08. Januar 2020 / 19:49 Uhr

Hansa Rostock: Fans radeln um die Welt

Hansa Rostock: Fans radeln um die Welt

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Mit dem Fahrrad um die Welt: Denis Scharnow aus Rostock und Anika Brust aus Eggesin.
Mit dem Fahrrad um die Welt: Denis Scharnow aus Rostock und Anika Brust aus Eggesin. © Lutz Bongarts
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Anika Brust (30) und Denis Scharnow (36) sind schon mehr als 9000 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren. Derzeit machen sie Station im Trainingscamp des Rostocker Fußball-Drittligisten in Belek.

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Ärger, Probleme oder einfach mal Frust? Anika Brust schüttelt lächelnd den Kopf. „In letzter Zeit hatten wir relativ viel Pech mit platten Reifen. Aber jetzt haben wir zwei neue Mäntel und hoffentlich Ruhe“, sagt die 30-Jährige. Der eine oder andere Sturz, ein Hundebiss – aber das sei nicht der Rede wert. Die junge Frau aus Eggesin und ihr Freund Denis Scharnow (36) aus Rostock sind auf Abenteuertour und können davon nicht genug bekommen.

Mitte Juni setzten sie sich in Hamburg auf ihre Fahrräder, um auf ihnen die Welt zu umrunden. Die erste Station der beiden leidenschaftlichen Hansa-Anhänger war der Fan- und Familientag ihres Lieblingsvereins in Rostock. Fast sieben Monate später begleiten sie die Mannschaft von Trainer Jens Härtel im Vorbereitungscamp in Belek. Dazwischen liegen viele Länder und mehr als 9000 Kilometer auf dem Fahrrad.

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Januar 2008 in Dubai (VAE): Herzlich Willkommen in Dubai: Tourismus-Direktor Hamad Mohammed bin Mejren begrüßt Hansa-Manager Herbert Maronn und Frank Pagelsdorf (v.l.). Zur Galerie
Januar 2008 in Dubai (VAE): Herzlich Willkommen in Dubai: Tourismus-Direktor Hamad Mohammed bin Mejren begrüßt Hansa-Manager Herbert Maronn und Frank Pagelsdorf (v.l.). ©

„Alles, was wir jetzt noch haben, passt an unsere Fahrräder“

„Wir sind uns mittlerweile sicherer als wir es vor dem Start waren, dass es genau der richtige Weg ist. Vorher war alles ein großes Fragezeichen. Mittlerweile sind wir froh, dass wir das machen“, erklärt Anika, die ihren Job als Controllerin in einem kleinen Start-up-Unternehmen in Hamburg aufgegeben hat. Denis Scharnow verdiente sein Geld ebenfalls an der Elbe, als Logistikleiter im Autoteile-Großhandel. Die Idee zur Weltreise auf dem Rad wurde im September 2018 geboren. „Dann haben wir angefangen zu sparen, ein Dreivierteljahr sehr intensiv“, erzählt Anika. Der nächste, entscheidende Schritt: Das Paar verkaufte sein gesamtes Hab und Gut. „Es ist faszinierend, wie viel unnötiges Zeug man hat und was man damit noch einnehmen kann“, meint Denis: „Alles, was wir jetzt noch haben, passt an unsere Fahrräder.“

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Von Hamburg aus ging es für sie über Mecklenburg-Vorpommern nach Polen, über das russische Kaliningrad ins Baltikum nach Litauen, Lettland, Estland. Von Tallin in den Süden, wieder durchs Baltikum, Polen, Slowakei, Ungarn, Serbien, Kosovo, Nordmazedonien, Griechenland bis in die Türkei. Seit dem 18. Dezember machen sie Pause in Belek, wo sie mit der Familie von Denis, die aus Deutschland angereist war, auch Weihnachten und Silvester verbrachten. „An den Feiertagen waren wir am Strand, auf dem Basar und im Hamam“, erzählt Anika.

Weihnachten im Hamam

An der türkischen Riviera leistet sich das Paar ausnahmsweise ein Apartment. Sonst schläft es meistens im Zelt. „Aber nicht auf dem Campingplatz. Wir suchen uns irgendwo einen Platz, wo wir niemanden stören“, sagt Denis. Übernachtungen im Hotel, einem Hostel oder einer privaten Unterkunft sind die Ausnahme. „Das passiert ganz selten. Nur, wenn es zu stark regnet“, lässt Anika wissen. Sie ist beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen, denen sie unterwegs begegnen: „Gerade hier in der Türkei sind viele Leute, die einfach nur winken oder nett lächeln. Das haben wir bisher überall auf unserer Reise erfahren. In Serbien ist uns eine Frau hinterhergelaufen, um uns zwei Äpfel zu schenken.“

Das macht auch für ihren Freund den Reiz der Fahrradtour aus: „Das ist das Tolle an dieser Reise: der Kontakt mit den Menschen, dass man langsam reist, dass man richtig tief in die Länder eintauchen kann und mitbekommt, wie unterschiedlich die Mentalitäten sind. Jeder Tag ist anders, man erlebt immer etwas Neues. Das macht so viel Spaß.“

Georgien statt Iran

Eigentlich wollten sie in zehn Tagen in den Iran weiterradeln, aber wegen der politisch unruhigen Lage am Persischen Golf wählen sie eine Route durch Georgien. Anschließend geht es weiter über das Kaspische Meer nach Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan.

Und wann endet die Reise? Das, sagt Denis, sei noch offen: „Wenn es uns irgendwo gefällt und wir meinen, dort glücklich zu werden, könnten wir auch dableiben.“ Überhaupt nicht mehr zurück nach Hause? „Meine Mutter möchte das jetzt nicht hören“, verrät Anika, „aber auch das ist möglich“.