14. Oktober 2020 / 15:08 Uhr

Hansa Rostock: Als Uwe Ehlers vom Fischkopp zum Löwen wurde

Hansa Rostock: Als Uwe Ehlers vom Fischkopp zum Löwen wurde

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Co-Trainer Uwe Ehlers (45)
Hansa-Co-Trainer Uwe Ehlers (45) © Lutz Bongarts
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Bei den Sechzigern ging Hansas heutiger Co-Trainer einst auf Tuchfühlung mit Weltstars wie Buffon, Cannavaro und Thuram.

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Seit mehr als sechs Jahren arbeitet Co-Trainer Uwe Ehlers (fast) jeden Tag mit daran, den FC Hansa wieder nach vorne zu bringen. Von Peter Vollmann bis Jens Härtel – fünf Cheftrainer hat der gebürtige Rostocker erlebt und ist zudem mehrfach als Interimsboss eingesprungen. Wenn der heute 45-Jährige auf dem Trainingsplatz die Spieler anleitet, weiß er, wovon er spricht: Ehlers hat - was viele der aktuellen Hansa-Spieler möglicherweise gar nicht auf dem Schirm haben - eine respektable Profikarriere hinter sich. Mehr als 200 Bundesliga- und Zweitligaspiele absolvierte er, die meisten für Hansa. Eine wichtige Station war für den einstigen Verteidiger aber auch der nächste Gegner der Rostocker: der TSV 1860 München, der am Sonnabend als Drittliga-Tabellenführer ins Ostseestadion kommt.

Den Löwen schloss sich der Norddeutsche an, als der Verein noch zu den Topadressen in der Bundesliga gehörte. Als Ehlers im Jahr 2000 seinen Dreijahresvertrag antrat, durften die Münchener als Bundesliga-Vierter und Champions-League-Qualifikant auf die Teilnahme an der Königsklasse hoffen. Dieser Traum erfüllte sich für den Traditionsverein und den jungen Abwehrmann aus Rostock zwar nicht - aber im Uefa-Cup ging Ehlers mit Spielern auf Tuchfühlung, die später Weltstars wurden und heute Legenden sind. Bei einer 0:2-Heimniederlage gegen den AC Parma im Dezember 2000 maß Ehlers sich mit Ausnahmefußballern wie Gianluigi Buffon, Fabio Cannavaro oder Lilian Thuram. Endlich durfte sich der Junge von der Ostseeküste auch bei den „Großen“ mal auf internationaler Bühne beweisen.

Im Nachwuchs hatte der hochgewachsene Defensivspezialist zuvor schon internationale Erfahrung gesammelt. Zwei Mal lief Ehlers für die A-2-Nationalmannschaft auf, in der U 21 gehörte er bei Trainer Hannes Löhr zum Stamm (19 Einsätze) – wie Michael Ballack, Torsten Frings oder Lars Ricken. „Uwe bringt alle Voraussetzungen mit, um sich in der Bundesliga durchzubeißen“, meinte Löhr. So sehr der DFB-Trainer den Rostocker schätzte, so schwer hatte es Ehlers phasenweise bei seinem Verein.

Diese 17 Spieler liefen für Hansa Rostock und 1860 München auf

Antonio Di Salvo (*1979) Zur Galerie
Antonio Di Salvo (*1979) ©

Obwohl der beidfüßige Verteidiger in 80 Bundesliga- und fast 40 Zweitligaspielen für den Koggenklub auflief, haftete ihm bei seinem Heimatverein der Ruf des ewigen Talents an. Cheftrainer Andreas Zachhuber setzte in der Rückrunde der Saison 1999/2000 kaum noch auf das Eigengewächs. „Alle anderen wurden mir vorgezogen. Der Trainer hat das mir gegenüber nie begründet – mit keiner Silbe“, wunderte sich der 25-Jährige und zog einen (vorläufigen) Schlussstrich unter das Kapitel Hansa Rostock. „Uwe wird seinen Weg machen“, war Zachhuber überzeugt. Hansa sei für ihn „finanziell an die Schmerzgrenze gegangen, mehr war nicht drin“, ließ der Trainer wissen, als Ehlers sich entschieden hatte, das Angebot von 1860 München anzunehmen.

Der Ruf von Löwen-Bändiger Werner Lorant kam zur rechten Zeit, meinte auch Uwes Vater Gerhard Ehlers, der selbst für Hansa spielte und bis 2012 das Nachwuchsinternat leitete. „Uwe braucht ab und zu einen Tritt in den Hintern. Bei Werner Lorant ist er da bestimmt bestens aufgehoben“, befand er. An der Seite von Stars wie Thomas Hässler, Davor Suker, Martin Max oder Daniel Borimirov kam Uwe Ehlers bis 2003 in insgesamt 42 Bundesligaspielen für die Löwen zum Einsatz. Nach drei Jahren bei den Sechzigern wechselte der Defensivspezialist nach Augsburg, später zu Erzgebirge Aue und nach Osnabrück. Bei Hansa II ließ der 1,88-Meter-Mann seine Karriere ausklingen.

Seine Zeit in München wird Hansas Co-Trainer, der seit Jahresbeginn zudem die A-Junioren coacht, in bleibender Erinnerung behalten: Sein älterer Sohn Kevin wurde in der Isarmetropole geboren. Der mittlerweile 19-Jährige steht bei Dynamo Dresden unter Vertrag und tritt in die Fußstapfen seines Vaters – als großes Abwehrtalent.