03. September 2020 / 15:25 Uhr

Harder weg, Pajor und Rolfö fallen aus: Den VfL-Frauen fehlen zum Start 49 Tore!

Harder weg, Pajor und Rolfö fallen aus: Den VfL-Frauen fehlen zum Start 49 Tore!

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ewa Pajor fällt mit Knieproblemen aus
Ewa Pajor fällt mit Knieproblemen aus
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Sturmsorgen bei den Fußballerinnen des VfL Wolfsburg. Ewa Pajor droht lange auszufallen, Pernille Harder ist nicht mehr da - und auch auch Fridolina Rolfö kann am Freitagabend gegen die SGS Essen nicht spielen.

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Die neue Saison der Frauenfußball-Bundesliga beginnt für den VfL Wolfsburg mit Sorgen. Für das Spiel gegen die SGS Essen am Freitag um 19.15 Uhr (live auf Eurosport) muss Trainer Stephan Lerch eine neue Offensive basteln. Pernille Harder hat den Klub Richtung Chelsea verlassen, Ewa Pajor und Fridolina Rolfö fallen verletzt aus. In der vergangenen Saison haben diese drei Spielerinnen in der Liga zusammen 49 (Harder 27, Pajor 16, Rolfö 6) der insgesamt 93 Treffer erzielt - Tore, die dem VfL jetzt fehlen!

Bei Pajor droht sogar ein längerer Ausfall. Die Polin hat Knieprobleme, genauere Untersuchungen stehen noch an. Das linke Knie hatte bereits in der vergangenen Saison dafür gesorgt, dass Pajor einige Spiele verpasst hat. Wolfsburg-Trainer Stephan Lerch: "Wir hoffen, dass wir einen langfristigen Ausfall vermeiden können, rechnen aber damit, dass sie uns zumindest in den nächsten Spielen fehlen wird." Denn: "Knieprobleme gehen nicht so einfach und schnell weg."

Mehr zum Harder-Abschied

Rolfö fehlt gegen Essen wegen einer leichten Gehirnerschütterung, die sie sich im Champions-League-Finale am Sonntag gegen Olympique Lyon zugezogen hat. Die Schwedin, die mit ihrem Tor gegen Barcelona den VfL in dieses Finale geschossen hatte, könnte aber am zweiten Spieltag (Sonntag, 13. September in Hoffenheim) wieder dabei sein. "Da muss man schauen, dass keine Kopfschmerzen mehr da sind", so Lerch, der nach dem intensiven CL-Turnier auch darüber nachdenkt, trotz der Ausfällen noch weitere Spielerinnen zu schonen. Man habe viele Akteurinnen, die "beim Turnier viele Spielminuten bekommen haben. Wir wissen, dass jetzt nicht viel Zeit zwischen den beiden Spielen war und nächste Woche treffen wir mit Hoffenheim auf einen Konkurrenten auf die vorderen Plätze. Es ist durchaus in unseren Köpfen, dass wir versuchen Pausen zu geben. Die Belastung, körperlich sowie mental, war bei allen enorm hoch in letzter Zeit."

Aus dem Wolfsburger Offensivquartett, das gegen Lyon begann, ist damit für den Bundesliga-Start nur noch Svenja Huth übrig. Wie löst Lerch das Angriffspuzzle? "Pauline Bremer hat zuletzt immer in der Spitze agiert und kam weniger über Außen, da würde sich ein Eins-zu-Eins-Wechsel anbieten. Natürlich ist das eine naheliegende Option", weiß Lerch, der aber auch sagt: "Huth könnte noch mehr ins Zentrum kommen, wenn man gegen tiefstehende Gegner Lösungen finden muss." Und mit Essen erwarte man einen defensiv eingestellten Gegner. Grundsätzlich "haben wir schon noch ein paar Optionen, auch über Außen sind wir in letzter Zeit recht flexibel gewesen. Pia-Sophie Wolter kann auf beiden Seiten spielen, Felicitas Rauch hat beispielsweise in der Nationalmannschaft schon offensiver gespielt und kommt diesbezüglich auch in Betracht."

Lerch mit Harder-Abschied nicht glücklich

Dass mit dem Abgang von Harder eine Schlüsselspielerin der Offensive gegangen ist, bedauert Lerch: "Aus sportlicher Sicht ein extrem herber Verlust für uns. Auch der Zeitpunkt ist schwierig." Dass sein Top-Star unmittelbar vor der Saison geht, habe ihn "sehr beschäftigt und aufgewühlt." Und er deutet an, dass er als Trainer dagegen war, Harder (deren Vertrag noch bis 2021 lief) gegen Ablöse ziehen zu lassen - und dass ihn der Wechselwunsch der Spielerin ebenso alles andere als glücklich gemacht hat. „Wir haben seit langem versucht, Harder zum Bleiben zu bewegen. Ralf Kellermann hatte aber keine Chance, sie hier zu halten“, so Lerch. Harder habe zudem ihre Wechselabsicht mehrfach in einer nicht angenehmen Art und Weise formuliert. So etwas entspräche "nicht meinen Überzeugungen" und lief nicht so, "wie ich das machen würde." Aber: "Jedem war klar, dass sie spätestens nächstes Jahr geht - und auch, wie auch ihre private Verbindung nach London aussieht." Harders Freundin Magdalena Eriksson spielt bereits für Chelsea.

Nun gibt es wenige Tage vor dem Saisonstart kaum Zeit, um noch auf dem Transfermarkt zu reagieren. Dennoch sei es möglich, dass der VfL - auch angesichts des Pajor-Ausfalls - bis zum Transferende am 5. Oktober noch eine Spielerin verpflicht. "Wir sind nicht untätig", bestätigt Lerch, doch "viele Spielerinnen sind schon vom Markt und wir werden nichts machen, das keinen Sinn ergibt. Es ist aber nicht ausgeschlossen."

Sportlich gesehen, so Lerch, "hat nicht nur Pernilles Torgefährlichkeit sie wichtig für uns gemacht. Sie ist eine, wenn nicht die beste Spielerin der Welt." Aber Harder, findet Lerch, hat auch viel von ihren Mitspielerinnen beim VfL profitiert. "Sie hatte tolle Mitspielerinnen um sich herum - das hat sie ja auch immer betont. Man darf nicht den Fehler machen und den Erfolg nur an einer Spielerin festmachen. Natürlich hat sie viele Tore geschossen und auch mal den Unterschied ausgemacht, aber die Mannschaft ist in den letzten Jahren super zusammengestellt worden, es hat im Kollektiv super funktioniert." Dementsprechend öffnen sich neue Möglichkeiten: "Ich sehe es auch als Chance, dass andere Spielerinnen jetzt aus diesem Schatten heraustreten und Verantwortung übernehmen müssen." Niemand könne sich davon rausnehmen. "Man soll nicht meinen, dass jetzt nur eine bestimmte Spielerin oder nur die Offensive das kompensieren muss. Da können alle jetzt sagen: Wir müssen diese ganze Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Wir stehen als Team zusammen, was wir in den vergangenen Jahren schon immer wieder gezeigt haben - aber vielleicht jetzt in besonderem Maße."