25. Februar 2021 / 14:33 Uhr

Vor 30 Jahren machte Hansa den Bundesligaaufstieg klar - Idol Schlünz erinnert sich

Vor 30 Jahren machte Hansa den Bundesligaaufstieg klar - Idol Schlünz erinnert sich

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Idol Juri Schlünz
Hansa-Idol Juri Schlünz © Andy Bünning
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Am 4. Mai 1991 qualifizierte sich Hansa Rostock mit einem Sieg gegen Dynamo Dresden als letzter Ost-Meister für die erste gesamtdeutsche Bundesliga. Auf den Tag genau 30 Jahre danach kann die Härtel-Elf mit einem Sieg gegen Ingolstadt einen entscheidenden Schritt in Richtung 2. Liga machen. 

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Geschichte wiederholt sich angeblich nicht, aber in diesem Jahr in gewisser Weise vielleicht doch. Die alten Rivalen Hansa Rostock und Tabellenführer Dynamo Dresden thronen gemeinsam an der Spitze der 3. Liga. 30 Jahre, nachdem sich die beiden Vereine für die Bundesliga qualifizierten, könnte am Ende dieser Saison wieder ein gemeinsamer Aufstieg stehen - in die 2. Liga. „Es wäre ein guter Zeitpunkt“, sagt Klubikone Juri Schlünz.

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Der 59-Jährige war maßgeblich daran beteiligt, als Hansa gemeinsam mit Dresden das Ticket für die erste gesamtdeutsche Bundesliga-Saison 1991/92 löste. Mit seinen beiden Freistoßtoren im entscheidenden Meisterschaftsspiel gegen die Sachsen schrieb Schlünz Fußballgeschichte. Henri Fuchs machte am 4. Mai 1991 vor 17500 Zuschauern im Ostseestadion schließlich den Deckel drauf: Mit dem 3:1-Sieg entthronten sie den schwarz-gelben Titelverteidiger, sicherten sich den letzten Ost-Meistertitel und einen Platz in der Bundesliga. Auch Dresden war als Tabellenzweiter dabei.

Von der Ostsee an die Elbe / Von schwarz-gelb zu blau-weiß - Ehemalige Kicker des FC Hansa, die auch für Dynamo Dresden aktiv waren.

Abdelaziz Ahanfouf (Marokko): Der hessische Marokkaner konnte bei Hansa 1999/2000 die Erwartungen nicht erfüllen. Zog über Mainz und Dresden weiter nach Duisburg, wo er seine erfolgreichste Zeit hatte. Zur Galerie
Abdelaziz Ahanfouf (Marokko): Der "hessische Marokkaner" konnte bei Hansa 1999/2000 die Erwartungen nicht erfüllen. Zog über Mainz und Dresden weiter nach Duisburg, wo er seine erfolgreichste Zeit hatte. ©

„Vor dem Spiel war klar: Wenn wir das gewinnen, sind wir Meister und haben das geschafft, was wir unbedingt wollten“, erinnert sich Schlünz, der in den Nullerjahren auch mal Cheftrainer beim Rostocker Bundesligisten war. „Eigentlich wollten wir nur in den bezahlten Fußball, unter die ersten Sechs.“ Aber Hansa spielte eine herausragende Saison und bejubelte schon am viertletzten Spieltag den ersten Oberliga-Titel der Vereinsgeschichte – eine Riesenüberraschung. „Auf jeden Fall. Es war vorher ja immer so, dass Dresden mit vorne dabei war oder Lok Leipzig. Dass wir beide hinter uns lassen würden, damit haben wir nicht gerechnet.“ Dass die Spitzenmannschaften Spieler an Bundesligisten abgegeben hatten - Dresden ließ mit Matthias Sammer und Ulf Kirsten zwei Topstars ziehen - „hat uns natürlich auch in die Karten gespielt“, meint Schlünz. „Uns haben sie in Ruhe gelassen und es wollte auch keiner weg.“

Dass Hansa eine eingespielte Truppe hatte, zahlte sich aus. Der Underdog dominierte die letzte Oberliga-Saison, in der 14 Klubs um zwei Tickets für die 1. und vier für die 2. Bundesliga kämpften. Am dritten Spieltag lösten die Rostocker Rot-Weiß Erfurt an der Tabellenspitze ab und blieben dort bis zum Schluss. „Die erste Niederlage gab es im 13. Spiel“ (2:3 in Leipzig), sagt der damalige Kapitän: „Das hatten wir vorher auch noch nicht.“

An die Duelle gegen den achtmaligen DDR-Meister Dynamo Dresden denkt Schlünz gerne zurück. „Das waren zwei Mannschaften, die richtig gut Fußball spielen wollten und auch konnten. Gegen Dresden zu spielen, hat mir mehr Spaß gemacht als gegen Stahl Riesa oder Jena.“ Das 3:1 am 4. Mai 1991 und seine beiden Tore begründete den Status des gebürtigen Berliners als eines der größten Hansa-Idole. „Das Spiel gegen Dresden war mein bestes und die Saison auch“, sagt er selbst.

Drei Jahrzehnte später spielt der FC Hansa seine beste Saison seit langem. Vor dem Topduell am Dienstagabend gegen den Tabellendritten FC Ingolstadt hat die Mannschaft von Trainer Jens Härtel zwei Punkte Vorsprung auf die Oberbayern. Platz zwei würde reichen, um direkt aufzusteigen - vielleicht wieder zusammen mit Tabellenführer Dresden. „Ich drücke die Daumen“, sagt Juri Schlünz, der "seinen" FC Hansa gerne wieder eine Liga höher sehen würde.