18. Februar 2021 / 15:38 Uhr

Jens Härtel: Sachlicher Sachse mit norddeutschem Temperament

Jens Härtel: Sachlicher Sachse mit norddeutschem Temperament

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Geht mit Hansa auch in die neue Saison: Cheftrainer Jens Härtel (51).
Geht mit Hansa auch in die neue Saison: Cheftrainer Jens Härtel (51). © Lutz Bongarts
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Vor dem Heimspiel gegen Waldhof Mannheim hat der FC Hansa den Vertrag mit Cheftrainer Jens Härtel bis 2022 verlängert. Die Zeit des planlosen Heuerns und Feuerns bei Hansa scheint vorbei zu sein.

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Mit der ersten Vertragsunterschrift von Jens Härtel im Januar 2019 hat beim FC Hansa eine neue Zeitrechnung begonnen, so viel lässt sich gut zwei Jahre danach ohne Übertreibung feststellen. Die lange Ära des planlosen Heuerns und Feuerns von Trainern und Sportchefs in Rostock ist vorerst vorbei.

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Seit gestern steht offiziell fest, dass der Koggenklub auch in die Saison 2021/22 mit dem sachlichen Sachsen gehen wird, der mit seinem gezügelten Temperament norddeutscher rüberkommt als so mancher Mecklenburger. Der im Juni auslaufende Vertrag des 51-Jährigen wurde wie erwartet um ein weiteres Jahr verlängert – unabhängig davon, ob im Mai die lang ersehnte Rückkehr in die 2. Bundesliga gelingt oder nicht. Es wird Härtels vierte Saison als Hansas Cheftrainer sein, das hat es seit dem Ende der Ära Frank Pagelsdorf im November 2008 in Rostock nicht mehr gegeben.

Mit der Vertragsverlängerung haben sie sich beim Koggenklub in diesem Jahr zwar länger Zeit gelassen als in der vergangenen Saison. Doch dass sie wieder zustande kommen würde, daran haben beide Seide nie einen Zweifel aufkommen lassen. Sportchef Martin Pieckenhagen ließ bereits vor der Winterpause durchblicken, dass die Zusammenarbeit fortgesetzt werden soll.

Auch Härtels Bereitschaft war angesichts der guten Entwicklung der vergangenen beiden Jahre kein Geheimnis. „Die Entscheidung ist mir nicht schwergefallen, denn ich fühle mich hier in Rostock sehr wohl und es macht mir unheimlich viel Spaß, mit der Mannschaft und in diesem Verein zu arbeiten“, sagt der Fußballlehrer. Er freue sich über das Vertrauen der Verantwortlichen und „den Willen, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weitergehen zu wollen“.


Hansa-Trainer seit 1990:

Ex-Trainer von Hansa Rostock Zur Galerie
Ex-Trainer von Hansa Rostock ©

Jens Härtel und Hansa, das passt. Der gebürtige Rochlitzer harmoniert vor allem auch mit dem Berliner Martin Pieckenhagen. Die Zusammenarbeit von Cheftrainer und Sportvorstand funktioniert seit Januar 2019 geräuschlos. „Wir arbeiten jetzt zwei Jahre zusammen und haben eine Menge erlebt. Das gegenseitige Vertrauen ist da“, meint Härtel.

Sportchef Pieckenhagen sieht in der Vertragsverlängerung „die logische Konsequenz, aus der guten Arbeit, die er in den vergangenen zwei Jahren beim FC Hansa Rostock geleistet hat. Es ist ihm gelungen, unsere Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln und ihr eine Handschrift zu verleihen“.

Während beim Chefcoach Klarheit herrscht, sind die Planungen bei seinem Trainerstab noch nicht abgeschlossen, aber auch hier scheinen Vertragsverlängerungen nur Formsache zu sein. „Ich würde gerne, dass wir alles so beibehalten wie es ist“, erklärt Härtel mit Blick auf seine vier Assistenten Ronny Thielemann, Uwe Ehlers (beide Co-Trainer), Dirk Orlishausen (Torhüter) und Björn Bornhold (Athletik): „Ich gehe davon aus, dass alle an Bord bleiben.“

Das große Ziel aller ist die Rückkehr in die 2. Liga, auch wenn das von den Verantwortlichen angesichts der großen Ausgeglichenheit in der 3. Liga weiterhin nicht offensiv kommuniziert wird. „Der gesamte Verein ist richtig gut aufgestellt, und wir haben gemeinsam eine nicht so schlechte Bilanz hingelegt“, meint Härtel.

„Was uns fehlt, sind die Zuschauer, die Emotionen, die wir jetzt seit fast einem Jahr nicht mehr haben. Aber die werden irgendwann wieder kommen. Ich hoffe, dass ich das dann auch noch hier erlebe“, sagt der Trainer und spielt damit wohl auch auf seine Zeit beim 1. FC Magdeburg an. Beim einstigen Europapokalsieger wurde Härtel nur ein halbes Jahr nach dem Zweitligaaufstieg im November 2018 entlassen.

In Rostock sind ihm die ganz tiefen Krisen bisher erspart geblieben. In 78 Ligaspielen hat es Jens Härtel auf stolze 35 Siege (22 Niederlagen) gebracht. Noch häufiger hat mit Hansa nur Frank Pagelsdorf gewonnen.