10. September 2020 / 14:26 Uhr

Hansa-Verteidiger Riedel: In einem Spiel ist immer alles möglich

Hansa-Verteidiger Riedel: In einem Spiel ist immer alles möglich

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Hansa-Verteidiger Julian Riedel
Hansa-Verteidiger Julian Riedel © Lutz Bongarts
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Julian Riedel ist neben Scherff der dienstälteste Hansa-Profi. Der abgelöste Kapitän über den Pokalhit gegen Stuttgart, die Qualität der neuen Mannschaft und die Rückkehr der Zuschauer.

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2018 gab es einen 2:0-Sieg im Pokal gegen Stuttgart, letztes Jahr ein 0:1 – was ist dieses Mal für Hansa drin?

Schwer zu sagen. Jedes Pokalspiel ist etwas Besonderes und in diesem Jahr erst recht. Normalerweise hätte wir jetzt schon drei vier Spiele gemacht. Dieses Mal ist es unser erstes richtiges Pflichtspiel, wenn man den Landespokal ausklammert. Klar ist Stuttgart der Favorit, wie in den vergangenen Jahren auch. Wir brauchen eine absolute Topleistung und einen Tag, an dem alles zu hundert Prozent in unsere Richtung läuft.

Mit dem Spiel endet die fast siebenwöchige Vorbereitung, ist die Mannschaft für den ersten Härtetest gewappnet?

Wir haben hart gearbeitet und ganz gute Ergebnisse eingefahren, den Landespokal relativ souverän gewonnen und gegen drei Zweitligisten gespielt, die uns gut gefordert haben. Aber das war Vorbereitung, Stuttgart ist noch mal was anderes. Wir müssen mit Freude und mutig da reingehen und unser Ding durchziehen. In einem Spiel ist immer alles möglich, egal wie gut oder schlecht man davor drauf war.

Was läuft schon gut bei Hansa und wo muss die Mannschaft noch zulegen?

Im Defensivverbund haben wir nicht so viel verloren wie in den Jahren davor, da sind wir relativ gut eingespielt. Verbessern können wir uns grundsätzlich in allem noch. Es sind viele neue Spieler gekommen, das dauert seine Zeit, bis sich die Automatismen eingespielt haben.

Im Kader hat es wieder ein ziemliches Kommen und Gehen gegeben, auch einige Leistungsträger sind nicht mehr dabei. Ist die Mannschaft so gut wie vergangene Saison oder besser?

Das kann ich noch nicht sagen, das wird sich erst im Laufe der Saison zeigen. Wir haben gute Jungs dazu bekommen, erfahrene Spieler, die auch mal dazwischen hauen können. Wir trainieren hart und fleißig, jeder zieht mit – alles andere muss sich entwickeln.

Ihr Teamkollege Baxter Bahn sagte vor einigen Wochen, er habe sich an die Spiele in leeren Stadien schon gewöhnt. Gegen Stuttgart sind 7500 Fans dabei, wie wichtig ist dieser Faktor für die Mannschaft?

Das ist auf jeden Fall schon mal eine Anzahl, die sich im Stadion bemerkbar machen wird. Ich freue mich darauf, dass wieder ein bisschen Akustik, ein bisschen Stimmung im Stadion sein wird. Das bekommen wir auf dem Rasen natürlich mit. 7500 Leute – da wären viele andere Vereine in der 3. Liga froh, wenn sie unter normalen Bedingungen so viele hätten.

Trainer Jens Härtel startet in die neue Saison mit Markus Kolke als Kapitän. Enttäuscht?

Ich vertraue dem Trainer, dass er die richtige Entscheidung zum Wohl der Mannschaft getroffen hat. Ich habe es sehr gerne gemacht und meine Rolle so ausgefüllt, wie ich es für richtig empfunden habe. Mit oder ohne Binde – als Spielertyp auf dem Rasen werde ich mich nicht verändern.

So schlug sich der FC Hansa in der 1. Runde des DFB-Pokals seit 2000!:

<b>27. August 2000, SC Paderborn – FCH 1:2:</b> Mit viel Mühe setzte sich die Kogge gegen die Paderborner durch. Nach Rückstand trafen Kreso Kovacec (rechts im Bild) und Peter Wibran für Hansa. Zudem kassierten die Rostocker zwei Gelb-Rote Karten (Marcus Lantz und Steffen Baumgart). Beim SCP spielte Ex-Hansa-Coach Pavel Dotchev mit. Zur Galerie
27. August 2000, SC Paderborn – FCH 1:2: Mit viel Mühe setzte sich die Kogge gegen die Paderborner durch. Nach Rückstand trafen Kreso Kovacec (rechts im Bild) und Peter Wibran für Hansa. Zudem kassierten die Rostocker zwei Gelb-Rote Karten (Marcus Lantz und Steffen Baumgart). Beim SCP spielte Ex-Hansa-Coach Pavel Dotchev mit. ©

Sie sind 2017 aus der 2. Bundesliga nach Rostock gekommen und wollten eigentlich längst aufgestiegen sein. Was ist Ihr Ziel für die Saison 2020/21 – wieder Platz sechs?

Ich bin jetzt drei Mal Sechster geworden. Für den einen hört sich das gut an, für den anderen ist es zu wenig. Bevor ich nach Rostock gekommen bin, war Hansa noch in ganz anderen Regionen unterwegs. Seitdem haben wir uns immerhin stabilisiert und Konstanz reingebracht. Man möchte sich immer verbessern, aber wir haben noch kein Spiel gemacht und wissen nicht, wo wir stehen und wie wir in dieser engen Liga funktionieren. Deshalb ist es schwer, Prognosen abzugeben.

Wen muss man für ganz oben auf dem Zettel haben?

Wenn man auf die Transferpolitik schaut, dann sicherlich Dynamo Dresden. Die haben als Absteiger die Ambition wieder aufzusteigen. Auch Viktoria Köln hat für Drittligaverhältnisse, glaube ich, viel Geld ausgegeben und mit den Einkäufen für Aufsehen gesorgt. Wehen Wiesbaden wird ambitioniert sein, Duisburg, Ingolstadt, 1860 München – da ist so viel Tradition in der 3. Liga. Von den Namen her ist sie bald attraktiver als die zweite.