18. April 2019 / 06:30 Uhr

Hansa-Trainer Jens Härtel: „Noch nicht so effektiv wie ein Spitzenteam“

Hansa-Trainer Jens Härtel: „Noch nicht so effektiv wie ein Spitzenteam“

Kai Rehberg
Ostsee-Zeitung
Fingen fast zur gleichen Zeit ihren Job bei Hansa an: Cheftrainer Jens Härtel mit Sportchef Martin Pieckenhagen.
Fingen fast zur gleichen Zeit ihren Job bei Hansa an: Cheftrainer Jens Härtel mit Sportchef Martin Pieckenhagen. © Foto: Lutz Bongarts
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Seit 100 Tagen ist Trainer Jens Härtel bei Hansa Rostock im Amt. In der Tabelle konnte er mit die Ostseestädtern etwas nach oben klettern – aber die Aufstiegsplätze sind weit weg. Der 49-Jährige beklagt, dass die Mannschaft zu wenig Punkte geholt hat. Im Sommer wird es einen weiteren personellen Aderlass geben.

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Seit 100 Tagen ist Hansa-Trainer Jens Härtel (49) im Amt. Im Interview dem SPORTBUZZER zieht er eine Zwischenbilanz.

In zwölf Punktspielen unter Ihnen gab es fünf Siege und 19 Punkte, dazu der Einzug ins Landespokal-Halbfinale. Vermutlich sind Sie mit der Bilanz nicht so ganz zufrieden?
Jens Härtel: Das stimmt. Die drei Niederlagen schmerzen, vor allem die gegen Meppen (0:2 zu Hause/d. Red.). Auch in anderen Spielen wie gegen Großaspach oder Köln waren wir aktiver und hatten ein deutliches Chancen-Plus. Wenn man so viel investiert und nicht gewinnt, ist das extrem ärgerlich.

Bei Ihrem Amtsantritt Anfang Januar war Hansa Achter, lag zehn Punkte hinter Relegationsplatz 3. Jetzt ist der FCH Fünfter, aber mit zwölf Zählern Rückstand. Tritt der Klub, der eigentlich in dieser Saison aufsteigen wollte, auf der Stelle?
Man muss das Rad mal zurückdrehen. Bis zur Winterpause hatte die Mannschaft fünf Spiele in Folge nicht gewonnen. Dann wurde, für viele überraschend, der Trainer gewechselt, der anderthalb Jahre einen guten Job gemacht hat. Auch der Sportdirektor musste gehen. Dann komme ich, fliege direkt ins Trainingslager ein und bringe auch ein paar neue Ideen mit. Für die Mannschaft war das nicht so einfach. Sie ist schwer in Tritt gekommen, man musste in der Tabelle sogar mal nach unten schauen. Aber sie hat sich da rausgearbeitet und sich entwickelt. Allerdings: Es hätten mehr Punkte sein können, dann wären wir weiter oben im Rennen – da, wo Hansa vor der Saison hinwollte. Das ärgert uns. Denn wir sind sehr ehrgeizig, wollen eigentlich jedes Spiel gewinnen.

Hansa Rostocks Trainer seit 2000:

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Haben Sie bei Ihrem Amtsantritt mal mit Pavel Dotchev telefoniert?
Ja, es war ein längeres Gespräch. Dabei ist es geblieben. Wir haben einen ordentlichen Kontakt zueinander.

Ihr aktueller Punkteschnitt bei Hansa liegt bei 1,57 pro Spiel. Beim 1. FC Magdeburg, mit dem Sie vor einem Jahr in die 2. Liga aufgestiegen sind, waren es 1,78. Aus Ihrer Erfahrung: Worauf kommt es für einen Aufstieg an?
Auf viele Faktoren. Du musst zum Beispiel aus wenig Chancen Tore machen, um enge Spiele zu gewinnen. In Magdeburg ist uns das zwei Jahre lang nicht gelungen. Erst dann hatten wir mit Philip Türpitz einen Spieler, der in der letzten Saison enge Partien in unsere Richtung gedreht hat. Hier bei Hansa haben wir Punkte verschenkt, weil unsere Effektivität noch nicht so ist wie bei einer Spitzenmannschaft. Deswegen stehen Halle oder Karlsruhe über uns.

Hansa Rostock: Härtel äußert sich zu Verbleibchancen von Hüsing, Soukou und Hilßner

Sind Magdeburg und Rostock miteinander vergleichbar?
Ich glaube nicht. Es wird hier einen anderen Weg geben als in Magdeburg. Dort gab es bei meinem Start ganz andere Voraussetzungen. Ich konnte die komplette Vorbereitung machen, Einfluss auf den Kader nehmen. Ein großer Teil der Mannschaft war schon da und ist dann länger zusammengeblieben. Hier bin ich mitten in der Saison gekommen. Es gibt andere Spielertypen, die andere Stärken haben. Auch von der ganzen Infrastruktur ist Rostock deutlich weiter. Das ist aber normal bei einem Verein, der zwölf Jahre in der 1. Bundesliga war. Madgeburg dagegen ist jetzt das erste Mal in der 2. Liga. Was bei beiden gleich ist: Man muss direkt Erfolg haben.

Wie stehen Sie generell zu den Rostocker Aufstiegsplänen?
Die sind ganz normal für einen Verein, der sich mit der 3. Liga nicht zufriedengibt. Aber man muss die Ist-Situation für den Moment mal akzeptieren. Derzeit haben wir noch nicht so eine Mannschaft für die neue Saison zusammen, mit der man das Wunschziel Aufstieg ausgeben könnte. Es gibt gerade wieder ein zähes Ringen um Spieler, die man behalten und holen will. Da kommt man nicht immer zum Zuschlag.

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Leistungsträger wie Oliver Hüsing, Cebio Soukou oder auch Marcel Hilßner werden von anderen Vereinen umworben. Wir groß sind die Chancen, sie vielleicht doch zu halten?
Stand heute sieht es nicht so aus, dass wir sie behalten werden.

Wie wollen Sie diesen drohenden Qualitätsverlust kompensieren?
Noch ist ja nichts entschieden. Ich mache mir aber nicht so ganz große Sorgen. Wir werden es schon schaffen, dass wir eine Mannschaft am Start haben, die eine ordentliche Rolle in der Liga spielen kann. Kein Spieler, den wir holen, sollte denken, bei Hansa wäre er am Ende seiner Möglichkeiten – im Gegenteil. Jeder soll die guten Gegebenheiten hier nutzen, um das Maximum aus sich rauszuholen.Und jeder soll sich einbringen, sich verantwortlich fühlen für die Mannschaft. Das ist ein großer Schritt. Wichtig ist mir auch: Wie geht ein Spieler mit Widerständen um: Steckt er den Kopf in den Sand oder sieht er sie als Motivation und legt noch eine Schippe drauf?

Härtel erwartet personellen Aderlass

Zwölf Verträge laufen aus – wird es das drittes Jahr in Folge einen großen Personalwechsel geben?
Es sieht fast so aus. Ich hätte schon gern, dass ich die Leistungsträger halten kann. Wenn nicht, muss man eine neue Achse aufbauen. Die muss sich erst wieder finden, muss die Erwartungshaltung hier annehmen und die Anforderungen des Trainers erfüllen. Wir werden die Neuen damit impfen. Der Input soll auch aus der Mannschaft kommen und nicht nur vom Trainer.

In welche Richtungen geht die Personalsuche?
In alle. Aber man muss schon eher in der eigenen Liga und darunter sichten. Viele Spieler, die einmal in der 2. Liga sind, möchten nicht in die dritte.

Kurz nach Ihrer Verpflichtung meckerten einige Fans über Ihren sächsischen Dialekt. Ist das bis zu Ihnen gedrungen?
Man sollte tunlichst vermeiden, sich in Foren oder Netzwerken zu tummeln. Ich kann es ja auch nicht ändern. Ich bin, wie ich bin, das Sächsisch gehört zu mir.

Wer sind Ihre Aufsteiger in die 2. Liga?
Osnabrück wird es sich nicht nehmen lassen. Ob Karlsruhe oder Wehen Wiesbaden der zweite wird, da möchte ich mich nicht festlegen. Halle hat Außenseiterchancen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch eine Mannschaft dazukommt.

Sie feiern in diesem Jahr noch Ihren 50. Geburtstag. Was wünschen Sie sich?
(überlegt lange): Nichts anderes als bei einem nicht runden Geburtstag. Es gibt wichtigere Dinge als ein gewonnenes oder verlorenes Fußballspiel, Gesundheit zum Beispiel. Es gilt, dankbar zu sein für das, was man hat. Und nicht, nach dem zu schauen, was man nicht hat. Das ist der Schlüssel für Zufriedenheit.

Interview: Kai Rehberg

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