19. Januar 2021 / 14:55 Uhr

Hansa und Empor Rostock trauern um Karl-Heinz Kordt

Hansa und Empor Rostock trauern um Karl-Heinz Kordt

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Karl-Heinz Kordt
Karl-Heinz Kordt © Foto: OZ-Archiv
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Karl-Heinz Kordt war über Jahrzehnte die markante Stimme des FC Hansa und von Empor Rostock. Der frühere Hallen- und Stadionsprecher ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Kordt hatte als stellvertretender Sektionsleiter des SC Empor Anteil am Höhenflug der Handballer und Fußballer.

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Jahrzehntelang war Karl-Heinz Kordt Stadionsprecher beim FC Hansa und Kommentator beim HC Empor, nun ist seine Stimme verstummt. Der Rostocker ist in der Nacht zu Dienstag im Alter von 87 Jahren verstorben.

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„Wir alle im Verein sind tief betroffen und traurig über diesen großen Verlust. Mit ,Kalle’ geht ein Stück Hansa-Geschichte“, erklärte FCH-Klubchef Robert Marien. „Fast 40 Jahre war er unsere unverwechselbare Stimme im Ostseestadion, später dann ebenso leidenschaftlich bei Wind und Wetter als Stadionsprecher unserer Amas im Volksstadion im Einsatz und besuchte bis zuletzt – wann immer es ging – die Heimspiele unserer Profis. Seine Anekdoten aus alten Zeiten, seine trockenen Sprüche und seine große Herzlichkeit haben ihn zu einem echten Unikat gemacht und werden uns unvergessen bleiben. Tschüss ok, Kalle! Wir werden dich immer in Erinnerung behalten.“

Karl-Heinz Kordt war abgesehen von Unterbrechungen durch Krankheit oder Pädagogikstudium (abgeschlossen mit summa cum laude) ab dem Jahr 1954 die markante Stimme am Rande des Rostocker Handballparketts und im Ostseestadion.

Als stellvertretender Sektionsleiter des SC Empor empfing Kordt im Oktober 1954 elf Spieler von Empor Lauter, die auf Geheiß der DDR-Sportführung aus dem Erzgebirge an die Ostsee übersiedelten, um den weißen Fleck im Norden der Fußball-Landkarte zu tilgen. Der Klub war der Vorgänger des am 28. Dezember 1965 gegründeten FC Hansa Rostock.


Ob Kurt Zapf, Herbert Pankau, Gerd Kische, Joachim Streich, Rainer Jarohs, Axel Schulz, Michael Mischinger oder Juri Schlünz – Kordt kannte sie alle. Er war bei legendären Europapokal-Abenden, dem Gewinn von Vizemeisterschaften und Pokal-Schlachten live dabei. Zu den Höhepunkten gehörten 1991 der Gewinn der DDR-Meisterschaft und der Pokalsieg. Mit Trainer Uwe Reinders begann das Abenteuer Bundesliga.

„Als ich als 17-, 18-jähriger Spieler im großen Ostseestadion aufgelaufen bin und von ihm angesagt wurde, war das schon ein besonderer Moment“, erinnert sich Hansa-Ikone Juri Schlünz (59).

Der Mann mit dem Mikro: Stadionsprecher Karl-Heinz Kordt (r.) im Gespräch mit Juri Schlünz.
Der Mann mit dem Mikro: Stadionsprecher Karl-Heinz Kordt (r.) im Gespräch mit Juri Schlünz. © OZ-Archiv/Rainer Schulz

Als Schlünz, der sich als Spieler, Cheftrainer, Vorstandsmitglied und Leiter der Nachwuchsakademie für Hansa engagierte, im Sommer 2016 in Satow ein Testspiel zwischen den Frauen-Spitzenklubs Turbine Potsdam und FC Rosengard aus Schweden organisierte, „ist er als Sprecher eingesprungen“, erzählt der einstige Publikumsliebling.

Bis 1993 war „Kalle“ Kordt Hansas Stadionsprecher. Bis zu seiner Verabschiedung 2018 blieb er für die Zweite und die A-Junioren des FCH im Volksstadion am Ball. 2019 wurde eine Kabine im Amateurtrakt nach ihm benannt.

Karl-Heinz Kordt hatte auch Anteil am Höhenflug der Handballer. 1955 gelang den Rostockern mit dem Gewinn des „Doubles“, den Meistertiteln in der Halle und auf dem Feld, erstmals der ganz große Wurf.

Der frühere Handballer, der 33 Jahre lang das Rostocker Pionierhaus leitete, erlebte auch 1982 die Sternstunden von Empor hautnah – Europapokalsieg und Europameister für Vereinsmeisterschaften.

„Karl-Heinz Kordt war ein bekannter Rostocker, der Vereine durch Höhen und Tiefen begleitet hat. Sein Tod stimmt uns traurig, aber wir sind dankbar, dass er ein langes Leben führen konnte und dem Sport stets verbunden blieb“, erklärte Empor-Klubchef Tobias Woitendorf.