13. Januar 2022 / 16:47 Uhr

Hansa Rostock: Spiele ohne Fans - der große Frust

Hansa Rostock: Spiele ohne Fans - der große Frust

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Geisterspiel-Atmosphäre: Leere Tribünen im Ostseestadion.
Geisterspiel-Atmosphäre: Leere Tribünen im Ostseestadion. © LUTZ BONGARTS
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Keine Zuschauer, keine Einnahmen: Vor dem Spiel gegen Hannover brodelt es beim FC Hansa. Der Zweitligist mahnt schnelle Lösungen für eine Fan-Rückkehr an.

Leere Ränge, großer Frust bei Hansa. Wenn der Fußball-Zweitligist am Freitagabend (18.30 Uhr) das für die nächsten Wochen bereits wegweisende Heimspiel gegen den Tabellennachbarn Hannover 96 angeht, wird gähnende Leere herrschen – auf den Tribünen und in den Stadionkassen. Eine Perspektive für eine baldige Rückkehr der Fans ist derzeit nicht erkennbar.

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Dass es unter dem Dach des Ostseestadions deshalb zunehmend brodelt, lässt sich vor dem ersten Geisterspiel seit acht Monaten auch den Äußerungen des Trainers entnehmen. „Mit Zuschauern ist es immer ein anderes Spiel als ohne“, sagt Jens Härtel und appelliert: „Wir müssen so schnell wie möglich darüber nachdenken, wie wir wieder Leute ins Stadion bekommen!“

Im Sommer 2001 wurde das neue Ostseestadion nach Umbau eingeweiht.

Im ersten Spiel im neuen Ostseestadion am 4. August 2001 sahen 25.100 Zuschauer bei Dauerregen eine 0:3-Niederlage des FC Hansa gegen Bayer Leverkusen. Es war der erste Auswärtsauftritt des Brasilianers 
Zé Roberto in der Bundesliga, der später beim FC Bayern und dem Hamburger SV reüssierte. Zur Galerie
Im ersten Spiel im neuen Ostseestadion am 4. August 2001 sahen 25.100 Zuschauer bei Dauerregen eine 0:3-Niederlage des FC Hansa gegen Bayer Leverkusen. Es war der erste Auswärtsauftritt des Brasilianers  Zé Roberto in der Bundesliga, der später beim FC Bayern und dem Hamburger SV reüssierte. ©

Der Frust bei den Rostockern ist groß, dass für die Zuschauer derzeit kein Weg zu den Heimspielen führt – trotz aller Anstrengungen des Zweitligisten. „Wir haben alles dafür getan, was wir tun können“, sagt Härtel und meint damit vor allem seinen, den sportlichen Bereich. Die Impf- und Boosterquote liege bei der Lizenzmannschaft und in deren Umfeld bei einhundert Prozent.


Anders als viele Profiklubs blieb Hansa in dieser Saison von positiven Corona-Fällen in der Mannschaft (noch) verschont. „Die Jungs sind sehr vorsichtig, aber es kann immer passieren, dass man sich infiziert und dass mal einzelne Spieler wegbrechen.“

Auch für die Zuschauer hat der Verein in den vergangenen Monaten viele Hebel in Bewegung gesetzt, sogar am Stadion eigene Testzentren eingerichtet, in denen günstige Testungen für die Besucher angeboten wurden. Doch mit dem Anstieg der Inzidenzen wurde alles Makulatur.

Im Dezember zog die Landesregierung die Zügel im Kampf gegen den Pandemie noch einmal kräftig an. In der Hoffnung, die Infektionswelle zu brechen, wurden die Corona-Schutzmaßnahmen drastisch verschärft: Für das letzte Heimspiel des Jahres gegen Ingolstadt ließ Schwerin unter der 2G-plus-Regel nur noch 1000 Zuschauer zu. Härtel reagierte „total genervt“, für Vereinschef Robert Marien war die Entscheidung der Landesregierung „absolut nicht nachvollziehbar“. Die wenigen Tickets verschenkte Hansa.

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Die Wogen haben sich seitdem nicht geglättet, im Gegenteil: Die Lage spitzt sich mit jedem Geisterspiel weiter zu. „Keine Fans, keine Planungssicherheit, wirtschaftliche Einbußen – die gesamte Situation ist extrem frustrierend“, sagt Marien. Zumal nicht absehbar ist, wie viele der neun noch ausstehenden Heimspiele – darunter gegen Werder Bremen, Nürnberg, St. Pauli und den HSV – vor (möglichst vielen) Zuschauern stattfinden können.

„Da uns die Pandemie offensichtlich noch einige Zeit beschäftigen und im schlimmsten Falle sogar ständiger Begleiter bleiben wird, ist es umso wichtiger, dass Lösungen gefunden werden, wie gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben auch mit Corona weitergehen und aufrechterhalten werden kann, statt es völlig zum Erliegen zu bringen“, mahnt Marien mit Blick auf die drohenden massiven Einnahmeverluste.

Hansas Zweitliga-Nachbar Hamburg ist von seiner Geisterspielregel jetzt abgerückt und lässt immerhin 2000 Fans bei den Heimspielen des HSV und des FC St. Pauli zu. Drittligist Hallescher FC darf dank der in Sachsen-Anhalt derzeit vergleichsweise niedrigen Corona-Inzidenz morgen sogar 7500 Fans ins Stadion lassen – so viele wie kein anderer deutscher Profiklub.

Auch Hannovers neuer Trainer Christoph Dabrowski ist natürlich kein Fan von Fußball-Spielen ohne Zuschauer, im Falle des bevorstehenden Duells im Ostseestadion kann er diesem Umstand aber auch Positives abgewinnen. „Wir kennen natürlich alle die Zuschauer in Rostock, die sehr emotional und leidenschaftlich sind“, sagt der Ex-Profi (u.a. Bochum, Hannover, Werder): „Ich würde es jetzt für uns in dem Fall nicht als Nachteil empfinden, dass wir vor leeren Rängen spielen.“