02. April 2022 / 06:00 Uhr

Hansa-Trainer Härtel vor dem Duell gegen St. Pauli: „Gegen Dynamo war mehr Alarm“

Hansa-Trainer Härtel vor dem Duell gegen St. Pauli: „Gegen Dynamo war mehr Alarm“

Sebastian Lindner
Ostsee-Zeitung
Hansa-Trainer Jens Härtel weiß, was gegen St. Pauli auf seine Mannschaft zukommt. Und verspricht: „Im Hinspiel beim 0:4 haben wir nicht unser wahres Gesicht gezeigt.“
Hansa-Trainer Jens Härtel weiß, was gegen St. Pauli auf seine Mannschaft zukommt. Und verspricht: „Im Hinspiel beim 0:4 haben wir nicht unser wahres Gesicht gezeigt.“ © Lutz Bongarts
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St. Pauli muss gegen Hansa vor 25.000 Zuschauern im Ostseestadion ran. Nicht nur davor haben die Hamburger Respekt. Aber auch die Rostocker wissen, was auf sie zukommt.

Er war sich nicht ganz sicher, schließlich hat er in seinen mittlerweile gut drei Jahren bei Hansa auch schon so allerhand erlebt. „Ich glaube“, sagte Jens Härtel in der Pressekonferenz vor Hansas Heimspiel gegen St. Pauli am Sonnabend aber, „vor 25.000 habe ich hier im Stadion auch noch nicht gespielt.“

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Die Zahlen belegen Härtels ersten Gedanken. Und genauso wenig wie er jemals vor so einer Kulisse im Ostseestadion gespielt hat, tat es es irgendein anderer Akteur im aktuellen Kader der Rostocker. In den DFB-Pokalspielen 2018 und 2019 gegen den VfB Stuttgart waren rund 24.000 Besucher dabei. Eine ähnliche Zahl in der Liga liegt bereits mehr als zehn Jahre zurück. 24.300 Zuschauer waren am 19. November 2011 im Stadion. Gegner damals: Der FC St. Pauli.

Diese Spieler und Trainer waren für den FC Hansa Rostock und den FC St. Pauli aktiv

Ewald Lienen: 1997-99 Hansa Trainer. Seit 2014 bei St. Pauli. Erst als Trainer und Technischer Direktor, aktuell Marken- und Wertebotschafter. Zur Galerie
Ewald Lienen: 1997-99 Hansa Trainer. Seit 2014 bei St. Pauli. Erst als Trainer und Technischer Direktor, aktuell Marken- und Wertebotschafter. ©

Härtel fordert Stadion zur Unterstützung auf

Härtel spricht ob der Rahmenbedingungen – eine brisanten Partie vor vollem Haus – von gegenseitigen Anforderungen. „Wir müssen auf dem Platz widerspiegeln, was die Leute erwarten.“ Das Publikum hingegen müsse „uns pushen, damit die Jungs einen geilen Fight abliefern. Das ist meine Erwartungshaltung an die Leute.“

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Trotz der Bedeutung dieses Duells habe er in der Stadt noch nicht das große Derby-Fieber gespürt. „Gegen Dynamo war da ein bisschen mehr Alarm ringsrum“, sagte der 52-Jährige. In seiner Mannschaft wisse trotzdem jeder, worum es geht, selbst, wenn abgesehen vom Hinspiel noch keiner im Team Teil dieser Partie war.

Doch das geht den Hamburgern nicht anders. Durch den jahrelangen Klassenunterschied haben nicht mal Pauli-Urgesteine wie Philipp Ziereis, seit 2013 Teil des Teams, dieses Aufeinandertreffen live miterlebt. Anders als der Coach der St. Paulianer, Timo Schultz. „Ich war ein paar Mal dabei als Spieler, sowohl zu Hause als auch auswärts. Das sind ganz spezielle Spiele, da muss man sich auch speziell drauf vorbereiten“, sagte der 44-Jährige gegenüber Hamburger Medien. „In Rostock wird einiges los sein, wir stellen uns auf einen heißen Tanz ein.“ Da heiß zumindest abseits des Platzes nicht zwangsweise metaphorisch zu verstehen sein muss, hat der Kiezklub auch nicht in einem Hotel in Rostock eingecheckt, sondern am Inselsee in Güstrow.

Paulis Burgstaller: Hansa hat den „alten guten Stürmer, der weiß, wo das Tor steht“

Der Trainer des Zweitliga-Spitzenreiters sagte auch: „Das Spiel St. Pauli gegen Hansa Rostock steht für sich. Da kann man die Tabelle einmal ausblenden.“ Und ganz ähnlich formulierte es auch sein Gegenüber, der ergänzte: „Es geht weniger darum, St. Pauli etwas wegzunehmen, als für uns etwas zu schaffen.“ Die 0:4-Niederlage im Hinspiel am Millerntor, „bei der wir nicht unser wahres Gesicht gezeigt haben“, sei Härtel noch gut im Kopf.

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So geht es auch Paulis 17-Tore-Stürmer Guido Burgstaller, der laut dem Rostocker Trainer „trifft, wie er will“. Allerdings sagt auch der 32-Jährige: „Das Ergebnis spielt keine Rolle mehr. Hansa hat sich weiterentwickelt und ist sehr stabil geworden.“ Und: „Sie haben eine gute Mannschaft mit einem alten guten Stürmer, der weiß, wo das Tor steht.“ Gemeint ist natürlich John Verhoek, Ex-Paulianer, am Montag gerade 33 geworden, 15 Tore auf dem Konto.

Hansa in der Rückrundentabelle gleichauf mit St. Pauli

Ob Verhoek aber auflaufen kann, steht nach muskulären Problemen unter der Woche aber noch in den Sternen. Die Gäste müssen voraussichtlich aus der Stammbesetzung auf Maximilian Dittgen und den Schweden Eric Smith verzichten. Dabei ist nach seiner erfolgreichen Länderspielreise mit Ghana und der Qualifikation zur WM wieder Spielmacher Daniel-Kofi Kyereh, ohnehin schon einer der besten Spieler der Liga, nun auch noch „mit Riesenselbstvertrauen“, so Härtel. „Und der Rest von St. Pauli ist auch nicht so schlecht.“

Deswegen sei es noch lange keine Garantie, die Hamburger zu schlagen, selbst wenn jeder aus seinem Team an die 100 Prozent rankomme, so Härtel. „Aber mit der Kulisse und ein bisschen Matchglück wie in den letzten Spielen sollten wir die Chance haben, sie richtig zu ärgern.“ Sprich: Punkte im Ostseestadion zu behalten. Denn Selbstvertrauen hat Hansa nach drei Siegen in Serie auch. Und in der Rückrundentabelle sind beide Teams mit 15 Zählern auch punktgleich.