14. Oktober 2019 / 18:31 Uhr

Hansa-Rostock-Boss attackiert Bierhoff: „Das ist total deplatziert“

Hansa-Rostock-Boss attackiert Bierhoff: „Das ist total deplatziert“

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Vorstandschef Robert Marien (l.) übt heftige Kritik an DFB-Direktor Oliver Bierhoff.
Hansa-Vorstandschef Robert Marien (l.) übt heftige Kritik an DFB-Direktor Oliver Bierhoff. © Getty / Sönke Fröbe
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DFB-Direktor Oliver Bierhoff bringt eine zwei- oder dreigleisige 3. Liga ins Gespräch und stößt beim Hansa-Chef damit auf Unverständnis. 

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In scharfer Form hat Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien Vorschläge von DFB-Direktor Oliver Bierhoff zu einer möglichen Strukturreform der 3. Liga zurückgewiesen. Er halte den Vorstoß in dieser Form für „völlig deplatziert“, wettert der Vorstandsvorsitzende des Rostocker Drittligisten: „Ich finde es erstaunlich, dass beim DFB ständig irgendeine Idee rausgehauen werden kann, ohne sich der daraus resultierenden Konsequenzen bewusst zu sein.“ Bierhoff hatte in einem Kicker-Interview die Wiedereinführung einer zweigleisigen 3. Fußball-Liga ins Gespräch gebracht. Auf der Suche nach neuen Wegen in der Nachwuchsförderung mache sich der Verband „Gedanken darüber, welche Strukturen wir für einen besseren Werdegang der Spieler ändern müssen“, sagte der 51-Jährige.

„Ein Beispiel: die 3. Liga. Würde es helfen, sie in Zukunft wieder zweigleisig laufen zu lassen, oder sogar dreigleisig?“, fragte Bierhoff. „Das könnte eine Möglichkeit sein, jüngeren Spielern mehr Spielmöglichkeiten zu geben. Aktuell fehlt die Auswahl an jungen deutschen Spielern, wie es zum Beispiel vor zehn Jahren der Fall war.“

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Bierhoffs Argumentation bezüglich der 3. Liga treffe nicht den Kern der Probleme, sagt Hansa-Chef Marien und findet es „ein bisschen dünn und fraglich“, wie eine mehrgleisige 3. Liga Nachwuchsprobleme im deutschen Fußball lösen solle. Die „abgeschottete Nationalmannschaft“ mit ihrer geplanten millionenschweren DFB-Akademie sei „weit, weit weg vom Fußball unterhalb der 2. Bundesliga“, urteilt der 38-Jährige. Bierhoff sei nie bei einer Managertagung der 3. Liga gewesen, spricht aber öffentlich über eine mögliche zukünftige Ausrichtung dieser Liga“, kritisiert Marien und spricht in diesem Zusammenhang von einem „nicht gerade einheitlichem Auftreten des DFB“, das mit der Wahl des neuen Präsidenten Fritz Keller „eigentlich besser werden sollte – aber es scheint so weiterzugehen wie bisher“.

Marien fühlt sich durch Bierhoff-Äußerungen vor den Kopf gestoßen

Durch die öffentlich geäußerten Gedanken des DFB-Managers sei er völlig überrascht und vor den Kopf gestoßen worden, zumal am Mittwoch die alljährliche Pressekonferenz der 3. Liga stattfinde. Mitglieder des beim DFB-Bundestag gegründeten Drittliga-Ausschusses, dem neben Vereinsverantwortlichen (u.a. Mario Kallnik vom 1. FC Magdeburg und Ronald Maul vom SV Meppen) auch Vertreter von DFB und DFL (Deutsche Fußball Liga) angehören, werden dort Auskunft über die aktuelle Entwicklung der dritthöchsten deutschen Spielklasse geben. „Und zwei Tage vorher kommt da so eine Breitseite aus dem eigenen Haus! Da frage ich mich, ob beim DFB überhaupt miteinander gesprochen wird“, schimpft Marien.

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Er wirft dem DFB-Direktor vor, mit „solchen Ideen“ an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, „ohne mal mit den Klubverantwortlichen zu sprechen“. Der DFB habe vier Direktoren, aber „gefühlt 20 Meinungen zu seiner höchsten Spielklasse im Männerbereich“. So könne man die Liga nicht führen und etablieren, meint der seit 2016 amtierende Hansa-Chef, der die 3. Liga auf einem „relativ erfolgreichen Weg“ sieht. Dass es in Sachen finanzieller Ausstattung noch Probleme gebe, sei „beim Übergang zum Profifußball völlig normal“.

Die 3. Liga in ihrer aktuellen Form war zur Saison 2008/09 eingeführt worden. Zuvor war in einer zuletzt zweigleisigen Regionalliga (Nord und Süd) unterhalb der 2. Bundesliga gespielt worden. Hansa gehört der dritten Profi-Spielklasse – mit einer einjährigen Unterbrechung – seit 2010 an.

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Bierhoff will DFB-Richtung "in kürzeren Abständen überprüfen"

„Der deutsche Fußball hat im Jahr 2000 mit dem Aufbau der Leistungszentren und dem Talentförderprogramm unglaublich wichtige Maßnahmen getroffen“, sagte Bierhoff. „Aber der Fehler war, dass wir danach nicht mehr justiert haben. Wir müssen in kürzeren Abständen überprüfen, ob das, was wir machen, noch sinnvoll ist und den Ansprüchen entspricht. Gelingt uns das, müssen unsere Klubs 2030 nicht mehr ins Ausland schauen. Dann wird der Pool an Talenten groß genug sein. Und wir sind wieder an der Weltspitze.“

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