06. November 2019 / 11:50 Uhr

Hansa Rostock: In Duisburg startete Pieckenhagens Bundesliga-Karriere

Hansa Rostock: In Duisburg startete Pieckenhagens Bundesliga-Karriere

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Martin Pieckenhagen in der Bundesliga-Saison 1994/95 als junger Torwart des MSV Duisburg
Martin Pieckenhagen in der Bundesliga-Saison 1994/95 als junger Torwart des MSV Duisburg © Imago
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Das Gastspiel des Drittliga-Tabellenführers am Sonnabend in Rostock weckt Erinnerungen beim Sportvorstand des FC Hansa Rostock: Als Torwart der „Zebras“ gab der damals 22-Jährige in der Saison 1994/95 sein Bundesliga-Debüt gegen Bayern München. Pieckenhagens Erinnerungen an den MSV sind aber nicht nur positiv.

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Lothar Matthäus, Oliver Kahn, Mario Basler, Dieter Eilts, Stefan Effenberg, Stanislaw Tschertschessow oder Hans-Uwe Pilz: Die Gegenspieler von Martin Pieckenhagen in seiner ersten Bundesliga-Saison stammen aus einem längst vergangenen Fußball-Zeitalter. Als der junge Berliner, heute 47 Jahre alt und Sportvorstand beim FC Hansa Rostock, 1994 seine ersten Spiele in Deutschlands Eliteliga machte, hießen die Männer auf den Trainerbänken Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel, Erich Ribbeck oder Siegfried Held. „Da waren schon einige dabei, wo man sagt: Ups, die kennt man!“, lächelt Martin Pieckenhagen. Für ihn seien die ersten Jahre seiner langen Profi-Karriere aber „relativ weit weg: Ich habe wenig Erinnerungen“.

„Ins kalte Wasser geworfen“

Nicht vergessen hat er sein Bundesliga-Debüt beim MSV Duisburg vor ziemlich genau 25 Jahren, am 2. September 1994: „Ewald Lienen hatte mich von Tennis Borussia Berlin nach Duisburg geholt und hat mich dann ziemlich schnell ins kalte Wasser geworfen.“ In der Halbzeitpause des Heimspiels gegen Bayern München am 4. Spieltag lässt Lienen Duisburgs eigentliche Nummer eins Jürgen Rollmann in der Kabine und schickt den 22-jährigen Pieckenhagen – er war in der Saison davor mit TeBe aus der 2. Liga abgestiegen – auf den Rasen des mit 30 000 Zuschauern gefüllten Wedaustadions.

Der FC Hansa und seine Torhüter - eine lange Geschichte seit 2000:

Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. Zur Galerie
Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. ©
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Die Stimmung beim Duisburger Anhang war mies. Durch Tore von Christian Nerlinger, Marcel Witeczek und Thomas Helmer führen die Bayern zur Pause schon mit 3:0. „Wir haben zwar verloren, aber ich habe keinen mehr reinbekommen“, sagt Pieckenhagen. Dass ihm bei seinem Debüt Stars wie Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Christian Ziege oder der brasilianische Weltmeister Jorginho gegenüberstanden, hat das Torwarttalent damals kaum wahrgenommen. „Ich war aufgeregt und wohl total im Tunnel“, erinnert er sich: „Das war schon ein Riesending – das erste Spiel, und dann gleich gegen die Bayern! Für mich ging es von null auf hundert.“

Pieckenhagen musste den Platz im Tor schnell wieder räumen

MSV-Stammkeeper und -Kapitän Rollmann wurde nach einem Streit mit Trainer Lienen suspendiert, und Debütant Pieckenhagen war plötzlich die Nummer eins im Duisburger Tor. Doch er blieb es nicht lange. „Ich habe die nächsten Spiele nicht gut gehalten, ein paar Fehler gemacht. Von daher war es nachvollziehbar, dass Ewald mich wieder rausgenommen hat“, erklärt Pieckenhagen: „Das Ganze kam zu früh, der Schritt war einfach zu groß.“ Dem verlorenen Bayern-Spiel folgte eine 2:4-Niederlage in Dresden: „Da hat Henri Fuchs mir zwei Dinger eingeschenkt.“ Mit dem gebürtigen Greifswalder spielte er später zusammen bei Hansa Rostock. Nach einem 0:2 gegen Werder Bremen mit einer direkt verwandelten Ecke von Mario Basler musste Pieckenhagen den Platz zwischen den Pfosten wieder räumen und dem neu verpflichteten Holger Gehrke überlassen.

Nur noch ein Mal sollte Pieckenhagen in dieser Saison zum Einsatz kommen: Am neunten Spieltag beim 0:1 in Mönchengladbach blieb der für den verletzten Gehrke eingewechselte Keeper wieder ohne Gegentor. Trainer Hannes Bongartz, Nachfolger des mittlerweile entlassenen Lienen, setzte dennoch nicht auf den Youngster. Mit einer Ausnahme gehörte Pieckenhagen fortan nicht mal mehr zum 18er-Kader der Zebras, die am Saisonende als Vorletzter in die 2. Liga abstiegen.

„Einige sagten: Der schafft das nicht!“

Nach „den paar Zweitliga-Spielen für TeBe“ war es ein holpriger Start für den Jungprofi bei dem Traditionsverein in Duisburg. „Ich habe viel Gegenwind, viel Kritik gespürt. Einige haben gesagt: Der schafft es nicht!“, erinnert sich Pieckenhagen. Dennoch seien die zwei Jahre ein „wichtiger Pfeiler“ in seiner Karriere gewesen. „Die Zeit in Duisburg hat dazu beigetragen, dass es für mich danach noch ein bisschen weiterging“, sagt Pieckenhagen, der mit den Zebras 1996 den sofortigen Wiederaufstieg schaffte, bevor Frank Pagelsdorf ihn zu Hansa Rostock holte. Beim Koggenklub schaffte er dann den Durchbruch, verdrängte Routinier Perry Bräutigam ("Ein hervorragender Torwart") und machte Karriere. "Die Zeit bei Hansa war für mich prägender als die Jahre in Duisburg", sagt er zurückblickend.

Nach fast 400 Erstliga-Spielen für Duisburg, Rostock, den Hamburger SV, den niederländischen Klub Heracles Almelo und Mainz 05 war auch das Karriere-Ende von Martin Pieckenhagen bemerkenswert. Beim Mainzer 3:2-Auswärtssieg gegen Borussia Mönchengladbach am 20. November 2010 feierte er nach fünf Jahren Abstinenz sein Bundesliga-Comeback. Pieckenhagen, mittlerweile 39 Jahre alt, wurde von Trainer Thomas Tuchel für den verletzten Christian Wetklo eingewechselt und kassierte einen Doppelpack. Geschnürt von einem vielversprechenden Talent: Marco Reus.

Mit dieser Elf könnte der FC Hansa gegen den MSV Duisburg spielen:

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Markus Kolke: ©
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