26. November 2020 / 15:11 Uhr

Hansa Rostock: Grauer November nach goldenem Oktober

Hansa Rostock: Grauer November nach goldenem Oktober

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Trainer Jens Härtel
Hansa-Trainer Jens Härtel © Getty Images
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Gefühlt zieht bei Hansa Rostock im vorletzten Monat des Jahres stets sportliche Tristesse ein - die Gründe für die derzeitige Sieg-Flaute.

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Nach dem vielversprechenden Saisonstart ist der FC Hansa vorerst wieder dort angekommen, wo er endlich herauskommen will: im Drittliga-Mittelmaß. Durch das 1:1 in Magdeburg rutschten die Rostocker, die im Oktober sogar kurzzeitig Tabellenführer waren, auf Rang neun ab.

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Zwar hat die Mannschaft von Trainer Jens Härtel von elf Saisonspielen nur zwei verloren (gegen Saarbrücken und Dresden), aber eben auch nur vier gewonnen. Das ist zu wenig für die eigenen Ansprüche, und der Trend zeigt nach unten: Aus den letzten vier Spielen holten die Rostocker nur drei von zwölf möglichen Punkten.

Die Noten der Hansa-Profis zum Unentschieden in Magdeburg:

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Der Ärger über den verpassten fünften Saisonsieg beim Tabellenvorletzten hielt sich bei Härtel dennoch in Grenzen. „Leider ist uns der Lucky Punch nicht gelungen. Mit dem Punkt können wir leben – wenn es ganz dumm läuft, verlierst du dieses Spiel noch“, sagte der Trainer nach dem ausgeglichenen Duell gegen seinen ehemaligen Verein. Gründe für die Sieg-Flaute:



November-Fluch: Nach einem goldenen Oktober ohne Niederlage (drei Siege, zwei Unentschieden) wartet Hansa im November noch auf einen Dreier. Die letzte Möglichkeit dazu hat die Härtel-Elf am Sonnabend gegen Bayerns schwächelnde U 23. Der Durchhänger in diesem Monat hat bei den Rostockern zwar eine gewisse Tradition, aber dass Hansa im November angeblich nicht gewinnen kann, ist ein Mythos.

In den vergangenen Drittliga-Jahren gab es immer mindestens einen Dreier (Ausnahme: 2016, aber da hat Hansa immerhin kein Spiel verloren). Seit dem Zweitligaabstieg 2012 verließen die Rostocker in 32 November-Spielen immerhin zehn Mal als Sieger den Rasen.

Abwehrpatzer: Den letzten fünf Gegentoren gingen jeweils eklatante Aussetzer oder Schlafmützigkeiten in der Defensive voraus. „Beim Gegentor haben wir wieder kräftig mitgeholfen“, meinte Härtel mit Blick auf den Fehlpass, mit dem Max Reinthaler den Magdeburger Führungstreffer einleitete. „Das war wieder so ein einfacher Fehler im Spielaufbau, wo wir den Ball mehr oder weniger herschenken. Im Moment ist es wie verhext.“

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Diese hohe Fehlerquote nervt auch John Verhoek. „Wir trainieren ständig das Aufbauspiel, weil wir Fußball spielen wollen. Und dann solche Fehler, die dürfen nicht passieren! Das müssen wir so schnell wie möglich abstellen.“ Härtel baute die Abwehrreihe oft um und ist auch am Sonnabend gegen die Bayern dazu gezwungen: Reinthaler, in Magdeburg nach 40 Minuten verletzt raus, steht nicht zur Verfügung.

Fehlende Überzeugung: Die Sieglos-Serie liegt aber nicht nur in den sich häufenden Abwehrfehlern begründet. Auch vor dem gegnerischen Tor zeigt Hansa Schwächen. „Vor dem Fehler hätten wir zwei, drei Dinger machen müssen, das haben wir leider nicht geschafft“, hadert Verhoek, der in Magdeburg nach der Pause zum Ausgleich traf. Hansa spielt sich zwar Chancen heraus, geht aber fahrlässig damit um. Härtel fehlt derzeit vorne „die letzte Überzeugung, den Ball unbedingt reinmachen zu wollen“.

Individuelle Schwächephasen: Pascal Breier, der 15-Tore-Mann aus der Vorsaison, ist von seiner Topform ein gutes Stück entfernt. Zwar kam er bisher in jedem Spiel zum Einsatz, getroffen hat der Angreifer aber nur am ersten und am elften Spieltag. Auch in Magdeburg vergab er kurz vor dem Abpfiff eine Großchance zum Siegtor. „Pascal hat schon seine Probleme, die Bälle zu verarbeiten“, meinte Härtel schon vor dem Spiel. Verhoek ist bei ihm die klare Nummer eins im Sturmzentrum. „Ich bin froh, dass ich beide habe“, sagt der Trainer.

Auch Bentley Baxter Bahn und Maurice Litka spielen derzeit nicht auf Topniveau. Bis zum 5:1-Sieg gegen Viktoria Köln machten sie als Vorbereiter oder Torschützen oft den Unterschied, in den vier Spielen danach gelang beiden weder ein Assist noch ein Treffer. „Die finalen Dinge sind bei ihnen zuletzt nicht so ausgegangen wie in den Spielen davor“, sagt Härtel. In einem Leistungsloch sieht er beide aber nicht: „Auch in Magdeburg haben sie gezeigt, wie wichtig sie für unser Spiel sind.“

Immer wichtiger wird Korbinian Vollmann. Mit zwei Vorlagen und einem Tor (beim 1:1 in Halle) ist der technisch starke Offensivmann derzeit ein Aktivposten. In Magdeburg musste er nach 70 Minuten für Breier weichen. „Wir hatten das Gefühl, dass er ein bisschen müde wird und wollten einen frischen Spieler bringen. Denn wir wollten das Spiel gewinnen“, erklärte Härtel. Ob Nik Omladic (Prellung) gegen die Bayern wieder eine Option sein wird, sei „offen“, meinte der Trainer am Donnerstag. „Er war zuletzt jeden Tag beim Arzt, hat noch Schmerzen.“

Selten in Führung: Hansa ist in der Lage, nach Gegentoren zurückzuschlagen. Gegen 1860 München, in Halle und auch am Mittwoch in Magdeburg hat die Härtel-Elf jeweils einen Rückstand aufgeholt. Allerdings konnte sie nur ein Spiel nach einem Rückstand drehen: beim 3:1 zum Saisonauftakt gegen Duisburg. „Wir müssen mal wieder in Führung gehen", fordert Härtel. Das gelang seiner Mannschaft zuletzt am 7. Spieltag gegen Viktoria Köln (5:1). Der Trainer weiß, warum ein 1:0 so wichtig ist: Immer wenn seine Mannschaft in Führung ging (gegen Verl, Mannheim und Köln), hat sie auch gewonnen.

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