04. Mai 2018 / 01:24 Uhr

Hansa Rostocks neuer Nachwuchsleiter: „Weniger jammern, mehr ranklotzen“

Hansa Rostocks neuer Nachwuchsleiter: „Weniger jammern, mehr ranklotzen“

Tommy Bastian
Ostsee-Zeitung
Stefan Karow (v.) wird ab dem 1. Juli neuer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des FC Hansa Rostock.
Stefan Karow (v.) wird ab dem 1. Juli neuer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des FC Hansa Rostock. © Lutz Bongarts
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Stefan Karow hat ehrgeizige Ziele: Mit Identifikation, Fleiß und Teamgeist sollen die Junioren den Sprung zurück auf die höchste Ebene schaffen

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Rostock. Der gebürtige Rostocker Stefan Karow übernimmt zum 1. Juli die Leitung im Nachwuchsleistungszentrum von Fußball- Drittligist Hansa Rostock, wo der 43-Jährige aktuell noch als Torwarttrainer der Profis agiert. Den Job hatte er 2014 angetreten. Im OZ-Interview verrät Karow, wie er die Jugendarbeit beim früheren deutschen A-Junioren-Meister (2010) neu ausrichten und den besten Talenten den Übergang zur ersten Mannschaft besser ermöglichen will.

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Herr Karow, wie schwer fällt Ihnen der Abschied von den Profis?
Stefan Karow: Etwas Wehmut ist schon dabei. Am Sonnabend im letzten Heimspiel im Ostseestadion wird es vermutlich ganz besonders emotional für mich. Es war schon toll, in den großen Stadien zu spielen und hat sehr viel Spaß gemacht, mit den Hansa-Torhütern der vergangenen Jahre zusammenzuarbeiten.

Warum gehen Sie dann zurück in den Nachwuchs?
Karow: In der neuen Position kann ich dem Verein derzeit wohl am meisten helfen. Und ich sehe es als Wertschätzung an, dass die Klubverantwortlichen mir die Aufgabe als Nachwuchsleiter übertragen. Als Torwarttrainer in der Jugend werde ich weiter auf dem Rasen stehen. Das ist mir wichtig.

Das waren die teuersten Zugänge in der Vereinsgeschichte des FC Hansa Rostock

Platz 1: Rade Prica steht an der Spitze des Rankings: 2002 holte der FC Hansa den Stürmer für 2,2 Millionen Euro vom ehemaligen schwedeischen Erstligisten Helsingborgs IF. Er ist der teuerste Transfer der Rostocker Vereinsgeschichte. Zur Galerie
Platz 1: Rade Prica steht an der Spitze des Rankings: 2002 holte der FC Hansa den Stürmer für 2,2 Millionen Euro vom ehemaligen schwedeischen Erstligisten Helsingborgs IF. Er ist der teuerste Transfer der Rostocker Vereinsgeschichte. ©

Wie sieht Ihr Tagesablauf derzeit aus?
Karow: Aktuell gehe ich meist morgens um 7Uhr zur Arbeit und komme erst gegen 21 Uhr nach Hause. Ich bin viel unterwegs, habe auch andere Nachwuchsleistungszentren besucht und geschaut, was wir uns abgucken können. Es gibt viel zu tun, denn die Saison 2018/19 muss ja vorbereitet werden, auch wenn mein neuer Job erst Anfang Juli beginnt. Allerdings mache ich das gern und mit viel Enthusiasmus.

Obwohl auch privat einige Veränderungen anstehen.
Karow: Ja, das stimmt. Am 14. Mai werde ich meine Lebensgefährtin Antje heiraten. Außerdem werde ich zum zweiten Mal Vater. Anfang Juni soll unser Sohn geboren werden.

"Die Kogge liegt derzeit angeschlagen im Hafen, wird behandelt und repariert."

Zurück zu Hansa: Wie würden Sie den aktuellen Zustand im Nachwuchs beschreiben?
Karow: Die Kogge liegt derzeit angeschlagen im Hafen, wird behandelt und repariert. Danach wollen wir die Segel setzen und durchstarten. Klar ist: Wir sollten weniger rumjammern, mehr norddeutsche Gelassenheit ausstrahlen, hart arbeiten sowie Lösungen finden, um wieder erfolgreicher zu sein. Unsere Säulen auf dem Weg dorthin sollten sein: Identifikation, Fleiß und Teamgeist.

Wie weit sind die Planungen für die Spielzeit 2018/19?
Karow: Wir sind auf einem guten Weg. Entgegen einigen Gerüchten werden wir keine Mannschaft streichen oder ausgliedern. Mit Rückkehrer Axel Rietentiet haben wir einen sehr guten Trainer für unsere U 21 gefunden, der den gut Verein kennt und bewiesen hat, dass er junge Talente weiterentwickeln kann. Die Mannschaft soll sportlich reizvoll und finanziell darstellbar sein. Unsere A-Junioren sollen zwei Jahre lang Zeit bekommen, sich über das Oberliga-Team für die Profis zu empfehlen.

Veränderungen auf Trainerpositionen der B- und C-Junioren​

Und wie sieht’s bei den Junioren aus?
Karow: Bis zum 15. April habe ich mit allen aktuellen Trainern gesprochen, mich vorgestellt und mir ein Bild vom Ist-Zustand gemacht. Für die B- und C-Junioren stehen die neuen Haupttrainer fest. Kevin Rodewald, der bisherige Co-Trainer der A-Junioren, übernimmt die U 17, Martin Schröder (bisher U14/ d.Red.) betreut fortan die U 15. Beide sind junge, sehr motivierte Coaches, die gut ausgebildet sind, bereits Erfahrungen gesammelt haben und sich bei uns weiterentwickeln können und werden. Mit dem möglichen neuen A-Junioren- Trainer sind wir im Gespräch. Dagegen werden uns Felix Dojahn, Paul Kuring und Marco Vorbeck bekanntlich verlassen.

Gibt es weiter ein Perspektivteam?
Karow: Ja. Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen den Profis und dem Nachwuchs sogar intensivieren. Es soll einmal im Monat ein Spiel des Perspektivteams geben und zusätzlich die eine oder andere gemeinsame Trainingseinheit von A-, B-Junioren, erster und zweiter Mannschaft durchgeführt werden.

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Wie wollen Sie darüberhinaus die Nachwuchsarbeit verbessern?
Karow: Es gibt viele Ideen. Entscheidend ist, dass unsere Trainer mitziehen sowie mitgestalten und wir viel und ehrlich miteinander kommunizieren. Ich möchte, dass besonders die hauptamtlichen Coaches viel auf dem Platz agieren, zum Beispiel mehr individuelles Training anbieten. Wenn wir sehr fleißig sind, besser sichten und unsere Spieler verbessern, dann können wir mit den A- und B-Junioren auch den Sprung zurück in die Bundesliga schaffen.

Aktuell bewegen sich beide Teams jedoch nur im Tabellenmittelfeld der Regionalligen.
Karow: Ja, leider. Allerdings kann das nicht unser Anspruch sein. Dafür sind unsere Spieler zu gut. Es gilt, sie weiter zu verbessern und mehr Siegermentalität zu entwickeln.

Welche Rolle spielt es, dass der Nachwuchsetat auf 875000 Euro gekürzt werden soll?
Karow: Die Zahl ist so nicht mehr ganz korrekt. Wir werden in der kommenden Saison nahezu den gleichen Etat für den Nachwuchs aufwenden wie in dieser. Wenn wir ordentlich planen und richtig strukturieren, dann reichen die vorhandenen Mittel aus. Sie müssen besser eingesetzt werden. Darüber hinaus brauchen wir kreative Lösungen, um uns finazielle Freiräume zu schaffen, weitere finanzielle Mittel zu gewinnen und Jugendprojekte angehen zu können.

Interview: Tommy Bastian