18. April 2021 / 13:27 Uhr

Hansa vom Jäger zum Gejagten

Hansa vom Jäger zum Gejagten

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
München Deutschland 16.04.2021 Fussball 3. Liga FC Bayern München II-FC Hansa Rostock Jan Löhmannsröben FC Hansa Rostock gegen Sarpreet Singh FC Bayern München II COPYRIGHT BY LUTZ BONGARTS
Hansas Jan Löhmannsröben im Zweikampf mit dem Münchner Sarpreet Singh  © Lutz Bongarts
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Neue Rolle für den Koggenklub: Nach dem achten Auswärtssieg bei Bayern München II geht Hansa Rostock als Tabellenführer auf die Zielgerade der Saison. Schon am Mittwoch geht es mit dem Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden weiter.

Auf der Zielgeraden der Saison muss sich der FC Hansa mit einer völlig neuen Rolle anfreunden. Nach dem 1:0 (1:0)-Erfolg am Freitagabend bei Bayern München II ist die Härtel-Elf nicht mehr Jäger, sondern Gejagter. Erstmals seit dem 13. Spieltag – Ende November lag Saarbrücken vorn – heißt der Tabellenführer nicht Dynamo Dresden: Sechs Runden vor Schluss eroberte Hansa Rostock die Pole Position in der 3. Liga. Während Trainer Jens Härtel diesem Umstand weiter keine große Bedeutung beimessen wollte, wagte sich einer der Profis aus der Deckung.

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„Leck mich am Arsch, wenn wir das Ding jetzt nicht ziehen, sind wir selber doof“, sagte Mittelfeldmann Jan Löhmannsröben unmittelbar nach dem Abpfiff bei Magenta Sport. Hansa nutzte die coronabedingte Zwangspause der Dresdener, die frühestens am nächsten Wochenende wieder ins Aufstiegsrennen eingreifen können. Die Spiele am Sonnabend gegen Duisburg und am Dienstag beim KFC Uerdingen mussten abgesagt werden, während die Härtel-Elf im Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden am Mittwoch seinen Vorsprung an der Tabellenspitze ausbauen kann. Für die Psyche sei der Sieg in München deshalb sehr wichtig gewesen, urteilte Löhmannsröben – „um Druck auf die anderen auszuüben“.

Die Hansa-Noten zum 1:0 gegen Bayern München II:

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Markus Kolke: ©

Sechs Tage nach der schmerzlichen Heimniederlage gegen Magdeburg (0:2) fanden die Rostocker gegen das zweitschwächste Rückrundenteam Bayern II (nur ein Sieg) umgehend wieder zurück in die Erfolgsspur. Mit seinem Tor in der letzten Aktion vor der Pause legte John Verhoek im Grünwalder Stadion die Basis für den Erfolg. Begünstigt wurde der zehnte Saisontreffer des Niederländers von einem gebürtigen Rostocker im Bayern-Tor: Ron-Thorben Hoffmann, der bis 2009 im Hansa-Nachwuchs spielte, ließ sich beim ungestümen Herauslaufen von Verhoek tunneln, und der routinierte Mittelstürmer schoss aus gut 20 Metern ins leere Tor.

Dass dieser Treffer Hansa zum Sieg reichte, war zum Teil Glück – Singh traf kurz nach Wiederanpfiff die Latte (49.) –, aber vor allem das Ergebnis harter Arbeit. „Es war ein sehr intensives Spiel. Ich habe drei Mal den Tod auf dem Platz gesehen, weil wir so viel gerannt sind. Im Endeffekt haben wir mal wieder eine 1:0-Führung über die Zeit gerettet“, sagte Löhmannsröben. „Wir müssen genau so weiterarbeiten. Nicht wieder, wie gegen Magdeburg, vogelwild rumlaufen, sondern wir müssen unseren Plan verfolgen“, richtete der Mittelfeldspieler den Blick schon auf das Heimspiel gegen die im Aufstiegsrennen wohl abgeschlagenen Wiesbadener.

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Verzichten muss Hansa am Mittwoch auf Lukas Scherff. Der Linksverteidiger handelte sich kurz vor Schluss wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte ein. Dafür meldete sich ein lange Verletzter wieder zurück. Nils Butzen feierte nach fast 24-wöchiger Zwangspause (Schambeinentzündung) in München ein 20-Minuten-Comeback.

„Wir haben vorgelegt, das war wichtig. Jetzt kommt eine englische Woche, ich glaube, danach sind wir alle schlauer“, sagte Löhmannsröben. Dem Duell gegen Wehen Wiesbaden im Ostseestadion folgt am Sonnabend das vorletzte Auswärtsspiel der Saison beim abstiegsbedrohten SV Meppen.

Im engen Aufstiegsrennen findet Jens Härtel den Tabellenstand noch nicht maßgeblich. „Für uns ist es wichtig, dass wir die Punkte geholt und uns nach unten wieder ein bisschen Luft verschafft haben. Jetzt müssen die anderen erst mal nachlegen“, sagte der Trainer nach dem „hart erkämpften Arbeitssieg“. Um Schönheitspreise geht es im Saisonendenspurt um den Zweitligaaufstieg ohnehin nicht. „Man sieht ja: Alle anderen, die oben stehen – so richtig brillant spielen sie im Moment nicht. Weil der Druck so groß ist“, meinte Härtel bei Magenta Sport. „Das werden jetzt eher selten schöne Spiele, sondern es werden Spiele, die eng und umkämpft sind. Es geht darum, zu gewinnen.“

Das ist auch die Marschroute für die Partie im Ostseestadion gegen Wiesbaden, die „auf gar keinen Fall einfacher“ werde, so Härtel. Vorteil für Hansa: Der neue Tabellenführer hat zwei Tage länger Pause als die Hessen, die am Sonntag Unterhaching 1:0 besiegten.

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