02. August 2019 / 11:15 Uhr

Ex-96er Harald Gärtner im Interview: Das braucht Hannover 96 für den Aufstieg

Ex-96er Harald Gärtner im Interview: Das braucht Hannover 96 für den Aufstieg

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Harald Gärtner stieg mit Hannover 96 im Jahr 1998 in die 2. Bundesliga auf (rechts mit Jörg Sievers). Auch mit dem FC Ingolstadt feierte er solche Erfolge - er weiß, wie es geht. Auf und neben dem Platz.
Harald Gärtner stieg mit Hannover 96 im Jahr 1998 in die 2. Bundesliga auf (rechts mit Jörg Sievers). Auch mit dem FC Ingolstadt feierte er solche Erfolge - er weiß, wie es geht. Auf und neben dem Platz. © imago/Debbie Jayne Kinsey
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Was es für einen Aufstieg braucht, weiß er: Harald Gärtner stieg 1998 mit Hannover 96 in die 2. Bundesliga auf. Nicht nur als Spieler hat er diese Euphorie genossen. Den furiosen sportlichen Aufstieg des 1. FC Ingolstadt hat er entscheidend beeinflusst. Im SPORTBUZZER-Interview verrät er, worauf es diese Saison für die Roten ankommt und was es erschweren könnte. 

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Harald Gärtner (50) spielte von 1996 bis 2000 für Hannover 96, stieg 1998 mit in die zweite Liga auf. Ab 2007 baute er den FC Ingolstadt erfolgreich um – erst als Sportdirektor, dann als Geschäftsführer.

Höhepunkt war der Aufstieg in die Bundesliga 2015. Zwei Jahre später ging’s wieder runter – zuletzt sogar in die 3. Liga. Noch vor dem Abstieg, Ende März, trennten sich Ingolstadt und Gärtner. Im Interview warnt der Ex-Profi seinen ehemaligen Klub 96 vor den Gefahren der zweiten Liga, sagt aber auch: Hannover kann sich zu einem Aufstiegsfavoriten entwickeln.

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Herr Gärtner, Sie waren fast 13 Jahre lang in verantwortungsvoller Position beim FC Ingolstadt tätig und können zurzeit mal ganz entspannt Fußball schauen. Wie ist das denn so?

Auf der einen Seite muss man sich erst mal daran gewöhnen. Andererseits kann man viel reflektieren, was man in den vergangenen Jahren gemacht hat. Das ist sehr wichtig. Ich war zuletzt auch im Ausland bei Vereinen, habe da auf die Strukturen geschaut – ich bin heiß darauf, mich weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite hat es in diesem Sommer gutgetan, mal nicht über Saisonplanung, Transfers und Lösungen im und um den Verein nachzudenken und ein normales, lockeres Familienleben zu genießen. Ich habe den Akku wieder aufgeladen.

Sie haben ja in Ingolstadt ordentlich was aufgebaut mit dem absoluten Höhepunkt Aufstieg in die Bundesliga 2015.

Der FC Ingolstadt ist 15 Jahre alt und im Vergleich zu Hannover 96 eine ganz andere Marke. Wenn du dann in die Bundesliga aufsteigst und im ersten Jahr auch die Liga hältst, setzt das natürlich unheimlich viele Kräfte frei. Damals haben alle Mosaiksteinchen gepasst. Aber man muss als Verein wissen, wo man herkommt. Was sind die Ressourcen, was ist die Basis? Dann können Verein und Umfeld auch mit Ergebniskrisen und unvorhersehbaren Situationen besser umgehen.

Die kamen ja dann – hatten Sie diesen Plan B für den Fall des Abstieg?

Natürlich hatten wir einen Plan B, aber man lässt sich schon von den Emotionen und der Atmosphäre leiten, wenn man so ein erstes Jahr in der Bundesliga im Hinterkopf hat. Da haben bei uns schon einige in dieser Zufriedenheit gelebt, dass es schon irgendwie weitergehen wird.

Weitergehen heißt ja für einen Bundesliga-Absteiger: sofort wieder hoch.

Das scheint ja die allgemeine Meinung zu sein, dass der direkte Wiederaufstieg nach dem Abstieg absolute Pflicht ist. Man hat vielleicht andere wirtschaftliche Voraussetzungen, die man einsetzen kann, aber es gibt kein Gesetz, dass der sofortige Aufstieg wieder klappt. Hinzu kommt, dass man in der zweiten Liga immer ein Überraschungsteam dabei hat. Die kriegen dann einen Flow und laufen durch. Das war damals bei unserem Aufstieg auch so.

Um mal den Bogen nach Hannover zu spannen ...

... es waren in Hannover überragende vier Jahre für mich. Nicht nur dass einer meiner Söhne dort geboren wurde, es ist auch die ein- oder andere enge, bis heute andauernde Freundschaft entstanden. Was den Verein Hannover 96 betrifft, waren es auch turbulente Zeiten, die damals mit dem Aufstieg gekrönt wurden. Ich kann mich noch gut erinnern, dass der Zusammenhalt in der Mannschaft, im Verein und mit den Fans unglaublich gut war.

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Die Heim- und Auswärtsspiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 im Überblick. ©
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In der vergangenen Zweitliga-Saison war die Überraschungsmannschaft Paderborn – Ingolstadt als Absteiger war die negative Überraschung. Selbst vier Trainerwechsel konnten das am Ende nicht verhindern. Was haben Sie falsch gemacht?

Es liegt natürlich nicht immer nur am Trainer. Auf der anderen Seite haben wir in der Rückrunde 25 Punkte geholt, das geht in Richtung Aufstieg. Aber der Abstieg in die 3. Liga muss einen Verein wie den FC Ingolstadt nicht umbringen. Man muss die Lehren daraus ziehen, muss mit einer Timeline und realistischen Erwartungshaltungen in die Zukunft gehen. Ich bleibe auch nach meinem Ausscheiden dabei: Ingolstadt hat hervorragende Perspektiven.  

Und jetzt ist der 14 Jahre lang gefestigte Erstligist 96 nach dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren wieder zu einer Fahrstuhlmannschaft geworden.

Das ist schade, aber Stuttgart geht es ja genauso. Die 2. Liga hat sich aber erheblich verändert, was die wirtschaftlichen, sportlichen und infrastrukturellen Parameter betrifft. Man trifft auf Mannschaften, die sind seit Jahren gewachsen, dadurch sind Automatismen im Spiel, die du als Bundesliga-Absteiger erst mal wieder neu erarbeiten musst. Ein Absteiger muss auch wissen, dass er der Gejagte ist und alle ihn schlagen wollen. Dann musst du schon eine Mannschaft haben, die druckresistent ist, es muss im Team und im Umfeld stimmen. Und damit meine ich auch den Gesamtverein. Wenn du da Ruhe hast und eine klare Linie – dann hast du eine Riesenchance, sofort wieder aufzusteigen.

Diese Ruhe gibt es bei 96 nicht ...

(lacht) Es hat ab und zu den Anschein, um mich mal politisch auszudrücken.

Sie haben den Saisonauftakt von 96 in Stuttgart gesehen. Was hatten Sie für einen Eindruck?

Ich denke, dass Stuttgart von der Gesamtqualität und der Kaderzusammenstellung einen kleinen Schritt voraus ist und deshalb hatte ich auf einen knappen Sieg für den VfB getippt. Die Anfangsphase von 96 war stark aus meiner Sicht, und Hannover hätte durchaus in Führung gehen können. Mirko Slomka und sein Team haben die Mannschaft sehr gut auf Stuttgart eingestellt. Mit Ducksch und Weydandt hat Hannover Leute in seinen Reihen, die für viele Tore gut sein können. Ein Kreativspieler könnte der Mannschaft aber bestimmt auch noch guttun. Insgesamt ist in Hannover einiges möglich, wenn mit den Fans im Rücken die notwendige Begeisterung entsteht.

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Ist 96 ein Aufstiegsfavorit?

Ich bin mir sicher, dass sich 96 dorthin entwickeln kann. Aber man sollte der Mannschaft auch diese Zeit geben. Ich glaube, die Fans in Hannover möchten gerne wieder Bundesliga-Fußball sehen – und an diesem Ziel müssen alle gemeinsam arbeiten. Mit dem nötigen Respekt voreinander. Wenn alle Seiten das dementsprechend seriös angehen, dann sehe ich Hannover immer als einen Standort, der die absolute Möglichkeit hat, in der Bundesliga eine feste Rolle zu spielen.

Sie haben auch eine Regensburg-Vergangenheit ...

Das war eine meiner letzten Stationen als Spieler. Regensburg war 2001 aus der Regionalliga aufgestiegen und suchte noch einen erfahrenen Spieler. Ich kam damals aus der ersten österreichischen Liga von Admira Wacker Mödling.

Wie ist Regensburg aktuell drauf?

Da kommt eine Mannschaft am Samstag nach Hannover, die weiß, was sie kann – die aber auch weiß, was sie nicht kann. Sie spielt sehr hohes Pressing, sehr laufintensiv. Das 3:1 zum Auftakt gegen Bochum war verdient. Aber ich sage auch: Damit 96 in seiner Entwicklung weiterkommt, muss gegen Regensburg gepunktet werden. Es ist am Anfang wichtig, irgendwie zu punkten, um sich dann im zweiten Drittel der Saison zu festigen und die Möglichkeit zu schaffen, bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg mitzuspielen.

Wo sehen wir Sie in Zukunft?

Da der Fußball über Jahre hinweg meine Leidenschaft ist, möchte ich natürlich auch weiterhin in diesem Metier tätig sein. Ich schaue, was auf dem Markt passiert und bin natürlich für neue Herausforderungen offen.

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