01. Juli 2021 / 10:41 Uhr

Hart, aber herzlich: Riese Max Bruder als Schutzschild der Leipzig Kings

Hart, aber herzlich: Riese Max Bruder als Schutzschild der Leipzig Kings

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Max Bruder (1)
Max Bruder wechselte von den Leipzig Lions zu den Kings. © Mariann Wenzel
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Der Hüne Max Bruder ist bei den Leipzig Kings der Abräumer. Energisch und kompromisslos muss er im Kampf Mann gegen Mann seine Nebenleute schützen. Abseits des harten Geschäfts im American Football arbeitet der Teilzeit-Profi in einem Leipziger Kindergarten.

Leipzig. Die Maße sind angsteinflößend. Mit 2,13 Körpergröße, Schuhgröße 50 und 141 Kilogramm Kampfgewicht ist Max Bruder als Offensive Linemen bei den Leipzig Kings das Schutzschild für den Quarterback. Der 23-Jährige riskiert praktisch seine Gesundheit, um die Mitspieler zu schützen. Wenn die Leipzig Kings in ihrer Premieren-Saison der European League of Football (ELF) an diesem Sonntag (15.00 Uhr) im Leutzscher Alfred-Kunze-Sportpark gegen die Cologne Centurions ihr erstes Heimspiel bestreiten, hat Bruder seine Unterstützung schon sicher. Denn ein ganzer Kindergarten fiebert mit.

"Das Ding ist, ich bin Erzieher in einer Kita, und es ist wirklich so, das erste Spiel haben fast alle Kinder geguckt, es war furchtbar süß, ich habe danach viele Bilder mit Trophäen bekommen", sagte der Abräumer der Deutschen Presse-Agentur und betonte: "Da weiß man, wofür man es macht. Wenn sie dann vielleicht mal sagen, ich will auch so werden, dann habe ich mein Ziel als Footballer erreicht."

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Klare Niederlage für die Leipzig Kings: Nach dem Auftakterfolg in Berlin kassierten die Messestädter bei den Wroclaw Panthers eine klare 28:54-Niederlage. ©

Dieser Stoff, der sonst nur in Hollywood-Filmen verarbeitet wird, ist bei den Kings Realität. Mit der neuen ELF wurde für den Leipziger Bruder ein erster Traum wahr. "Es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung, ich bin allen Verantwortlichen echt dankbar, dass es diese Bühne gibt", sagte Bruder und setzt auf die Sportstadt Leipzig: "RB engagiert sich in der Jugendarbeit, dann hast du viele Traditionsvereine wie Chemie und Lok auf den Fußball-Sektor, dann noch die DHfK, die eine Menge machen." Fast jede Sportart sei in Leipzig vertreten. Daher ist er sich sicher: "So ein hochrangiges Football-Team hat die Stadt auf jeden Fall verdient, ich bin sehr optimistisch, dass es gut ankommt."

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"Habe noch viel Luft nach oben"

Das derzeit 53-köpfige Team von Chefcoach Fred Armstrong, das quasi in wenigen Wochen aufgestellt wurde, überraschte zum Auftakt mit einem 37:27-Sieg bei den Berlin Thunders. "Es ist beeindruckend, was wir schon erreicht haben. Die Jungs haben Herz und spielen harten Football", betonte Armstrong, der maximal vier US-Amerikaner im Team haben darf. "Der Ansporn der Liga ist es, jedes Team mit regionalen Spielern zu bestücken", erklärte Bruder, der von seinen Mitspielern - egal ob Japaner oder Norwegern - beeindruckt ist: "Da kann ich als Local Player enorm viel lernen."

Der Kader ist in einer ständigen Entwicklung. Mitten im Gespräch platzen zwei Dresdner rein, Coach Armstrong kümmert sich sofort. Ein Hotel in der Leipziger Innenstadt dient als Basisstation, zwei Drittel des Teams wohnen dort über die Saison, der Rest aus Magdeburg, Erfurt oder Erlangen pendelt auch mal.

Obwohl die meistens Profis sind, plant Bruder parallel. "Ich bin Teilprofi, gehe zusätzlich noch arbeiten. Es gibt immer auch ein Leben nach dem Sport, ich bin froh, dass ich eine abgeschlossene Berufsausbildung habe", sagte er. Dennoch investierte er viel. Fing vor zwei Monaten mit Personaltraining an, steigerte die Trainingseinheiten von einst zwei auf neun Mal wöchentlich, arbeitete an seiner Lauftechnik und stellte seine Ernährung um. "Es gibt keinen Grund, warum ich nicht besser werden soll. Ich bin schon stärker und schneller geworden, habe aber noch viel Luft nach oben", schätzte Bruder ein.


Vertrauen zu seinen Nebenleuten

Kniebeuge und Kreuzheben jenseits der 100 Kilogramm sind kein Problem mehr für den einstigen Wasserballer, der von 2008 bis zum Tryout Mitte Mai bei den Leipzig Lions spielte. Die nächste Steigerung kann kommen. "Jeder, der mit Football zu tun hat, träumt davon, in der NFL zu spielen. ELF-Commissioner Patrick Esume sagte mir beim Tryout sofort, du hast die Maße." Die nächsten Etappen sind für den Bach-up-Spieler hinter einem Norweger klar: "Als Erstes das Ziel, so fit zu werden, dass ich in der Liga dominieren kann, das ist noch ein weiter Weg." Danach sei alles offen. "Ein Coach in Amerika sagte mir mal, Größe kann man nicht coachen, ich bringe sie schon mit. Den Rest kann ich dazufügen", meinte Bruder.

Trotz seiner unglaublichen Maße ist er sich der Härte des Sports bewusst. "Beim Football darfst du alles aus dem Weg räumen, was mit dem Ballträger zu tun haben könnte", erklärte er und setzt auf vollstes Vertrauen zu seinen Nebenleuten, um seinen Quarterback zu schützen. "Es geht nur darum, taktisch klug vorzugehen, das ist dann auch mit weniger Schmerz verbunden", weiß er aus eigener Erfahrung.

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Sorgen mache er sich um seinen Kopf. "Die Schläge auf den Kopf sind ein langer Prozess, wo man nicht weiß, was am Ende rauskommt", sagte er und verwies auf die Football-Krankheit CTE - Chronische traumatische Enzephalopathie, die durch viele Gehirnerschütterungen ausgelöst wird. Die Mischung aus Gefahr, Härte und taktisch cleveres Handeln reizt ihn besonders. "Mein Vorbild ist Quenton Nelson von den Indianapolis Colts, weil der quasi alles rasiert. Aber in den Interviews wirkt er wie Schwiegermutters Liebling - so will ich auch sein, schön am Boden geblieben, aber trotzdem sportlich hart und menschlich sauber."

dpa