12. August 2019 / 00:12 Uhr

Hansa Rostocks Pokal-Jahrtausend

Hansa Rostocks Pokal-Jahrtausend

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
DFB-Pokal-Halbfinale im Februar 2000: Hansa-Stürmer Steffen Baumgart köpft den Ball auf das Tor von Bayern-Keeper Oliver Kahn (verdeckt).
DFB-Pokal-Halbfinale im Februar 2000: Hansa-Stürmer Steffen Baumgart köpft den Ball auf das Tor von Bayern-Keeper Oliver Kahn (verdeckt). © Bongarts
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Eine Niederlage als größter Erfolg, Elfer-Dramen ohne Happy End, Profis als Trophäenjäger und ein langer Erstrunden-Fluch – Hansa Rostock hat seit 2000 viel erlebt und erlitten.

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Hansas Pokal-Jahrtausend begann mit einer Niederlage, die zugleich der größte Erfolg der Rostocker in diesem Wettbewerb war. Im Februar 2000 verloren die Hanseaten das Halbfinale beim FC Bayern nur knapp mit 2:3. Es ist das einzige Mal, dass der Koggenklub bis in die Vorschlussrunde vordrang. Davor und danach konnte der letzte DDR-Pokalsieger (1991) im Rennen um eines der beiden Tickets nach Berlin kaum reüssieren. 2009 startete die Serie der Erstrundenpleiten, die erst vor einem Jahr mit dem 2:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart endete. Heute (18.30 Uhr/Liveticker im SPORTBUZZER) geht es zum fünften Mal gegen die Schwaben – der Sieger hieß bisher immer Hansa.

Mit Bayern auf Augenhöhe

Wie ausgeprägt das Selbstbewusstsein der Rostocker am 16. Februar 2000 war, machte Hilmar Weilandt *deutlich. „Quatsch!“, antwortete der Kapitän nach dem 2:3 barsch auf eine Reporterfrage, ob die Bayern für Hansa unschlagbar seien. Vor nur 10 000 Zuschauern im Olympiastadion – darunter 2500 Hansa-Fans und DFB-Teamchef *Erich Ribbeck *– bewegte sich die Zachhuber-Elf lange auf Augenhöhe mit den Bayern. Weilandt, *Martin Pieckenhagen, Steffen Baumgart und Co. verlangten dem Team um Lothar Mattäus, Oliver Kahn *und *Giovane Elber *alles ab. „Hansa ist eine Mannschaft mit Charakter und Herz“, meinte Bayern-Coach *Ottmar Hitzfeld anerkennend. Nach drei unterklassigen Teams (Landshut, Trier, Greuther Fürth) hatten die Rostocker im Viertelfinale auch einen Bundesliga-Konkurrenten aus dem Weg geräumt – den VfB Stuttgart (2:1).

Arvidsson trifft zuverlässig

Ein gutes halbes Jahr nach dem knapp verpassten Finaleinzug war Trainer Andreas Zachhuber bei Hansa schon wieder Geschichte. Unter seinem Nachfolger* Friedhelm Funkel* war für die Rostocker dann zwei Mal in Niedersachsen Endstation – obwohl Stürmer *Magnus Arvidsson *in der zweiten Runde der Spielzeit 2000/01 bei Hannover 96 (1:2) und auch in der nächsten Saison in Osnabrück traf (1:2, 1. Runde). Auf den Schweden konnte sich auch Funkels Erbe *Armin Veh *verlassen: Im Achtelfinale bei der SpVgg Unterhaching gelang Arvidsson sogar ein Doppelpack. Doch das reichte nicht: Hansa verlor gegen den Regionalligisten mit 2:3.

Lantz-Gala reicht nicht

Dramatisch wurde es in der 2. Runde der Saison 2003/04: Gegner im Ostseestadion war Hertha BSC Berlin. An diesem eisigen Oktoberabend machte Marcus Lantz *sein vielleicht bestes Spiel im Hansa-Trikot. Der Schwede glich den frühen Rückstand durch *Luizao aus und brachte seine Mannschaft unter dem Jubel der nur 10 000 Zuschauer in der Verlängerung mit 2:1 in Führung. Weil Nando Rafael in letzter Minute für die Gäste traf, ging es ins Elfmeterschießen. Es wurde ein Festival der Fehlschüsse: Martin Max, Joakim Persson und Gernot Plassnegger brachten den Ball nicht im Tor unter. Hertha hatte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die (etwas) stärkeren Nerven. Für die Elf von Huub Stevens verwandelte u.a. ein gewisser Niko Kovac.

„Kleine Kinderkacke“

Mit Stars wie Finnland-Ikone Jari Litmanen und dem Schweden Markus Allbäck schafften es die Rostocker 2004/05 noch mal bis ins Viertelfinale. Juri-Schlünz-Nachfolger Jörg Berger konnte nicht verhindern, dass für sein Team in Bielefeld (0:1) Endstation war. Das Pokal-Aus erwies sich als schlechtes Omen: Am Saisonende stieg Hansa nach zehn Jahren aus der Bundesliga ab.

Drei Tage vor Weihnachten 2005 wieder ein Pokaldrama im Ostseestadion ohne Happy End für Hansa: Die von Frank Pagelsdorf *trainierte Mannschaft verlor das Zweitligaduell gegen Kickers Offenbach im Elfmeterschießen. Dass es die Rostocker – damals schon mit Youngster *Kai Bülow – überhaupt bis dahin schafften, hatten sie Marcel Schied zu verdanken. Der Stürmer erzielte in der letzten Minute der regulären Spielzeit den 1:1-Ausgleich.

So schlug sich der FC Hansa in der 1. Runde des DFB-Pokals seit 2000!​

<b>27. August 2000, SC Paderborn – FCH 1:2:</b> Mit viel Mühe setzte sich die Kogge gegen die Paderborner durch. Nach Rückstand trafen Kreso Kovacec (rechts im Bild) und Peter Wibran für Hansa. Zudem kassierten die Rostocker zwei Gelb-Rote Karten (Marcus Lantz und Steffen Baumgart). Beim SCP spielte der heute FCH-Coach Pavel Dotchev mit. Zur Galerie
27. August 2000, SC Paderborn – FCH 1:2: Mit viel Mühe setzte sich die Kogge gegen die Paderborner durch. Nach Rückstand trafen Kreso Kovacec (rechts im Bild) und Peter Wibran für Hansa. Zudem kassierten die Rostocker zwei Gelb-Rote Karten (Marcus Lantz und Steffen Baumgart). Beim SCP spielte der heute FCH-Coach Pavel Dotchev mit. ©
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Als Kickers-Keeper Sead Ramovic nach einem Kopf-an-Kopf-Gerangel mit Hansa-Keeper Mathias Schober mit Rot vom Platz geschickt wurde, schien der Weg ins Viertelfinale geebnet. Denn bei den Hessen musste sich für das Elfer-Schießen Mittelfeldmann Stephan Sieger *die Torwarthandschuhe anziehen. Doch die Rostocker konnten die Gunst der Stunde nicht nutzen: *Kim Madsen und – als letzter Schütze – *Amir Shapourzadeh *verschossen. *René Rydlewicz *spendete dem kreuzunglücklichen Deutsch-Iraner in unnachahmlicher Weise Trost: „Beckham, Maradona und Rydlewicz haben auch schon Elfer vergeigt.“ Schober war ebenfalls nicht um einen Spruch verlegen, als er auf die Szene angesprochen, die Ramovic Rot und ihm selbst die Gelbe Karte eingebracht hatte: „Das war kleine Kinderkacke.“

Wächter stänkert gegen Hahnel

Den höchsten Pokalsieg landeten die Rostocker 2007/08 im Erstrundenspiel bei Rot-Weiß Hasborn-Dautweiler (8:0); in der darauffolgenden Spielzeit gab es in Wolfsburg die heftigste Klatsche. Am 28. Januar verlor Hansa-Coach Dieter Eilts das Trainerduell mit Felix Magath mit 1:5. Bemerkenswert in diesem Achtelfinale: VfL-Torjäger Grafite gelang ein Dreierpack, und bei Hansa gab *Felix Kroos *sein Profi-Debüt. Schon vor dem Spiel hatte Torwart *Stefan Wächter *gegen seinen Kollegen *Jörg Hahnel *gestänkert, dem Eilts für die Rückrunde den Vorzug im Hansa-Tor gegeben hatte. „Ich bin der bessere Torwart!“, ließ der ehemalige HSV-Keeper verlauten.

FCH-Profis als Hoffenheim-Fans

Am 14. August 2010 hieß Hansas Pokalgegner zum dritten Mal Hoffenheim. Die Bilanz bis dahin: unentschieden. 2005 setzte sich Hansa noch gegen den aufstrebenden Klub durch, 2008 verlor Rostock das Achtelfinale gegen die Mannschaft von Ralf Rangnick. Im ersten DFB-Pokalspiel als Drittligist im August 2010 flog die Elf von Trainer Peter Vollmann Runde eins sang- und klanglos mit 0:4 raus. „Das ist leider völlig in die Hose gegangen“, befand Mittelfeldmann Robert Müller *schulterzuckend. Einige seiner Teamkollegen warteten derweil geduldig vor der Gästekabine des Ostseestadions geduldig, um Hoffenheims Bundesliga-Stars um deren Trikots zu bitten. *Tobias Jänicke *sicherte sich den Dress von *Sejad Sahlihovic, Mohammed Lartey *ergatterte das Trikot von Spielmacher *Carlos Eduardo als persönliche DFB-Pokal-Trophäe.

Erstrunden-Fluch besiegt

Unter Trainer* Karsten Baumann *war Hansa am 9. August 2015 nahe dran, mal wieder die erste Runde zu überstehen. Vor 20 000 Zuschauern im Ostseestadion trotzte Hansa dem Zweitligisten nach 120 Minuten ein 0:0 ab. Im Elfmeterschießen versagten ausgerechnet *Marcel Ziemer *die Nerven – er verschoss als Einziger vom Punkt. Der Hansa-Stürmer hatte seine Profikarriere einst bei den „Roten Teufeln“ gestartet.

Hansas seit 2009 andauernder Erstrunden-Fluch endete am 18. August 2018. Cebio Soukou *und *Mirnes Pepic trafen vor 24 400 Zuschauern im Ostseestadion gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart. Zum vierten Mal nach 1992, 1999 und 2005 kickte Hansa die Schwaben aus dem Wettbewerb.

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Zum Sprung ins Achtelfinale des DFB-Pokals fehlte der Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev gut zwei Monate später nicht viel. Durch einen Treffer von Pascal Breier führte Hansa mit 1:0, ehe Adam Zrelak die Rostocker in der 90. Minute aus allen Träumen riss. Jonas Hildebrandt ließ die 24 000 Fans im Ostseestadion durch sein 2:1 noch mal hoffen. Doch der Bundesligist glich aus und hatte im Elfmeter-Schießen schließlich die besseren Nerven. Hildebrandt und Kai Bülow konnten ihre Strafstöße nicht versenken.

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