22. Mai 2021 / 12:55 Uhr

Flick, Alaba, Gerland und Co.: Das Trennungsschmerz-Ranking beim FC Bayern

Flick, Alaba, Gerland und Co.: Das Trennungsschmerz-Ranking beim FC Bayern

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hansi Flick, David Alaba und Hermann Gerland werden dem FC Bayern nach der Saison den Rücken kehren.
Hansi Flick, David Alaba und Hermann Gerland werden dem FC Bayern nach der Saison den Rücken kehren. © IMAGO/Sven Simon (Montage)
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Beim Saison-Finale des FC Bayern am Samstag gegen den FC Augsburg gibt es trotz der Meisterparty nicht nur freudige Anlässe zum Feiern. Denn mit dem Ende der Spielzeit werden auch verdiente Trainer und Spieler ihren letzten Schritt beim deutschen Rekordmeister gehen. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

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Eine Bühne, auch wenn sie noch so klein ist, ist besser als gar keine Bühne. Dank der Lockerung des Bayerischen Kabinetts für Freiluftveranstaltungen sind am Samstag 250 Zuschauer beim Saisonfinale des FC Bayern in der Allianz Arena erlaubt. Der alte und neue Meister stellt der Vereinigung der Pflegenden in Bayern 50 Karten kostenfrei zur Verfügung, weitere 50 Tickets gehen an Pandemie-Helfer aus dem medizinischen Bereich. 100 Karten werden unter Vereinsmitgliedern verlost, auch zehn Kinder aus dem Kids-Klub dürfen sich freuen.

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Dabei sein beim letzten Heimspiel gegen den FC Augsburg, bei der Rekordjagd von Robert Lewandowski, der mit seinem 41. Saisontor Gerd Müllers Marke (40) aus der Saison 1971/72 übertreffen will - und natürlich bei der Übergabe der Meisterschale. Ein Freudentag, in den sich Tränen mischen werden. Denn neben den Leihspielern Tiago Dantas und Douglas Costa hören weitere sechs Persönlichkeiten nach der Saison beim FC Bayern auf. Je fünf Tickets für Familien und Freunde bekommt das Sextett um Cheftrainer Hansi Flick, das sich vor 250 Fans verabschiedet. Ein Mini-Rahmen für den Gefühlscocktail aus Dankbarkeit, Stolz und Wehmut. Wen werden die Fans bald am meisten vermissen? Ein Trennungsschmerz-Ranking verbunden mit der Frage: Vermissen oder vergessen? Bei wem fällt der Liebeskummer der Anhänger am größten aus?

1) Hermann Gerland (66): Eine Institution, der absolute Liebling der Fans, verlässt nach 25 Jahren ein Jahr vor Ende seines Vertrages den Verein. Der gebürtige Bochumer trainierte einst die U19, dann die Amateure, war Chef des Nachwuchsleistungszentrums und Co-Trainer unter Sören Lerby, Erich Ribbeck, Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti. Zuletzt assistierte er mit seinem Fachwissen und Einfühlungsvermögen Cheftrainer Flick. Der Talenteförderer und Spielerversteher begeisterte mit seiner liebevollen, aber manchmal auch – als Mittel zum Zweck – schroffen Art („Streng dich an, du Osterhase!“). Mit ihm geht Bayerns Herzstück. Das Kopfballpendel an der Säbener Straße droht zu vereinsamen.



2) Hansi Flick (56): Für die vier Meisterschaften als Bayern-Spieler brauchte er fünf Jahre (1985 bis 1990), als Trainer holt er nun seine zweite Schale. 2019 als Assistent von Niko Kovac verpflichtet, stieg er wie Phönix aus der Co-Trainer-Asche zum Sextuple-Helden der Saison 2019/20 empor. Während des Zoffs um Kompetenzen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic hätte er im Stadion wohl den Rückhalt der Fans erfahren. Flick ließ seinen bis 2023 laufenden Vertrag vorzeitig auflösen, im Anschluss an die EM wird er Bundestrainer – nur noch kleine Details sind zu klären. „Es war eine tolle Zeit. Diese zwei Jahre waren sehr wertvoll für mich“, sagte Flick und liebäugelt bereits damit, eines Tages den Jupp zu machen, sprich: zurückzukehren. Dies sei „natürlich nicht ausgeschlossen, weil Bayern München einfach eine sehr gute Adresse ist“.

3) Javi Martínez (32): Kam 2012 als Rekordtransfer (40 Millionen Euro Ablöse) aus Bilbao und wurde sofort zu dem Puzzle-Teil im defensiven Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger. Mit dem Basken holte Bayern 2013 erstmals das Triple. Ein geerdeter, immer freundlicher Typ, der mit feuchten Augen über seinen nahenden Abschied sprach. Obwohl zuletzt eher Ergänzungsspieler war Martínez in der Kabine für die Integration der Neuen zuständig, erfüllte loyal seine Helfer-Rolle. Als Tore-Held der UEFA-Supercups 2013 und 2020 bei den Fans unvergessen.

4) Jérôme Boateng (32): Dass der Innenverteidiger zehn Jahre bleiben sollte, hatte man nach harschen Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß einst nicht gedacht. Boateng blieb sich stets treu, zog sein Ding durch, auch wenn er mal aneckte. Ein geradliniger Typ, der allerdings nie die ganz große Liebe der Fans erfuhr. Wie bei Martínez endet der Vertrag. Wie sehr er fehlt, stellen so manche wohl erst in der kommenden Saison fest.

5) David Alaba (28): 24 Titel holte der Österreicher, der 2008 als Teenager aus Wien an die Säbener Straße kam und ins Jugendinternat zog. Verabschiedet sich mit der zehnten Meisterschale (gemeinsamer Rekord mit Thomas Müller), wechselt zu Real Madrid. Dass sich der Poker um eine mögliche Vertragsverlängerung so lange hinzog, haben ihm einige Anhänger übelgenommen. Wie Martínez und Boateng soll auch Alaba gegen Augsburg zum Einsatz kommen, wohl alle von Beginn an.

6) Miroslav Klose (42): Als Bayern-Spieler von 2007 bis 2011 zwei Mal Meister und Pokalsieger, blieb jedoch im Schatten der Fanlieblinge Frank Ribéry, Arjen Robben und Luca Toni. Übernahm 2018 Bayerns B-Junioren, gehörte nun ein Jahr Flicks Trainerstab als Assistent an. Der fleißige Arbeiter hielt sich stets im Hintergrund, strebt nun eine neue Herausforderung als Cheftrainer an.