09. Dezember 2021 / 18:00 Uhr

Hansa Rostock spielt Champions League

Hansa Rostock spielt Champions League

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Der Rostocker Henning Wilmbusse gehört zu den besten Fifa-Spielern Europas.
Der Rostocker Henning Wilmbusse gehört zu den besten Fifa-Spielern Europas. © Hansa Rostock
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Der Rostocker Gamer Henning Wilmbusse hat sich für die virtuelle Königsklasse qualifiziert und vertritt damit auch den FC Hansa Rostock in Europa.

Henning Wilmbusse kann es auch Tage nach dem Erreichten noch nicht fassen. Der Rostocker gehört seit dem vergangenen Wochenende zu den besten 64 eSportlern Europas! Wilmbusse hat sich beim Videospiel Fifa durch zahlreiche Qualifikationsstufen in die eChampions League, der virtuellen Königsklasse, geschossen. „Ich realisiere es immer noch nicht. Es ist nicht greifbar“, gesteht Wilmbusse freudestrahlend.

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Dem Abiturient winkt ein Mega-Event Ende Februar in Paris. Dort treffen sich die qualifizierten Spieler vom gesamten Kontinent – sollte es Corona zulassen – und spielen die Gruppenphase aus. Nach zwei weiteren Offline-Turnieren wird der CL-Sieger Ende Mai feststehen und 75 000 Dollar Preisgeld abräumen. „Dazu würde ich nicht nein sagen“, sagt Wilmbusse lachend. „Ich hoffe, das Event in Paris findet statt. Davon träume ich seit Sonntag den ganzen Tag.“

Die größten Offline-Events im eSports ziehen ein Millionenpublikum an. Neben Tausenden Zuschauern in den Mega-Arenen der Welt schalten sich unzählige Gamer rund um den Globus via Livestream zu den Veranstaltungen. Die eChampions League gibt es zwar erst seit 2019 und hofft 2022 auf ihre erste Präsenzaustragung, zählt aber schon jetzt zu den größten Turnieren. Insgesamt werden 280 000 Dollar ab der K.o.-Phase der eChampions League verteilt.


Da Wilmbusse als eingefleischter Fan von Hansa Rostock abseits der Champions League für das eFootball-Projekt der Kogge am Controller sitzt, ist der FCH dank ihm jetzt auch (indirekt) Königsklasse. Er trägt das Vereinskürzel im Gamer-Namen und wird im blau-weiß Jersey in Paris auflaufen. „Diese sensationelle Qualifikation von Henning bringt natürlich viel Aufmerksamkeit für Hansa“, weiß Rick Feldmann, Leiter des eFootball-Projekts.

Die internationale Beachtung war hart erkämpft, das vergangene Quali-Wochenende nichts für schwache Nerven: Wilmbusse saß Sonnabend und Sonntag – wie die anderen 255 Top-Spieler aus Deutschland und Österreich – stundenlang an der Playstation. „Es war einfach anstrengend! Man musste die ganze Zeit konzentriert bleiben, sich zwischen den Spielen warmhalten. Ich habe nebenbei nur ein bisschen Joghurt gegessen und viel Wasser getrunken“, berichtet Wilmbusse.

Der 17-Jährige, der ohne große Erwartungen in die Qualifikation ging, schaltete unter anderem Profi-Gamer aus. In der finalen Phase hatte er sich durch zwei Siege Matchbälle erspielt. Der erste ging verloren, der zweite saß. „Ich wusste nicht genau, ob es gereicht hat, hatte immer Angst, ich muss noch mal spielen. Dann hat mein Trainer Markus (Kunze/Red.) gesagt: Wir haben es geschafft! Und mein ganzes eFootball-Team hat gefeiert“, erzählt Wilmbusse.

Für den Rostocker ist die Qualifikation ein weiterer Schritt zum erklärten Ziel: Profikarriere als Gamer. „Bei der Champions League kann ich mir einen Namen machen“, sagt Wilmbusse. Sein Pseudonym FCH_Henning ist der nationalen Szene schon recht bekannt. „Ich werde alle abwimmeln, die Henning abwerben wollen“, sagt Hansas eFootball-Chef Feldmann scherzhaft.

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Den ersten Schritt zum Profitum haben Wilmbusse und seine Mitstreiter mit dem Einstieg in die Virtual Bundesliga (VBL) vor einigen Wochen gemacht. Nach neun Spieltagen rangiert der Liganeuling auf Platz zehn der VBL-Nordstaffel. „Wir sind als Team sehr gut gestartet. Zuletzt fehlte uns das Spielglück“, analysiert Wilmbusse und schickt kämpferisch hinterher: „Aber wir können uns wieder hochspielen!“

eSports-Fans sind eingeladen, bei der Meisterschaft von MV mitzudaddeln. Bei der eMVL geht es um die Krone des Landes. Alle Infos gibt es hier.