18. Dezember 2020 / 14:58 Uhr

Hansa Rostocks Ex-Keeper Brinkies über Karriereende beim FSV Zwickau: Warum nicht?

Hansa Rostocks Ex-Keeper Brinkies über Karriereende beim FSV Zwickau: Warum nicht?

Christian Falkenberg
Ostsee-Zeitung
Johannes Brinkies ist seit ... Torhüter beim FSV Zwickau. Hier ist er im Spiel bei Viktoria Köln in Aktion.
Johannes Brinkies ist seit ... Torhüter beim FSV Zwickau. Hier ist er im Spiel bei Viktoria Köln in Aktion. © imago images/Kirchner-Media
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Der 27-jährige Torhüter der Westsachsen trifft am Sonntag auf seinen Ausbildungsverein, den FC Hansa Rostock.

Wenn es stimmen würde, das alle Mecklenburger wortkarg, genügsam, zurückhaltend und knurrig sind, dann wäre Johannes Brinkies kein Mecklenburger. Mit dem „Fischkopp“, der jetzt in Sachsen lebt, kann man stundenlang über Fußball reden. Er ist mitreißend, wortgewandt, unterhaltsam – und ein guter Torhüter. Im Gespräch mit dem Keeper des FSV Zwickau lässt sich erahnen, warum sich der Verein 2016 für den gebürtigen Grevesmühlener als Nummer 1 entschied. Es passte auch für den Jungen von der Küste. Er wurde innerhalb von vier Jahren in Sachsen heimisch und kann sich sogar vorstellen, später einmal in Zwickau seine Karriere ausklingen zu lassen. „Ich schließe nichts aus – alles kann, nichts muss. Wer mir vor viereinhalb Jahren gesagt hätte, dass es so gut passen würde, auch was meine Familie angeht, dem hätte ich den Vogel gezeigt“, betont der Schlussmann.

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Etwas irritiert ihn aber doch. „Ich weiß nich, warum immer alle denken, dass man Fisch isst, nur weil man von der Küste kommt. Ich mag keinen Fisch und habe auch keine Ahnung von der Seefahrt. Warum versteht das hier in Zwickau keiner“, fragt sich Brinkies und lacht.

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Obwohl er keinen Fisch mag und ihm das Maritime abgeht, hat er nie vergessen, wo er herkommt. Mit mit Stolz berichtet er, unter welchen Bedingungen er aus Nordwestmecklenburg nach Rostock zog. „Mit elf Jahren wechselte ich von Anker Wismar zu Hansa. In den ersten zwei Jahren hat mich mein Vater immer gefahren, bis ich mit 13 in eine Spieler-WG gezogen bin“, erinnert sich Brinkies. „In Rostock war alles größer und unübersichtlicher als in Wismar. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen und musste mich freischwimmen. Die Zeit hat mich sehr geprägt.“

Es war für Brinkies der richtige Schritt. Immerhin spielte sich der Mecklenburger ins Blickfeld des damaligen DFB-U-16-Trainers Stefan Böger und absolvierte in Tallinn ein Länderspiel gegen Estland. Zwei Jahre später spielte Brinkies erneut für Deutschland, diesmal in der U 19 unter Trainer Horst Hrubesch. Der Gegner war erneut Estland. Seine Mitspieler waren damals Julian Draxler, Timo Horn und Loris Karius. Allesamt junge Kerle, die mittlerweile gestandene Bundesligaprofis sind. Kontakt hat Brinkies kaum noch. „Ich habe nur noch Kontakt mit Spielern, die meine Freunde wurden, so wie Manfred Starke, Ben Zolinski oder Nils Quaschner“, erzählt der Torhüter.

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Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. Zur Galerie
Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. ©

Kurioserweise gelang Brinkies der Durchbruch in Rostock nie. Er wurde zwar oft im Nachwuchs eingesetzt – entweder in der A-Jugend oder in Hansas Oberligamannschaft. Aber erst die Saison 2012/13 war seine erste „richtige“ Herrensaison. Unter Trainer Marc Fascher hatte Brinkies seinen ersten Einsatz als Nummer 1 im Spiel gegen die Reserve des VfB Stuttgart. Er ersetzte den verletzten Kevin Müller.

Im weiteren Saisonverlauf kam Brinkies auf insgesamt zehn Einsätze in der 3. Liga, konnte sich jedoch nicht dauerhaft gegen Müller durchsetzen. Auch in den Folgejahren blieb er die Nummer 2.

Im Sommer 2016 folgte der Wechsel nach Zwickau, wo er zunächst den Stammplatz zwischen den Pfosten und zur Saison 2019/2020 das Amt des Kapitäns übernahm. Brinkies sieht für sich bei den Westsachsen besondere Möglichkeiten: „Hier entsteht etwas völlig Neues. Nach der Insolvenz im Jahr 2010 ist eine ganze Fangeneration weggebrochen. Alles war auf null. Nun haben wir ein super Stadion und müssen neben all den anderen Vereinen, wie Aue, Dresden, Chemnitz oder RB Leipzig, um unseren Platz kämpfen. Aber das fetzt hier total“, schwärmt er.

Dass es keine leichte Aufgabe ist, hat Brinkies mehrfach feststellen müssen. „Hier geht es jedes Jahr um den Klassenerhalt. Letztes Jahr war schon sehr spannend. Nur aufgrund des Torverhältnisses sind wir nicht abgestiegen“.

Mit Blick auf die Partie gegen seinen Ausbildungsverein tut sich Brinkies schwer, die Favoritenrolle zu vergeben. „Hansa spielt sehr variabel, hat zudem mit Bentley Baxter Bahn einen kleinen Freigeist in seinen Reihen. Das wird schon schwer werden. Aber wir werden angreifen und auf Sieg gehen. Wir haben oft genug zu Hause verloren“, meint Brinkies kämpferisch.

Dass Hansa drei Spiele in Folge verloren hat, will der ehemalige Rostocker nicht überbewerten. „Das hat nicht viel zu sagen. In der 3. Liga kann jeder gegen jeden gewinnen. Du musst im Kopf klar sein“, bringt es der Schlussmann auf den Punkt – sachlich und mit wenigen Worten. Wie ein Mecklenburger.

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