29. Juni 2020 / 15:10 Uhr

Hansa Rostock und die Sehnsucht nach Erfolgen

Hansa Rostock und die Sehnsucht nach Erfolgen

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Mit 15 Saisontreffern ist Pascal Breier, der in Würzburg den Ehrentreffer erzielte, Hansas erfolgreichster Stürmer.
Mit 15 Saisontreffern ist Pascal Breier, der in Würzburg den Ehrentreffer erzielte, Hansas erfolgreichster Stürmer. © Lutz Bongarts
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Seit acht Jahren spielt der FC Hansa Rostock nun schon in der 3. Liga. Der Aufstieg, der vor den beiden abschließenden Saisonspielen rechnerisch noch immer möglich ist, wäre wirtschaftlich ein Segen für den Verein. Den Klub drücken hohe Schulden und Sanierungsbedarf.

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Ganz dicht dran und doch so weit weg: Die Sehnsucht nach der Zweitliga-Rückkehr ist bei Hansa Rostock groß. Doch der ehemalige Fußball-Bundesligist scheint seine letzte Chance auf den Aufstieg aus der 3. Liga mit dem 1:3 am Samstag bei den Würzburger Kickers verspielt zu haben. Vor den beiden letzten Saisonspielen beträgt der Rückstand der Mecklenburger auf den Relegationsplatz vier Punkte.

Dabei wäre für Hansa der Sprung ins Unterhaus nach acht Jahren Abstinenz sportlich und wirtschaftlich ein Segen. Der Traditionsklub, der letztmals 2011 den Aufstieg feierte, kämpfte mehrfach gegen den Abstieg aus der 3. Liga und entging nur knapp einer Insolvenz. „Der Verein, unsere Fans und eine ganze Region sehnen sich nach Erfolg. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir fünf, sechs Jahre puren Überlebenskampf hinter uns haben“, sagt Robert Marien, Vorstandschef des FCH.

Der 39-Jährige führt Hansa seit 2016 aus einer finanziellen und sportlichen Krise. Dank rigoroser Sparmaßnahmen, der Ausgliederung der Profiabteilung und dem Einstieg von Investor Rolf Elgeti gelang der Kogge wirtschaftlich die Kehrtwende.

Sportlich ging es unter Trainer Jens Härtel und Sportchef Martin Pieckenhagen bergauf. Nach Platz sechs in der Vorsaison beendeten die Rostocker die Hinrunde zwar auf einem enttäuschenden 13. Platz. Doch im Frühjahr und vor allem nach dem Corona-Neustart der 3. Liga gewann Hansa an Stabilität und avancierte mit 31 Zählern zum drittbesten Team der Rückrunde.

„Wir haben sportlich den nächsten Schritt gemacht und mischen erstmals wieder oben mit. Das zeigt, dass wir uns entwickelt haben“, lobt der Vorstands-Chef. Umso fader war der Beigeschmack nach der Auswärtsschlappe in Würzburg. Marien: „Ich bin nach jeder Niederlage enttäuscht, aber diese tat weh. Man arbeitet die gesamte Saison auf so ein Spiel hin. Und wenn man nach einer halben Stunde 0:2 zurückliegt, ist das besonders bitter.“

Die wirtschaftlich schweren Auswirkungen der Corona-Krise meisterte Hansa mit Kreativität und Zusammenhalt. Durch Kurzarbeit, Einsparungen, Aussetzung von Investitionen und etliche Fan- und Hilfsaktionen glich der Klub die Einnahme-Ausfälle in Höhe von 1,6 Millionen Euro aus. „Wenn wir weiter so diszipliniert arbeiten und zusammenhalten, ist es sogar möglich, kein zusätzliches Minus aus dieser Saison mitzunehmen“, sagt Marien, der Geisterspiele für die kommende Spielzeit ablehnt: „Das wäre wirtschaftlicher Nonsens.“

Der Deutsche Fußball-Bund hat dem FC Hansa und allen anderen Vereinen der Liga am Montag grünes Licht gegeben: „Nach Prüfung aller Unterlagen, der Sitzung des Ausschusses 3. Liga in der vergangenen Woche sowie finalen Beratungen im Zulassungsbeschwerdeausschuss steht fest, dass alle Bewerber im Falle ihrer sportlichen Qualifikation die Zulassungsvoraussetzungen für die Teilnahme an der 3. Liga in der kommenden Spielzeit erfüllen.“ Heißt: Hansa kann in der Saison 2020/21 in der 3. Liga spielen.

Langfristig aber können die Ostseestädter, die einen Schuldenberg von mehr als 20 Millionen Euro vor sich herschieben, wohl ohnehin nur in der 2. Liga überleben. „Das wäre für uns wirtschaftlich besser darstellbar. Dass in der 2. Liga Milch und Honig fließen, ist aber ein Trugschluss. Wir müssen dort mehr Geld in die Mannschaft investieren, sonst sind wir wieder nur ein Jahr dabei“, sagt Marien: und ergänzt: „Zudem stehen etliche Investitionen in die Infrastruktur, wie zum Beispiel die Sanierung der Flutlichtmasten, an. Dieser Weg bleibt mühsam, aber alternativlos.“

Alternativlos ist auch ein Heimsieg gegen Uerdingen am Mittwoch (19 Uhr), wenn die Hanseaten ihre Mini-Chance auf die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur 2. Liga - bei notwendigen Patzern mehrerer Mitbewerber - wahren wollen. „Abgehakt ist die Saison noch nicht, aber wir haben es nicht mehr in der eigenen Hand“, sagt Pascal Breier, der mit 15 Toren erfolgreichste Stürmer. „Wir müssen darauf hoffen, dass die Konkurrenz Federn lässt.“

Hansa Rostock: Die Einzelkritik zur Niederlage in Würzburg

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Markus Kolke: ©

Die Fanszene der Rostocker hat für Mittwoch zu einer Demonstration aufgerufen. Unter dem Motto „Kein Saisonstart ohne Fans“ wollen die Anhänger zum Ostseestadion laufen und sich dort auf einem Parkplatz versammeln, während in der Arena das Spiel gegen Uerdingen läuft. Die Kundgebung ist angemeldet und von der Stadt genehmigt worden. Bis zu 1800 Personen werden erwartet.