Es geht viel Tradition, Fan-Power und Bundesliga-Historie ein Stockwerk tiefer. Dafür gibt es eine zweite Liga, wie es sie noch nie gab“, schreibt Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in seiner Kolumne für „Sky“.

Die DDR-Meisterschaften von Dresden (8) und Hansa (1) mitgezählt, bringt es diese 2. Liga auf 39 nationale Titel und 22 DFB-Pokalsiege. Für viele Fußballfans ist das Unterhaus in der kommenden Saison die Bundesliga der Herzen, während mancher die 2. Liga als „eine Art Rehaklinik für vom Kurs abgekommene Traditionsvereine“ verspottet. Der dreimalige Meister und vierfache Pokalsieger 1. FC Köln hat den siebten Abstieg in die 2. Liga im Relegationsrückspiel gegen Kiel gerade noch abgewendet.

Die Schwergewichte: Allein die beiden Absteiger Werder (4 Meisterschaften/6 DFB-Pokalsiege) und Schalke (7/5) bringen elf deutsche Meistertitel und elf DFB-Pokalsiege mit in die Liga. Beide wollen sofort wieder nach oben. Während bei den Königsblauen Dimitrios Grammozis wohl die Mission Wiederaufstieg angehen darf, ist Werder noch auf Trainersuche. Sportchef Frank Baumann will in den kommenden Tagen einen neuen Coach präsentieren. Als Favorit gilt laut „Bild am Sonntag“ Markus Anfang vom Zweitliga-Konkurrenten SV Darmstadt 98. Auch Peter Zeidler (FC St. Gallen), Ole Werner (Holstein Kiel) und Stefan Leitl (Greuther Fürth) sind demnach in der engeren Auswahl.

Auch der Hamburger SV unternimmt seinen vierten Anlauf zur Bundesliga-Rückkehr mit einem neuen Übungsleiter. „Ein Ziel zu formulieren wäre der völlig falsche Ansatz“, sagt Trainer Tim Walter und fügt vielsagend hinzu: „Platz vier ist kein Ziel.“ Neben den beiden Absteigern und dem HSV sehnen sich mit Nürnberg (9 Meistertitel/ 3 Pokalsiege), Hannover (2/1) und Düsseldorf (2 Pokalsiege) weitere große Vereine nach der Bundesliga.


Die Liga-Dinos: Der FC St. Pauli geht in seine 11. Zweitliga-Saison am Stück und ist damit der dienstälteste Klub im Unterhaus. Gefolgt wird der Kiezklub von zwei „grauen Mäusen“ der Liga: dem SV Sandhausen (10. Saison) und dem FC Heidenheim (8.). Unangefochtener Spitzenreiter in der ewigen Zweitligatabelle ist die SpVgg Greuther Fürth, die die Liga nach acht Spielzeiten in Serie nach oben verlassen hat. Die Franken haben in 1126 Spielen 1667 Punkte geholt und führen vor St. Pauli (1506) und Alemannia Aachen (1481). Hansa ist in diesem Ranking 43. (388 Punkte in 288 Spielen).

Das Ost-Trio: Der FC Erzgebirge Aue bekommt in seiner sechsten Zweitliga-Saison „Verstärkung“ von den ehemaligen DDR-Oberliga-Konkurrenten Dresden und Hansa. Erstmals seit der Saison 2018/19 sind damit wieder mehr als zwei Ostklubs im Unterhaus vertreten. Die Erzgebirgler, die sich letzte Woche von Trainer Dirk Schuster trennten, haben den aktuellen Rekordspieler in ihren Reihen. Torwart Martin Männel bringt es auf 305 Zweitliga-Einsätze – so viele wie kein anderer aktiver Spieler. In der ewigen Rangliste liegt der 33-Jährige auf Platz 48, Erster ist Willi Landgraf (u.a. Alemannia Aachen) mit 508 Spielen.

Auch Hansa hält einen Rekord für die Ewigkeit. Das 9:0 der Rostocker gegen TuS Koblenz am 19. Oktober 2008 ist der höchste Sieg in der eingleisigen 2. Bundesliga. Am 23. Juli geht sie wieder los.

Hansas Zweitligabilanz gegen die 17 Vereine

Mit einem Großteil der 17 Klubs verbindet den FC Hansa eine gemeinsame Vergangenheit in der 2. Bundesliga, andere sind in der neuen Saison Premierengegner für die Rostocker im Fußball-Unterhaus.  

Werder Bremen: bisher kein Duell in der 2. Liga / letztes Pflichtspiel: 1:2 (April 2008/1. Bundesliga)

FC Schalke 04: – / 1:2 (April 2008/1. Bundesliga)

Hamburger SV: – / 1:3 (Mai 2008/ 1. Bundesliga)

Holstein Kiel: – /1:2 (Mai 2017/3. Liga)

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1. FC Heidenheim: – / 0:1 (Februar 2014/3. Liga)

SC Paderborn: 8 Spiele (3 S/1 U/4 N) / 2:3 (März 2018/3. Liga)

Karlsruher SC: 4 Spiele (1 S/1 U/2N) / 1:1 (März 2019/3. Liga)

FC St. Pauli: 12 Spiele (5 S/0 U/7 N) / 0:3 (April 2012/2. Liga)

FC Erzgebirge Aue: 6 Spiele (2 S/ 0 U/4 N) / 0:2 (Februar 2016/3. Liga)

SSV Jahn Regensburg: – / 0:0 (Januar 2017/3. Liga) Fortuna Düsseldorf: 8 Spiele (2 S/ 3 U/3 N) / 0:3 (DFB-Pokal, August 2016)

SV Sandhausen: – / 0:1 (April 2011/ 3. Liga)

SV Darmstadt 98: 2 Spiele (1 S/1 U/ 0 N) / 0:1 (März 2014/3. Liga)

Hannover 96: 6 Spiele (2 S/2 U/2 N) / 0:3 (Mai 2008/1. Bundesliga)

1. FC Nürnberg: 4 Spiele (2 S/1 N/1 U) / 2:4 n.E. (DFB-Pokal, Oktober 2018)

Dynamo Dresden: 4 Spiele (0 S/2 U/ 2 N) / 0:0 (April 2021/3. Liga)

FC Ingolstadt: 4 Spiele (0 S/1 U/3 N)/ 1:1 (Mai 2021/3. Liga)